Gott nimmt Dich todernst

Liebe Gemeinde,

Szene im Flughafen zu Moskau. Ein Soldat fragt den Juden Mosche, warum er nach Israel ausreisen will. "Will Hebräisch lernen." "Wozu?" "Na, weißt du nicht, im Himmel wird doch Hebräisch gesprochen." "Und was passiert, wenn du gar nicht in den Himmel, sondern in die Hölle kommst?" "Macht nix. Russisch kann ich schon."

Kommt der Reiche in die Hölle, weil er reich ist und der Arme in den Himmel, weil er arm ist? So ist einfach das nicht, denn es ist nicht unser Geldbeutel, der über unsern Platz in der Ewigkeit entscheidet. Der Reiche kommt nicht in die Hölle, weil er zuviel Geld hatte, sondern weil er dem armen Lazarus vor seiner Tür nicht geholfen hat. Wenn wir den griechischen Text lesen, sehen wir, dass er nicht nur vor seiner Tür lag, sondern dass er ihn hinausgeworfen hat. Hier liegt die Sünde der unterlassenen Hilfe vor: er tat das Gute nicht, das er hätte tun können. Der Arme kommt nicht in den Himmel als Belohnung für all das Gute, das er versäumt hat. Wenn wir im Evangelium lesen, merken wir, dass es der Glaube ist, der uns vor Gott gerecht macht.

Zwei Dinge will uns die Geschichte sagen: 1. Nach dem Tode kommt die große Scheidung der Menschen in zwei Gruppen. Zwar sagt ein Sprichwort: ?Ob arm, ob reich, im Tode gleich?, die Bibel sagt das nicht. Die Ewigkeit macht die Menschen überhaupt nicht gleich, sondern dort werden sie gerade auf eine Art und Weise getrennt, wie sie grundlegender überhaupt nicht sein kann, nämlich in die, die bei Gott sind, und die, die fern von Gott sind. Die einen dürfen in der Nähe Gottes sein – das bedeutet bei Abraham sein. Die andern müssen ihm fern sein – das bedeutet das Bild vom Feuer. Die Hölle besteht überhaupt nicht darin, dass jemand über einem Grill geröstet wird, sondern dass Gott ihn ernst nimmt und es, traurig zwar, akzeptiert: wer hier ohne mich lebt, lebt auch in der Ewigkeit fern von mir. So wie ein Verdurstender, der eine Quelle sieht, aber nicht zu ihr hin kann. In die Hölle kommen zwar die Ungläubigen, aber eins steht fest: In der Hölle wird es keine Atheisten geben, die dort ihr Glaubensbekenntnis aufsagen, das heißt: ?Es gibt keinen Gott.? Dort wird es nur welche geben, die zugeben müssen, dass es Gott gibt, dass Gott da ist und dass sie selber das Falsche geglaubt haben. Gott sehen müssen, seinen Irrtum einsehen, in ihm von Gott ernst genommen werden und es nicht mehr ändern können – das ist die Hölle.

2. Das Teuflische an der Hölle ist, dass sie zwar einen Eingang, aber keinen Ausgang hat. Sie hat nur Fenster, durch die man sehen muss, was man vorher nicht wahrhaben wollte: dass es einen Gott und dass es ein Zuspät gibt: Es gibt nämlich keine Möglichkeit, von dem einen Ort an den anderen überzuwechseln, zwischen beiden liegt ein unüberbrückbarer Abgrund. Es gibt keine Möglichkeit, nach dem Tod noch ins Lager der Frommen zu kommen. Und wenn du es darauf anlegst, dass der liebe Gott am Schluss recht lieb sein und keinen fortschicken wird, dann täuschst du dich. Davon sagt die Bibel nichts. Und gerade in unserer Geschichte sagt sie uns, dass Gott uns todernst nimmt und uns der Tod unwiderruflich auf das Ergebnis unseres Lebens festnagelt. Nach dem Tod gibt es keine Möglichkeit der Entscheidung, keine Korrektur, keine Zwischenlosung, sondern nur alles oder nichts. Was bis zum Tod nicht erledigt ist, wird nie mehr erledigt. Dann sind alle Chancen vorbei. Wenn deine Zeit hier abgelaufen ist, läuft nichts mehr. Dann bleibt es unbarmherzig bei dem Zuspät. Dann bleibt nur noch die Verdammnis. "Ja wo bleibt denn da die Liebe Gottes?" fragst du.

Gottes Liebe besteht erstens darin, dass er dir vorher sagt, was auf dich zukommt und worauf es ankommt. Hier sind wir bei den neunen Konfirmandinnen und Konfirmanden und bei dem was wir machen werden: Konfirmandenunterricht ist Wegweiser in den Himmel. Nur eines wird euch keiner abnehmen können: den Weg zu gehen.

Und das zweite, worin Gottes Liebe besteht: Gott lässt dich nicht einfach laufen, sondern er lässt dich rufen, ein Leben lang, immer wieder, heute beispielsweise hier durch diese Predigt. Dazu ist Jesus auf die Erde gekommen. Er predigt uns den lebendigen Gott, auf seine Worte sollen wir hören. Seine Geschichte ist hier abgebildet. Er ist wie der Lazarus vor die Tür von Jerusalem geworfen und ans Kreuz genagelt worden. Das ist die zweite Ebene von unserer Geschichte, das Jesus sich mit dem Lazarus vergleicht und in ihm seinen Gang und sein Leiden am Kreuz vorweg erzählt. In deiner Stellung zu dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus entscheidet es sich, wo du einmal die Ewigkeit verbringen wirst. Suchst Du die Vergebung für das, was du falsch gemacht hast, in seinem Leiden und Sterben, dann bist auf dem Weg des Lazarus. Und dann siehst du auch den Lazarus, der vor deiner Tür liegt. Und so begegnet uns in dem Lazarus unser Herr Jesus.

Darum die entscheidende Frage: Wer ist dieser Lazarus für uns heute? Der Lazarus vor deiner Tür, das kann die alte Frau aus deinem Haus sein, die genug Geld hat und sich trotzdem freut, wenn du ihr mal ein Stück Kuchen und vor allem ein Stück Zeit schenkst. Die braucht deine Gaben nicht, aber sie braucht zum Leben mal ein persönliches Wort von dir, ein Zeichen, dass du in ihr keinen Gegenstand im Treppenhaus, sondern einen Menschen siehst. Der Lazarus vor deiner Tür, das können deine Kinder sein, die mal Zeit und Zuwendung von dir brauchen. Das kann deine eigene Frau sein, deren Probleme du übersiehst und die du mit paar frostigen Worten abspeist. Das kann der Mitschüler oder die Mitschülerin sein, die in der Klasse von jedem an den Rand gedrängt, geärgert und gemieden wird. Jeder von uns hat einen Lazarus vor seiner Tür.
Lazarus starb in Frieden, und er ruht in Frieden. Als sie ihn in seinem billigen Sarg sang- und klanglos wie einen Hund verscharrten, war außer den Totengräbern kein Mensch auf dem Friedhof. Aber Gottes Engel waren da und brachten ihn in die Herrlichkeit. So möchte ich einmal sterben. Ob ich in meinem Bett sterbe oder auf eine andere Weise – ich möchte sterben wie Lazarus, und weil mein Leben Jesus gehört werde ich sterben wie Lazarus getragen und geborgen von Gottes guten Engeln, in Frieden und getröstet. Und wie wird dein Sterben einmal sein! Auch der reiche Mann starb und wurde begraben. Großer Bahnhof: der ganze Friedhof voll von Menschen. Das war das letzte, was er sich von seinem Geld leisten konnte: ein teures Begräbnis. Die Kränze teuer. Die Grabrede beteuernd: ,,Wir haben einen guten Menschen verloren." So lautet das Urteil der Leute. Das Urteil Gottes lautet: Auf ewig verloren. Am Grab des reichen Mannes werden viele kluge Grabreden gehalten, mit vielen trostlosen Worten. Die Grabrede, die Jesus ihm hält, ist kurz. Sie besteht nur aus zwei Worten: Zu spät. Was wird Jesus als letztes Wort über dein Leben sagen?

Fassen wir es noch einmal zusammen:
– es kommt nicht auf dein Bankkonto an
– Gottes Liebe nimmt dich ernst
– es kommt auf dein Verhältnis zu Jesus Christus an.

Wir können uns, was Himmel und Hölle angeht, viele Gedanken machen. Du warst nicht dort, ich war nicht dort, keiner war dort. Doch halt, Jesus Christus war dort. Darum halte ich mich an das, was er sagt. Details interessieren mich nicht, auch wenn sie manchmal so lustig sind, wie in der folgenden Geschichte:

Ein schwarzer Baptistenprediger predigt auf einer Straße in New York mit feurigen Worten über Himmel und Hölle. Er malt aus, dass die Geretteten alle ein weißes Kleid und Flügel kriegen. Da fragt ihn einer aus der Menge, wie er das praktisch machen will, das Gewand beim Anziehen über die Flügel zu kriegen. Darauf der Prediger: "Das lass mal meine Sorge sein. Mach du dir mal lieber Gedanken, wie du dein Gewand über deine Hörner kriegen willst." Ich schließe wir daraus: es bringt nichts, sich an der falschen Stelle Gedanken über den Himmel und die Erde zu machen. Es kommt darauf an, ob Du die Frage beantworten kannst: "Wo werde ich meine Ewigkeit verbringen."

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