Gottes bunte Herde

Liebe Gemeinde,

heute habe ich mitten im Predigttext aufgehört, lasst mich erst mal über die ersten drei Verse sprechen. „Sage mir, mit wem du Umgang hast und ich sage dir, wer du bist.“ So murren die Frommen über Jesus, er gibt sich als Freund der Zöllner und Sünder. „Gleich und gleich gesellt sich gern!“ sagen sie ihm nach und so werfen sie ihn in eine Schublade mit den Leuten, mit denen sie nichts zu tun haben wollen. Und wie so oft erzählt Jesus eine Geschichte, wenn er den Leuten etwas Wichtiges klarmachen möchte. Und wenn Jesus eine Geschichte erzählt, dann geht das nicht trocken zu, sondern er nimmt die Bilder aus der Lebenswelt der Hörer. Und so habe ich zu dem Gleichnis das Jesus erzählt, heute Bilder mitgebracht (Das verlorene Schaf von Nick Butterworth und Mick Inkpen Oncken Verlag):

Bild 1: Hier siehst du einen Bauern. Er hat hundert Schafe und zählt sie gerade. Aber er kommt nur auf 99.
Bild 2: Ein Schaf fehlt. Die Tür steht offen. O weh! Wo ist es hingelaufen?
Bild3: Er sucht es im Hühnerstall und findet es nicht.
Bild 4: Er sucht es im Heuhaufen und findet es nicht.
Bild 5: Er sucht es hinter den Büschen, aber es ist weg.
Bild 6: Den ganzen Tag lang sucht der Bauer nach seinem Schaf. Er klettert über Hügel und auf Felsen.
Bild 7: Er bleibt im Dornengestrüpp hängen, aber er gibt nicht auf
Bild 8: Er ist müde und hungrig, seine Füße tun ihm weh. Aber gibt nicht auf.
Bild 9: Endlich entdeckt der Bauer sein Schaf. Es ist in den Fluss gefallen.
Bild 10: Der Bauer springt kopfüber ins Wasser. Er rettet sein Schaf.
Bild 11: Hurra! Der Bauer hat sein Schaf gefunden, das gibt ein Fest.
Bild 12: Jesus sagt: Gott ist wie der Bauer. Er liebt uns genauso, wie der Bauer sein Schaf liebt.

Und die Schlussfolgerung, die Jesus aus dieser Geschichte zieht, heißt: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Ich will dir nicht zu nahe treten, aber eines steht außer Zweifel: Jesus vergleicht uns in dieser Geschichte mit Schafen. Und der entscheidende Punkt, auf dem wir hier achten müssen ist: bei den Schafen kommt alles darauf an, wie ihr räumliches Verhältnis zum Schäfer aussieht.

Es ist eben ein Unterschied, ob ich im warmen Heu des Stalles stehe und mäh sage, oder ob ich bis an den Hals im kalten Wasser stehe und mäh sage.

Und es ist eben auch ein Unterschied, ob ich im sicheren Glauben in der Gegenwart Gottes Halleluja rufe, oder ob ich bis zum Hals in der Schwierigkeit des Lebens stecke und Halleluja rufe.

Als der Schäfer feststellt, ich habe ja noch 99 Schafe, hätte er sagen können: Das ist die Mehrheit, 1% Verlust ist normal. Wegen dem einen mache ich mich nicht auf die Socken. Aber so ist der Schäfer nicht.

Du kannst noch so klein und unbedeutend sein. Du kannst dich noch so unwichtig fühlen. Gott nimmt dich so wichtig, dass er sich extra aufmacht, um zu dir zu kommen.

Ein Kind benimmt sich im Flugzeug daneben. Die Stewardess bringt das Kind zu der Mutter und sagt, dass sie besser auf es aufpassen soll. Eine Weile geht das gut, aber dann ärgert es um so mehr die Fluggäste, bis die Stewardess es wieder zur Mutter bringt und ihr unmissverständlich klar macht, dass sie Kind in Schach halten soll. So schnallt sie es mit dem Sicherheitsgurt an den Sitz. Nach einer Weil lacht das Kind laut auf. „Warum lachst du“, fragt die Mutter. „Weil ich zwar äußerlich ruhig sitze, aber innerlich renn ich herum“ antwortet das Kind.

Wie viel von dem was wir tun; machen wir auch als Jugendliche und erwachsene nur äußerlich mit und sind innerlich gar nicht dabei. Manchen von euch zukünftigen Konfirmandinnen und Konfirmanden ist es ähnlich. Innerlich sitzt ihr sonntags in der Kirchenbank oder mittwochs im Konfirmandenunterricht, aber innerlich seid ihr ganz wo anders.

Ich kann nur das äußerlich kontrollieren, wenn ihr euch innerlich wie das verlorene Schaf verhaltet, euch durch Dornengestrüpp quält und schließlich im Wasser landet, kann ich das weder kontrollieren, noch ändern.

Doch diese Geschichte mit dem Schaf zeigt, dass Gott will, dass ihr nicht nur äußerlich da seid, sondern das er auch eure innere Anteilnahme haben möchte.

Das verlorene Schaf war innerlich ganz beim Schäfer, als es in den Fluss gefallen war. Es dachte, hoffentlich kommt der bald und holt mich da raus. Es war äußerlich weg vom Schäfer. Ihr habt einen ganz großen Vorteil: ihr seid äußerlich schon da, landet auch innerlich.

Aber das ist ja nicht nur ein Problem von euch Konfirmanden. Das gilt auch euren Eltern, da gilt allen Gottesdienstbesuchern, das gilt sogar zu allererst mir: bin ich wenn ich hier oben auf der Kanzel steh, wenn ich mit euch den Gottesdienst feiere, auch innerlich ganz bei der Sache.

Seid ihr, die mit mir diesen Gottesdienst feiert, auch innerlich ganz bei der Sache.
Eigentlich musst du gar nichts tun, au0ßer dich finden zu lassen. Das wäre ja gut, wenn wir nicht eine so wahnsinnig gute Abwehr entwickelt hätten, die verhindern, dass Gott uns finden kann:

1) ich bin ja okay
„Ich bin ja okay“, sagte das Schaf , als es ins Wasser gefallen war. Ich will jetzt weder bestreiten, dass das Schaf okay war, noch will ich bestreiten dass du okay bist. Aber als dem Schaf das Wasser bis an den Hals, oder wenn dir die Schwierigkeiten des Lebens bis an den Hals stehen, kommen die ersten Zweifel, ob das wirklich was nützt.

So wie der Schäfer weiß, was für seine Schafe gut ist so weiß Gott etwas für dich gut. So will Gott dir und deinem Leben Gutes tun.
Die zweite Abwehr ist:

2) Gott gibt es nicht, erstens kann ich ihn nicht sehen, hören, tasten, riechen fühlen.
Und wie schwachen Argumenten diese Aussage steht, zeigt folgende Geschichte: Bei der Bundeswehr heißt es antreten. Der Offizier fragt: „Wer glaubt den Gott.“ Ein Gefreiter tritt vor. Der Offizier meint: „Wie können sie denn an Gott glauben, den können sie doch gar nicht sehen.“ Der Gefreite ist nicht verlegen und antwortet: „Genau aus dem gleichen Grund zweifle ich an ihrem Verstand.“ Es gibt viele dinge, die wir nicht sehen können, aber keine käme auf die Idee, sie zu leugnen. Buch durch die Kirche werfen. Wir können die Auswirkungen Gottes spüren in dieser Welt, zu Beispiel dass er dich retten möchte. Die dritte Abwehr ist

3) Schau dir die anderen Schafe an, die sind so ungezogen und unartig, zu denen will ich nicht gehören.
Die Christen sind doch nicht besser und zu den Kirchenspringern, die jeden Sonntag in die Kirche rennen, will ich gar nicht gehören. Wenn du dir einmal eine Schafherde ansiehst, wirst du sehen, dass dies eine recht gemischte Sache ist. Da gibt es schwarze Schafe, Schafe, die auf das Leittier hören und Schafe, die Hund ständig zu der Herde zurücktreiben muss. Und es gibt verlorene Schafe. So sind auch die Schafherde Gottes, die Christen ein recht bunter Verein. Das entscheidende ist auch der Schäfer, Jesus. Er ist auf der Suche nach dir und das die Schafherde Gottes so bunt ist, passt du auf jeden fall auch rein.

So passen auch die drei Kinder, die wir heute getauft haben, in diese bunte Herde hinein. Das sehen wir auch an den Taufsprüchen: Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12) Hier bekommen wird das Licht, damit wir unseren Weg zu Gott finden. Darum haben wir auch die Taufkerze angezündet. Jesus sagt: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. (Markus 9, 23) Das Entscheidende ist der Glaube an Jesus Christus. Hier ist die Mitte der bunten Herde Gottes.

Gott sagt zu dir, lass deine Entschuldigungen, ich weiß wann du okay bist, mich gibt es und die meine bunte Schafherde, lass meine Sorge sein, für die bin ich schließlich auch am Kreuz gestorben: es kommt einzig und allein auf dich an. Die anderen neunundneunzig, die heute morgen hier im Gottesdienst sitzen, brauchen dich gar nicht zu kümmern: Gott meint dich und Gott sucht dich, lass dich von ihm finden, damit du auch zu seiner Schafherde gehörst.

Damit zumindest einer oder eine kleine Erinnerung an diesen Gottesdienst hat, habe ich das Büchlein mitgebracht, aus die Bilder dieser Geschichte sind. Ich werfe es jetzt einfach der Gemeinde zu. (Buch durch die Kirche werfen) Wer es auffängt hat es, aber auch die anderen brauchen nicht traurig zu sein., die müssen daheim ihre Bibel nur bei Lukas 15 aufschlagen, dort finden sie die Geschichte, die Jesu erzählt hat.

Und wie wichtig es Jesus ist, dass wir uns finden lassen, werdet ihr dann vorstellen. Denn es ist das einzige Mal das Jesus drei Geschichten über die gleiche Sache hintereinander erzählt, das zeigt, wie wichtig es ist, dass Gott auf der nach dir ist, lass dich von Gott finden. Darauf wird es auch bei den drei Kinder ankommen, darum bekommt ihr die Bildergeschichte mit auf den Weg.

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