Gottes Abenteuer

Liebe Festgemeinde,

Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und es lief vom Himmel zur Erde.

Und wo es auch hinkam, bewegte es die Menschen, es bewegt sie, weil Liebesgeschichten Menschen immer bewegen. Und:

Dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt, ist doch unbestreitbar – nicht nur, weil da eine Frau und ein Mann zu einer Familie werden – nein, es geschieht ein Liebesabenteuer, weil Gott nicht länger mit ansehen kann, dass die Menschen meinen, ER, der große Gott habe sie vergessen.

So beginnt Gottes Abenteuer jenseits der großen Weltbühne in einem kleinen Land unter einfachen Leuten. Hier beginnt das große Liebesabendteuer Gottes zur Rettung von uns Menschen.

Und was so ganz im Verborgenen geschah, ist nicht im Verborgenen geblieben – sichtbar für alle Welt feiern Menschen auf dem ganzen Erdkreis das Fest der Weihnacht.

Und über jeder Feier schwebt die leise Sehnsucht – auch heute Gottes Besuch zu spüren – so ganz nah und warm. Etwas von dem Lichtstrahl jener Heiligen Nacht zu empfangen.

Und über jedem Fest schwebt die dunkle Angst, Gottes Liebesdrama zu versäumen, draußen vor der Tür zu bleiben, währenddessen in den Augen der anderen sich festlicher Glanz widerspiegelt.

Wo die Liebe Gottes gefeiert wird, sollte da nicht jeder spüren, dass uns in dem Gotteskind ein Lichtstrahl des Himmels treffen will?!

Ja, es soll, es darf jeder spüren. So sperrt die Ohren auf und die Hände und die Herzen, damit ihr mit Leib und Seele Gottes Freundlichkeit empfangen könnt.

Du meinst – du kannst doch nicht so tun, als sei diese Welt in Ordnung – du meinst du kannst die Bilder nicht vergessen – die jungen Männer und Frauen, die sich und andere in die Luft sprengen, den Hass kannst du nicht vergessen, die Lüge, den Unfrieden. Da kannst du nicht mitmachen – und Weihnachten feiern als gäbe es das alles nicht.

Dir kommt der Rummel um das Fest vor wie ein Kaminfeuer:

das wärmt ja von vorne aber hinten friert man. Heute die Freude und morgen kriecht neue Hoffnungslosigkeit in uns hoch.

Ach wie ich dich verstehen – ach, wie gut Gott dich versteht.

Verstehst du nicht – gerade deshalb lässt er sich auf das Abenteuer von Bethlehem ein – weil er die Welt kennt wie sie ist, weil er die Menschen kennt, wie sie sind. Deshalb kommt er – so wenig göttlich, im Stall, in einer Höhle zur Welt– wo Tod und Leben so dicht beieinander liegen, dort verbindet sich der große Gott mit dem kleinen Kind.

Im Futtertrog beginnt es – dieses merkwürdigste Liebesabenteuer, das die Welt je gesehen hat und am Kreuz endet es – fast – denn selbst in den tiefsten Tiefen des Lebens und Sterbens bleibt Gott gegenwärtig und sagt dem Leid, dem Schmerz, dem Tod den Kampf an.

Auch in dem Kummer und der Sorge dieses Heiligen Abends, auch in den Tränen, die heute geweint werden, in den Hilfeschreien, die scheinbar keine Antwort finden, ist er gegenwärtig.

Er ist mit uns lebendig, auch nachts in Kälte und Verzweiflung.

Er liegt im harten Futtertrog mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht. Füchse haben ihre Gruben und Vögel ihre Nester wir haben eine Wohnung, aber er hat nicht einmal eine richtige Unterkunft. Und schließlich hängt er am Kreuz verlassen und verzweifelt. So nahe kommt er uns. In ihm berührt uns Gottes Liebe. Er steht direkt neben uns.

Seit der Nacht von Bethlehem ist unsere Einsamkeit vorüber, niemandem unter uns, keinem von uns ist Gott fern.

Wie die Strahlen der Sonne überall hindringen, so ist Gottes Nähe.

Wir müssen nicht verzweifeln. Uns begegnet die Liebe Gottes, auch in den Stunden der Einsamkeit, auch in der Trauer und im Schmerz.

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborene Sohn gab, damit alle die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Gott macht uns in seinem Sohn das größte Geschenk – er zeigt uns mit ihm seine Nähe an.

Nun wäre es keine Liebe, wenn sie nicht zur Gegenliebe führte. Unsere Geschenke zu Weihnachten zeigen das. Es stimmt einfach nicht, dass wir sie nur verschenken, weil das üblich ist. In unseren Geschenken sehe ich etwas anders: wir versichern uns damit, einander gewogen zu sein und das ist ein Abglanz von Gottes Gewogenheit uns Menschen gegenüber.

So braucht die Sehnsucht und die Hoffnung auch morgen nicht wieder in der Weihnachtskiste verschwinden, um erst im kommenden Jahr wieder das Licht der Welt zu erblicken. Wir könnten die Aufgeschlossenheit vom heiligen Abend in den Alltag retten – hat uns Gott nicht seiner Zuneigung versichert? Seine Liebe jedenfalls ist nicht verborgen geblieben und er hat Hoffnung, Glaube und Liebe als Wegzehrung für uns Menschen in dieser Welt zurückgelassen. Er macht uns Mut, uns nun auch selbst auf die Liebe einzulassen – auf den stärksten Widerstand gegen das Böse in der Welt.

So mach dich auf einiges gefasst, wenn auch du dich auf Gottes Liebesabenteuer einlässt. Doch sei gewiss; es lohnt sich.

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