Gott loben – ein Zeichen des Vertrauens

Wir feiern heute unseren Gottesdienst am Vorabend des Sonntages Kantate. Kantate, das heißt: singet. Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. So lautet auch der Wochenspruch dieser Woche.

Singen: wann tun wir das? Natürlich in der Kirche, da gehört es zu jedem Gottesdienst als fester Bestandteil dazu. Musik, Singen ist auch fester Bestandteil der Höhepunkte des Lebens: Ein Hochzeit ohne Musik – wir werden sie nur äußerst selten erleben. Ein großes Jubiläum – festliche Musik gehört dazu. Und ganz privat: da singen wir wenn wir fröhlich sind, wenn gute Laune uns umgibt, die sich mit Gesang nach außen hin zeigt. Wenn uns nicht danach zu Mute ist, dann singen wir auch nicht. Wenn die Seele bedrückt ist, dann mag das Herz und der Mund auch nicht singen.

In unserem heutigen Predigttext ist auch vom Singen die Rede und vor allem vom Lob Gottes, das in diesem Singen zum Ausdruck kommt. Geschrieben sind diese Worte von dem Propheten oder auch Seher Johannes. Er war verbannt auf die Insel Patmos, weil man seine Botschaft von Christus nicht hören wollte. Sie war bedrängend für die Herrschenden, also musste er beseitigt werden. Johannes kannte das Leid vieler Gemeinden durch die Christenverfolgung. Er wurde nur verbannt.

Johannes hatte auf der Insel Patmos viele Visionen, die er niedergeschrieben hat. Darin liegt oftmals viel unverständliches, und es braucht auch Zeit, will man seinen Gedanken näher kommen. Aber die ersten Christen entdeckten vieles darin, was den Glauben an Christus und die Hoffnungen der Christen zum Ausdruck bringt. Hören wir einmal was der Seher und Visionär Johannes da schreibt:

[TEXT]

Das sind Gedanken und Bilder, die uns nicht nahe sind. Eher unverständlich und mühevoll zu verstehen. Gläsernes Meer mit Feuer vermengt. Was ist das? Das Tier, was mag damit gemeint sein?

Wenn man die alte Sicht der Welt vor Augen hat, die da besagt, dass der Himmel eine Kuppel ist, über der Wasser ist, – denn der Regen kommt ja von oben – dann könnte dieses Meer auch der Himmel sein. Blitze, die wie Feuer diesen Himmel durchziehen, Angst machen, bedrohlich wirken, vor allem, wenn man sich diese Phänomene nicht erklären kann. Es ist für mich das Bild der Lebenserfahrung, dass unser Leben umgeben ist, von Bedrohungen, die uns aus heiterem Himmel überfallen können. Plötzliche Veränderungen, unerwartete Schicksalsschläge, etwas, was unsere ganz persönliche Lebenswelt aus den Fugen geraten lässt. Wie ein Blitz fährt es ins Leben hinein, jeder von uns könnte sicherlich so etwas mit eigenen Lebenserfahrungen lebendig machen.

Das Tier und sein Bild, es hat viele Namen. Auch hier steckt für mich etwas dahinter, was nach ausgeliefert sein klingt. Gerade in den Psalmen werden häufig von Menschen, die in bedrohlichen Situationen sind, Tiere benannt, die diese Menschen bedrohen, verfolgen. Gewaltige Stiere haben mich um geben, mächtige Büffel haben mich umringt. Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf, wie ein brüllender und reißender Löwe, so heißt es z.B. im 22 Psalm.

Dort wo ich mich aufs äußerte bedrängt fühle, mich in die Ecke gedrängt fühle oder Menschen bösartig gegen mich sind, da wird der Bedränger zum Tier und verliert alles menschliche. Wie oft sprechen wir von unmenschlichem Tun, so dass wir dieses Handeln auf die Ebene des tierischen stellen. Ich hatte eine Vision: und ich sah etwas, das war wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt; und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes.

Johannes sieht Menschen, die den Sieg behalten haben über diese unerwarteten Bedrohungen des Lebens, über die Menschen, die ihnen das Leben schwer, ja unerträglich gemacht haben. Diese Sieger singen mit Gottes Harfen das Lied des Mose und das Lied des Lammes, was so viel heißt, wie das Lied Jesu Christi. Menschen deren Lebenssituationen alles andere als fröhlich und entspannt war, singen ein Loblied: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.

Wie kann man in solcher Lebenssituation Loblieder anstimmen? Wie kann man in solchen Lebenssituationen als Sieger dastehen? Wie können wir daraus etwas schöpfen, dass auch wir uns als Sieger erleben können, die mit Freude Gott ein Loblied singen? Diesen Fragen möchte ich mich jetzt zuwenden.

Wir werden von Johannes erinnert an das Lied des Mose. Wir haben es vorhin gehört. Wir werden erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten: Gott befreit sein Volk aus der Sklaverei, er führt es in die Freiheit. Es ist eine bedrohte Freiheit, die Ägypter jagen ihnen nach, wollen ihnen den Weg in die Freiheit nehmen. Und dann ist da dieses große Meer. Unüberwindbar scheint es zu sein. Allein der Glaube vermag hier die Hoffnung zu behalten. Und dann teilen sich auf einmal die Wasser. Wie Mauern stehen sie da. Das Volk kann gehen. Wenn ich mir das bildlich vorstelle, dann heißt das aber nicht, dass man fröhlich durch diese Lebenssituation geht, sondern doch auch mit er Angst, dass diese Wassermassen immer wieder auf einen niederfallen können und einen wegreißt.

Das Volk wird auf diesem Weg gerettet und bewahrt. Den Ägyptern wird dieser Weg versperrt. Wie wunderbar sind deine Werke, so singt Mose dann in der Rückschau der Ereignisse und lobt Gott. Eingeschränkt, bedroht, verfolgt, Leben in Ungewissheit und Angst, aber doch ein Ziel vor Augen, das war die Situation der Israeliten, eine Situation, die auch uns an vielen Stellen des Lebens begegnet. Mitten drin fällt es schwer, Gott zu loben, doch hinterher, da ist es möglich, da wird der Dank zu einer Selbstverständlichkeit. Und dieses Lied wurde aufbewahrt, bis heute durch die Heilige Schrift, damit wir in unseren Lebenssituationen etwas haben, worauf wir bauen können, worauf wir uns stützen können, um durch Gott den Sieg zu erringen, so wie Mose es durch Gott geschafft hat, die Wasser zu überwinden.

Gerade in dieser Geschichte vom Auszug wird deutlich, dass nicht Mose es aus eigener Kraft geschafft hat, sondern dass Gott den Weg geebnet hat. Glaube heißt ja, sich ganz auf Gott zu verlassen, von ihm etwas zu erhoffen und nicht an sich selber zu verzweifeln oder unmögliches von sich zu erwarten. Gott schenkt den Sieg, er führt auf rechter Straße, sein Stecken und Stab trösten.

Und das wird noch vertieft durch das Lied des Lammes, das Lied Christi, das wir auch gehört haben. Der Erlöser, der Christus, wurde Mensch, ging den Weg des Menschlichen, bis hin in Verfolgung, Leiden und Tod. Er ging diesen Weg im Vertrauen zu Gott, der ihn darin geführt hat und der ihn anschließend erhöht hat zur Rechten Gottes.

Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.

Solche Loblieder sollen laut werden, um uns Menschen immer wieder vor Augen zu führen, wie großartig Gott in dieser Welt gehandelt hat und wie er weiter mit uns Menschen handelt. Sie wollen uns zeigen, dass wir auf diesen Gott hoffen dürfen, weil seine Macht größer ist, als menschliches Tun je sein mag. Wir haben nur zwei Beispiele vor Augen geführt bekommen, es gibt gewiss noch viele, viele mehr. Diese sind uns gegeben, damit wir hoffen dürfen gerade dann, wenn uns nicht nach Singen zu Mute ist, wenn der Ton uns im Hals stecken bleiben will. Ich sagte es vorhin schon: der Visionär Johannes kannte die ungeheuer grausame Verfolgungssituation der Christen, die um ihres Glaubens verfolgt, gefoltert und gemordet wurden. Er weiß um die Lebenssituationen der Menschen, die in Angst leben, die nicht mehr aus noch ein wissen. Aber gerade diesen Menschen gibt er seine Vision weiter. Eine Vision, die Hoffnung weckt, dass das, was unsere Stimme stocken lässt, überwunden werden kann durch Gott, auch wenn wir nicht wissen, wie das gehen soll. Doch der Glaube, der sich ganz auf Gott verlässt, der darf als Ziel den Sieg vor Augen haben, den Mose errungen hat, den Christus gegen seine Widersacher errungen hat. Ein Sieg, der da sagt: lass dir die Zukunft von Gott schenken, der größer ist als das, was uns Menschen vor Augen ist. Nicht wir müssen den Sieg erkämpfen, sondern er ist längst errungen durch Gott selber. Das Böse, das Unerwartete, das Tragische, das Schmerzhafte im Leben, es hat nur eine begrenzte Macht, weil Gott es längst überwunden hat. Und selbst wenn das, was uns ereilt, uns das Leben kosten mag, wir dürfen auf den Sieg hoffen, den Gott uns schenkt, bei dem nichts und niemand verloren geht.

Darum dürfen und sollen wir zu jeder Zeit Gott loben mit unseren Liedern, auch dann, wenn die äußeren Umstände nicht lobenswert sind. Wir dürfen und sollen Menschen damit ermutigen, dass wir unser Leben in die Hand des Gottes legen, der uns Menschen nicht aus der Hand gibt, der uns umgibt und am Ende zu sich führt. In diesem Sinne wollen wir Gott loben und ein Zeichen des Vertrauens setzen – gegen alles, was unsere Hoffnung angreifen will.

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