Gott versorgt sein Volk

Liebe Gemeinde,

unser Text beginnt mit der Vergesslichkeit von uns Menschen. In Ägypten waren die Israeliten Sklaven, sie mussten so hart arbeiten, das sie zu Gott schrieen, doch was blieb an Erinnerung zurück: "Dort hatten wir wenigstens Fleisch zu essen und genug Brot, um satt zu werden." Die Vergangenheit wird verklärt, das Schlechte wird vergessen. Es kann auch ein Segen sein, das Schlechte zu vergessen doch falsch wird es da, wo diese Vergesslichkeit zur Undankbarkeit gegenüber Gott führt und zur Vergesslichkeit führt von dem, was Gott an uns getan hat.

Denn Gott versorgt sein Volk, unter diese Überschrift können wir die heutige Predigt stellen. Gott gibt, was wir zum Leben brauchen, nur eines ist deutlich: aufsammeln müssen wir es selber. Das ist auch ein Bild für unseren Glauben. Gott hat die Rettung in Jesus Christus gegeben, und nun liegt es an Dir sie zu sammeln und für dich in Anspruch zu nehmen. Ich will das heute an zwei Beispielen verdeutlichen. Das Manna, das Himmelbrot kann ich mit zwei Dingen vergleichen: mit dem Bibellesen und mit dem Abendmahl. Schauen wir uns als erstes an, was das Manna mit dem Bibellesen zu tun hat.

Niemand musste Manna sammeln gehen. Die Entscheidung konnte jeder selbst Treffen. Es war auch möglich, an einem Tag nichts zu sammeln. Gott hielt es aber immer in ausreichender Menge für jeden bereit. So ist es auch mit dem Lesen in der Bibel. Niemand zwingt mich zum Lesen, aber ich darf das Wort Gottes nehmen und lesen. Es liegt an mir, wie häufig ich das mache. Das Angebot ist immer vorhanden, ich habe eine Bibel zuhause, ich die Bibel jederzeit aufschlagen. Dauerhaft auf Manna zu verzichten, wäre grober Leichtsinn und würde zu schweren Mangelerscheinungen und dann zum Tod führen. Wer ganz auf Gottes Wort verzichtet, dem fehlt die Lebensgrundlage für den Glauben. Ohne die regelmäßige Versorgung mit dem Wort Gottes wird der geistliche Mensch schwach werden und unser Glaube stirbt ab.

Die innere und äußere Not der Menschen ist Gott nicht verborgen. Er hört unseren Jubel wie auch unsere Klage und handelt daraufhin. Er begegnet die sich zu ihm halten, freundlich, indem er ihnen im Leben und im Glauben hilft. Gott redet und handelt mitten hinein in die Höhen und Tiefen meines Lebens. Dann kann es gerade das lesen in der Bibel sein, das mir genaue Antworten auf meine Fragen gibt. Am Beginn des Tages lag in der Wüste das Manna bereit. In der Hitze des Mittags war es nicht mehr aufzulesen. Das ist ein Bild für die besondere Chance, Gottes Wort am Beginn des Tages aufzunehmen. Hindert uns der Stress und die Hektik unseres Tages nicht oft genug daran, die verpasste Bibellese zu späterer Zeit nachzuholen?

Mit dem Bibellesen ist es wie mit dem Essen: Wir können uns nicht für mehrere Tage im voraus satt essen. Auch gute biblische Nahrung kann nur richtig portioniert und am besten frisch genossen werden. Hier endet zugleich auch die Tragkraft des Vergleiches. Denn ich glaube nicht, das es auch beim Bibellesen die Sonntagsausnahme geben sollte. Viele Bibelleser lassen es gerade am Sonntag ausfallen mit der Entschuldigung: "Da höre ich Gottes Wort schon in der Predigt." Doch genau an diesem Tag haben die meisten von uns Zeit, ganz in Ruhe das Bibellesen zu erleben ohne Zeitdruck und Störung. Jeder hatte immer genug – außer er hatte nicht gesammelt. Ich glaube, dass uns der regelmäßige Umgang mit dem Wort Gottes dankbarer werden lässt. Unser Leben findet die richtigen Bahnen Lind Relationen. Gottes Maßstäbe nehmen mir auch die Unzufriedenheit und lehren mich, dass alles, was ich bin und habe, von ihm kommt.

So sehen wir, das wir auch heute noch das Manna, das Himmelsbrot bekommen können, allerdings liegt es nicht mehr auf dem Boden herum, sondern es steckt zwischen den beiden Buchdeckeln der Bibel. Heute haben wir noch eine weitere Gelegenheit, das Himmelsbrot zu erfahren. Wir haben es in der Lesung aus dem Johannesevangelium gehört, das sich Jesus mit dem Brot des Lebens vergleicht. So wie das Manna das Brot des Lebens für das Volk Israel in der Wüstenzeit war, das ist das Abendmahl in unserer Lebenszeit.

"Dies ist das Brot, das euch der Herr zu essen gibt." wurde den Israeliten damals gesagt, "das ist mein Leib, für euch gegeben" wird uns beim Abendmahl heute zugesagt. Damals war es das Brot für das Überleben in der Wüste, heute ist es das Brot, das unser Glauben überlebt. Damals mussten die Israeliten sammeln, um in den Genuss der Stärkung kommen. Heute müssen die Menschen kommen, um am Abendmahl teilzunehmen und Stärkung zu erfahren. "Was ist das bloß?" Was ist das Abendmahl?

Mahl der Erinnerung: gegen die Vergesslichkeit von uns Menschen.
Mahl der Freude: Gott macht uns gerecht.
Mahl der Dankbarkeit: wir dürfen Gott loben und danken.
Mahl der Gemeinschaft: wir erfahren Gemeinschaft mit Gott und untereinander.

"Jeder hatte genauso viel, wie er brauchte" Beim Abendmahl bekommt jeden den Zuspruch und den Trost von Gott, den er braucht. Jeder hat genug. Das ist göttliche Mathematik. Zwei Dinge sind es, die für uns heute Manna, Himmelsbrot sind. Das Bibellesen und das Abendmahl. Nur aufheben müssen wir es selber. Aber dann werden wir die Verheißung erfahren, die Gott uns hier gibt: "Daran werdet ihr erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin!" Versprochen ist versprochen. Gott hält sein Wort.

drucken