Gott will keine Entschuldigung, sondern Entschuldung

Liebe Gemeinde,

"Selbst ein Storch weiß, wann er zurückkehren muss" wird von Propheten Jeremia den Menschen vorgehalten. Das, was ein Storch ohne Probleme schafft: die Umkehr, das bereitet Menschen Schwierigkeiten. Aber worin liegt der Grund, das es uns Menschen so schwer fällt, zu Gott umzukehren. Die Antwort ist recht einfach: Zwischen uns und Gott steht unsere Schuld. Und mit der Frage nach der Schuld, packen wir ein heißes Eisen an.

wenn etwas passiert ist, dann sind wir heute schnell dabei die Schuld zu verharmlosen: die Veranlagung – die Gene, die Umstände – die Situation, die Umwelt – die Gesellschaft. Alles das sind Entschuldigungen, denn wir sind nicht nur das Produkt der Gene, der Situation und der Gesellschaft. wir haben auch eine eigenen Persönlichkeit.

Lassen wir selbst die Schuld zu? Kennen wir unser Inneres überhaupt? Wie gehen wir mit unserem Versagen um? Ich bin halt so geprägt! In dieser Situation konnte ich nicht anders! Die andern sind schuld!

Das alles sind nur billige Entschuldigungen. Du selbst bist schuld und im Grunde deines Herzens weißt du es. Gott will keine Entschuldigung, sondern Entschuldung, er möchte, dass du deine Schuld zugibst. Nicht deine Veranlagung ist schuld, wenn du sündigst. Gott hat dich als Wesen geschaffen, dass auf ihn ausgerichtet sein will. Wenn du sündigst, ist es nicht seine Veranlagung, sondern deine fehlende Ausrichtung auf Gott. (Bsp: der Satellitenschüssel) Nicht die Situation ist schuld, wenn du sündigst. Gott hat dir ein Gewissen gegeben, damit du dich entscheiden kannst. Und es gibt in jeder mehrere Möglichkeiten zu handeln. (Bsp: Diebstahl) Nicht die anderen sind schuld, wenn du sündigst. Jeder ist für seine Taten verantwortlich. (Bsp: Druck der Clique beim Rauchen) Du bist schuld. Und wenn du erkannt hast, dass du schuldig bist, und Gott in Jesus Christus um Vergebung bittest, dann merkst du: Gott nimmt dich an.

Gott nimmt dich an und nimmt dir etwas ab. Er möchte keine Entschuldigung, er möchte dich entschulden. Der Unterschied zwischen »entschuldigen« und »entschulden« ist groß: Entschuldigen nimmt die Schuld nicht ernst. Nicht Schuld und Not bagatellisieren, und unter dem Etikett »halb so schlimm« weiter mit sich herumtragen. Wenn ich zum Beispiel fremdgehen und Ehebruch mit meiner Veranlagung entschuldige, ich muss halt so, dann nehme ich das nicht ernst und komm auch nicht davon weg. Entschulden heißt: ich gebe die Schuld zu und sie kann weggenommen werden. Gott entschuldigt nicht die Tat, er entschuldet den Täter. Er nimmt die Last wirklich ab, wenn wir sie ihm abgeben. Er will uns aufrichten.

Aber bis dahin gibt es eine ganze Menge Hindernisse: Mein Stolz (»Es ist doch alles okay!« …) Meine Resignation (»Mir kann niemand mehr helfen!« …) Mut und Hoffnung, aufzustehen und neu anzufangen. Ernstnehmen, dass Gott uns nicht zum sündigen geschaffen hat. Das was eigentlich selbstverständlich ist, müssen wir neu lernen. Jeremia macht an den beispielen mit den Türen deutlich, wie irrwitzig und unnatürlich das Verhalten von uns Menschen ist: Jeremia 8,7 : Selbst ein Storch weiß, wann er zurückkehren muss, Taube, Schwalbe und Drossel kommen zur rechten Zeit wieder. Nur mein Volk weiß nicht, welche Ordnungen ich ihm gegeben habe.

Sollen wirklich die Tiere, die Tauben, die Schwalben, die Störche, uns, die Menschen des 21. Jahrhunderts, in den Schatten stellen? Da wir nun seit einem Jahrhundert auch die Luft beherrschen und wie die Vögel durch die Lüfte jagen, haben sie uns Menschen doch nichts mehr voraus. Was das Fliegen angeht, jedenfalls nicht. Aber der Prophet Jeremia, der gut 600 Jahre vor Christus noch nichts vom Zeitalter der Technik ahnte, behält doch recht, wenn er den Menschen, damals und heute, an die Vögel erinnert. Sie wissen ganz genau, wann es Zeit ist, den Flug in die Heimat oder zum bergenden Nest anzutreten und keine Bequemlichkeit, auch kein Wetter, kann sie an ihrer Heimkehr hindern. Mein Volk, so klagt Jeremia, es kümmert sich nicht um die Heimkehr zu dem lebendigen Gott, zu dem es doch gehört, bei dem seine wirkliche Heimat ist. Würde es doch den Vögeln gleich heimkehren! Obwohl die Gottesdienste damals im Tempel ganz gut besucht sind und Gottes Wort nicht verachtet wird, da sie sich die „Religion" etwas kosten lassen, denkt keiner an Umkehr und Heimkehr zu dem lebendigen Gott. Hinter der schönen Fassade ist es hohl und leer, da ist kein echtes Leben im Alltag, sondern da sind Lüge, Hass, Betrug und Geldgier zu Hause. Wie geschickt, bequem und beruhigend ist es doch, den frommen Mantel um diese hässlichen Dinge zu hängen! Aber der lebendige Gott, der nicht nur wie wir Menschen sieht, was vor Augen ist, sondern der das Innerste durchschaut, bringt die schillernde Seifenblase zum Platzen. Doch keiner bekennt: „Das war ich!" Und keiner gibt seine Schuld zu. Wir wissen ganz genau, wie verkehrt unser Weg ist, trotzdem ändern wir uns nicht. Rätselhaft! Warum nicht! Ist nicht der Drang, ohne Gott zu leben, nur sich selbst verantwortlich zu sein, so stark? Ja, das ist unsre eigene, ganz natürliche Art; wir finden sie auch bei uns. Und doch hängt unser ganzes Leben, heute und in der Zukunft, von dem lebendigen Gott ab und unserer Gemeinschaft zu ihm. Niemand kann uns den Weg zum Vater zeigen, nur der Sohn. Er ist selber der Weg, die Brücke zu Gott, dem Vater. Da wartet dein himmlischer Vater – auch heute – ob du Mensch aus der Ferne zu ihm heimkehrst! Es ist unsere Zeit – heute! Wollen wir wirklich dümmer als die Vögel sein, uns von ihnen in den Schatten stellen lassen? Der heutige Volkstrauertag kann uns helfen, Rückblick auf unsere Leben und die unseres Volkes zu halten. Indem wir unsere und die deutsche Geschichte annehmen und vor Gott legen, lernen wir von den Vögeln des Himmels, das Umkehr zu Gott neues Leben ermöglicht.

Wer sich auf Gott einlässt, erlebt die Freude am lebendigen Gott. Weisungen Gottes sind keine Einschränkung, sondern eine Ermöglichung für ein gelingendes Leben. Der heutige Volkstrauertag lädt uns ein, bisher verweigerte Trauerarbeit zu leisten: Schuld zuzulassen, Belastendes loszulassen und uns neu auf Gott und seinen Weg einzulassen.

Gott möchte keine Entschuldigung. Er möchte Entschuldung, das wir unsere Schuld bekennen, damit er sie uns in Jesu Namen vergeben kann.

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