Gott lädt uns ein zu seinem Fest

Es ist ja schön, wenn man einen besonderen Grund hat zum Feiern. So wie Schumi 2, Michaels kleiner Bruder, nachdem er in Montreal als erster über die Ziellinie gefahren ist. Es hätte ein Familienfest werden können, denn die Brüder waren auf den ersten beiden Plätzen. Wurde aber nichts draus. Das Training zum nächsten großen Rennen stand an. Keine Zeit zum feiern, weil man üben muss für die nächste große Prüfung. Und so weiter, und so weiter, bis zum Ende der Saison. Und danach gehts wieder von vorne los: es gilt, den Titel zu verteidigen oder endlich einmal zu erobern.

Wie gut, Leute, dass Gottes großes Fest, wo er mit dir und mir feiern will, keine Zwischenstation ist, kein Boxenstopp, und dann musst du wieder Höchstleistung bringen. Im Himmel wartet die Ewigkeit auf uns. Das Fest ohne Ende. Und wie leid tun mir alle, die an der Einladung dazu achtlos vorübergehen. Die einen, weil sie an Glaubensdingen kein Interesse haben. Die anderen sind durchaus offen für Religion, aber sie finden die östlichen Jenseitsvorstellungen faszinierender. Sie können sich vorstellen, dass etwas dran sein könnte an der Seelenwanderung, an einer Wiedergeburt in anderer Form. Die Armen! Wie kann das eine Hoffnung sein, ein Leben ohne Ruhestand, weil man sich in der nächsten Existenz wieder von neuem abrackern muss. Ein Leben ohne Gewissheit, weil man nie weiß, ob man gut genug gelebt hat, fest genug geglaubt hat, um eines Tages ewig Ruhe zu haben. Wie herrlich und großartig dagegen das, was Jesus uns anbietet. Und einer, der davon gehört hat, geriet seinerzeit so richtig in Begeisterung und schwärmte: "Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!" Beneidenswert, wer an dieser Festtafel Platz nehmen kann!.

Aber Jesus, als er davon hört, stimmte nicht ein in diese Begeisterung. Er sah sich die Leute ringsumher an und erzählt dann die Geschichte von dem Fest mit der Fülle von Absagen. Er zeigt uns damit, wie es im Himmel sein wird. Und was wir tun müssen, damit wir dabei sind. Und weil sich vom Himmel nur in Bildern, mit aller Unvollkommenheit, reden lässt, der Himmel ist nämlich unvergleichlich, gucken wir erst mal uns selbst an und fragen: Wie ist das bei einem wirklich einmaligen Fest. Was müsste passieren, damit ich Grund hätte, ein solches auszurichten, welcher Anlass ist bedeutsam genug, dass ich da als geladener Gast nicht fehlen dürfte? Die anfangs erwähnte Formel 1 Fete kommt ja für uns nicht in Frage, wir fahren zu langsam oder sind nicht berühmt genug zum Händeschütteln. Wir haben andere Feste vor uns oder hinter uns:

Z.B. eine Kindstaufe so wie heute bei Ihnen in den ersten Reihen. Oder den 18. Ge-urtstag. Ein runder Geburtstag auf der Höhe des Lebens. Das Abi oder die Hochzeit von Sohn oder Tochter. Eine silberne Hochzeit. Goldene Konfirmation. Andere würden solche Anlässe auch gerne begehen, aber sie schaffen es nie. Die Geburt des eigenen Kindes. Richtfest am eigenen Häuschen. Eine Ehe, die viele Jahre hält. Das 40. Betriebsjubiläum. All das bleibt manchem verwehrt, weil es in Familie oder Beruf eben nicht nach Wunsch gelaufen ist. Und wir beneiden die anderen. Nach außen sagen wir zwar: Das ist gar nicht so wichtig. Und sind insgeheim doch traurig, , weil ein solcher Anlass gefehlt hat und auch nie kommen wird. Aber ein Fest gibt es, das ist das Fest aller Feste: Wer da eingeladen ist, der hat das große Los gezogen. Dem macht es nichts mehr aus, wenn Anlässe, die andere begehen, bei einem selbst nicht stattgefunden haben. Dem macht es nichts mehr aus, dass die Vips ihn nie auf die Einladungsliste setzen werden. Was wird auf diesem Fest gefeiert? Gefeiert wird die herrliche Wahrheit, dass Gott in diese Welt gekommen ist. Dass ihm die Schöpfung nicht egal ist. Er hat seinen einzigen Sohn zu uns geschickt. Das allein ist schon Grund genug zu feiern. Aber es kommt noch herrlicher. Der Sohn Gottes hat seinen Auftrag, der so gefährdet war, erfolgreich ausführen können. Er ist zeitlebens ohne Schuld, ohne Fehl und Tadel geblieben. Mehr noch: Er hat die Not der Armen und Ausgegrenzten kennengelernt und geteilt. Er hat das Elend aller Menschen auf sich genommen, als er am Kreuz verblutet ist. Mehr noch: Er ist nicht im Grab geblieben. Er hat die Welt wieder hinter sich gelassen. Selbst den Tod, den stärksten Gegner, der noch alle untergekriegt hat, den hat er überwunden. Wir feiern also Jesu Sieg. Seinen endgültigen Sieg, der nicht jährlich oder vierjährlich neu errungen werden muss wie bei den WMs und Olympischen Spielen. Jesu Sieg gilt für allezeit. Das lohnt sich zu feiern. Und das soll keine kleine Feier im erlauchten Kreis der Anständigsten und Gläubigsten sein. Gott will so viele wie möglich dabei haben.

Wie wird nun gefeiert? Sehr aufwendig: "Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein." Also ein sehr teures Fest wegen der aufwendigen Gestaltung und der großen Zahl der Gäste. Es wird aufwendig gefeiert und entspre-chend aufwendig eingeladen. Wenn Gottes Fest im Himmel das verdient, dann brauchen wir auch bei den Veranstal-tungen, mit denen wir hier auf Jesus hinweisen, auf die Ewigkeit hinweisen, keine Pfennigfuchserei betreiben. Deshalb haben wir für den Glaubenskurs in den beiden Wochen nach Pfingsten bedruckte Kulis verschenkt, Handzettel und große Plakate drucken lassen mit Logo und den Vereinsfarben der Gemeinde, dieses grau-blau weiß mit dem feinen Kreuz, große Transparente umgenäht und an die Kirche gehängt. Der Aufwand ist angemessen. Ebenso geht es in diesem Gleichnis zu, wo entsprechend der Gebräuche damaliger Zeit ein Angestellter die Geladenen persönlich aufsucht und den Gruß und die Einladung seines Chefs überbringt. Und nun ist das ungewöhnliche, dass die alle absagen. An dieser Stelle übertreibt die Geschichte, die sich Jesus ja ausgedacht hat, um uns den Himmel und wie wir dahin kommen zu erklären. Ähnliches werden wir in den nächsten Wochen beobachten, wo in einer Predigtreihe berühmte Abschnitte aus der Bergpredigt Jesu dran kommen. Auch da hat Jesus an manchen Stellen krass übertrieben, überzeichnet. Da soll nämlich jeder merken, jetzt wird´s unwahrscheinlich. Aber nicht weil das ganze unwahr ist, sondern weil jetzt etwas ganz wichtiges kommt, das soll man sich merken, deshalb ist es so übertrieben.

Und ich denke mal, Jesus hat das auch hier mit Absicht so erzählt. Es soll uns seltsam vorkommen, dass alle absagen. Wir beziehen doch diese Gleichnisgeschichten der Bibel immer auf unser Leben, und das ist auch richtig so. Wir überlegen: Wo komme ich da vor. Wären nun in der Erzählung Jesu die einen gekommen, die anderen nicht, so würdest du vielleicht sagen: An der Stelle im Gleichnis, wo die respektablen Festgäste erscheinen, da komme ich wohl vor. Ich sitze doch auch heute morgen hier im Gottesdienst. Und die Pharisäer, denen Jesus damals diese Geschichte erzählt hat, im Haus eines Pharisäers war er eingeladen und hat sie bei Tisch erzählt, diese Pharisäer hätten bestimmt genickt, wenn es in der Geschichte gehießen hätte: Die einen bleiben fern, die anderen folgen der Einladung. Da hätten die Pharisäer genickt und gesagt: Ja, da ist von uns die Rede. Wir wären gekommen. Wir sind die ordentlichen Leute. Wir wissen, was sich gehört. Aber sie sagen alle ab. Das ist merkwürdig, das soll uns unruhig machen, das soll uns ins Fragen bringen: Was, alle. Bin ich auch dabei. Gehöre ich auch zu denen, die vielleicht eines Tages bei dem großen Fest Gottes fehlen. Wenn die schon nicht dabei sind, dann gehts mir womöglich genauso. Vielleicht mach ich was falsch. Was könnte das sein?

Schauen wir uns die Absagen der Geladenen an. Sie bringen alle gewichtige Gründe vor. Auch das soll uns unruhig machen, damit wir uns fragen: Was hält mich alles ab, fröhlich an Gottes Tafel zu kommen? Die Geschichte erwähnt drei Absagen. Es waren natürlich mehr, die typischen sind genannt. Der erste ist in Grundstücksverhandlungen verwickelt. Er hat ein gutes Angebot bekommen und will das prüfen. Vielleicht kann er noch einen besseren Preis herausschlagen. Dann geht es noch zum Notar, also da ist einiges zu tun, das will erst mal erledigt werden. Der zweite ist ein Unternehmer. Er hat eine Investition getätigt und ist noch damit zugange. Der dritte, dem Gastgeber noch als Single bekannt, ist inzwischen verheiratet und ganz mit den neuen Aufgaben als Ehemann oder gar als Familienvater in Anspruch genommen. Alles geht sehr höflich zu: "Ich bitte dich, entschuldige mich!" Es sind keineswegs faule Ausreden, diese Absagen. Alle bemühen sich, pflichtbewusst zu erscheinen. Sie bekunden beste Absichten. Die Geladenen sind allesamt angesehen Staatsbürger, die für die Kirche durchaus Verständnis haben. Sie behandeln den Überbringer der Einladung keineswegs abweisend. Sie schlagen ihm nicht die Tür vor der Nase zu oder bellen: "Bleib uns gestohlen mit deiner Einladung! Der Alte soll allein feiern oder mit anderen Halleluja singen!" Aber im Augenblick kommt ihnen dieser Termin, für sie ist es ein zusätzlicher Termin, ungelegen. Jetzt sind sie beschäftigt, jetzt haben sie wichtigeres zu tun. Diese Einladung läuft ja nicht weg, denken sie. Ich kann ja erst mal absagen, damit es nicht peinlich ist, wenn bei den Eröffnungsreden mein Fehlen bemerkt wird. Wenn ich an dem Abend noch Zeit finde, kann ich ja noch später dazustoßen.

Das ist ja inzwischen ganz modern, dass man, wenn mehrere Events auf einen Abend fallen, nicht von vornherein eine Entscheidung trifft, sondern sich bis auf den letzten Drücker offen hält, wohin man letzten Endes geht. Und das ist dann bitter, falls ein Gastgeber sich im voraus festgelegt hat auf eine große Gesellschaft und entsprechende Kosten verauslagt hat. Man versteht die Reaktion des Hausherrn bei Eintreffen der Absagen: "Da wurde der Hausherr zornig!" So muss es dir, Daniel, und deinen Mitstreitern von der Jugendallianz gegangen sein, als nur wenige Zusagen zum für den am vorigen Wochenende angesetzten Bremer Jugendtag eingin-gen. Das ging ja über 2 Tage mit Übernachtung, Verpflegung, Popkonzert. Vielleicht wären am Ende hunderte gekommen, aber nur wenige mochten sich schon vorher festlegen und Anmeldegebühr entrichten. Um nicht ein Riesendefizit zu schlittern, musstet ihr der Sarah Brendel Band absagen und auf ein Notprogramm umdisponieren. So hat auch der Gastgeber dieser Geschichte, Gott selbst ist es ja, allen Grund, gekränkt zu sein. Aber er verschiebt nicht den Termin. Er setzt auch die Messlatte nicht herunter, wie die Konzertagentur, die vor 2 Jahren die Stones ins Weserstadion holte und am Tag vorher Freikarten in der Bremer City verteilte, damit ja die Ränge voll werden und das Video gut aussieht mit der Botschaft: Die Rolling Stones begeistern auch im 30. Jahr noch die Generationen. Gott setzt die Messlatte nicht herunter. Er verschiebt auch nicht den Termin. Er feiert sein Fest so, wie es fällt. Sein Fest verträgt keinen Aufschub und wird durch keine Absage in Frage gestellt. Gott lässt sich nicht durch menschliche Gleichgültigkeit das Festprogramm verderben. Das Festessen wird nicht abgetragen, sondern anderen Gästen serviert.

"und er sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein…." Warum tut er das? Ist es aus Ärger, dass er nun die ersten besten laden lässt? Will er sich rächen an denen, die ihn sitzen ließen? O nein. Gott ruft die Menschen, die er lieb hat. Von Anfang an liebt er die Armen, die Schwachen, die Ausgegrenzten. Die, denen wir das Glauben nicht zutrauen, weil sie nicht kirchenangepasst sind. Was drei Jahre und noch nicht getauft, nun wirds aber Zeit, hieß es früher. Was drei Jahre und schon taufen, was für eine Bevormundung, sagen manche heute. Gewiss, Gott fängt bei denen an, die passend erscheinen. Aber weil sie zögern, lässt er nun alle anderen laden. Die noch nie eine Einladung auf Büttenpapier gesehen haben, höchstens in den falsch deklarierten Briefen. Von Faber Lotto oder Visa Card. Oder von dem durch die neueste Fusion noch fetteren Versicherungskonzern oder dieser Tage von der Telefongesellschaft, wo der Anschluss ein Vierteljahr nichts kosten soll. Die sagen alle: Komm zu uns, du kannst ein Gewinner sein, hier hast du es gut. Aber umsonst ist das nie. Die wollen letztlich an deinen Geldbeutel. Gott ist anders. Er lädt dich umsonst in seinen Himmel. Vielleichst war dir seine Einladung gar nicht deshalb unpassend, weil du so viel wichtiges zu tun hast, sondern weil du denkst: In den Himmel darf nur, wer ein besonders guter Mensch ist, wen keine Glaubenszweifel plagen, wer sich jahrelang treu zur Kirche hält. Das ist wohl für die anderen! Nein, er lädt dich! Dafür hat Jesus sein Leben gelassen am Kreuz, damit du umsonst bei diesem Fest dabei sein darfst. Aber ja sagen musst du schon, die Einladung annehmen musst du schon. Du musst ja sagen zu diesem Gastgeber, du musst einwilligen: Ja Herr, in dein Haus will ich kommen, lass mich doch an der Gemeinschaft mit dir und mit den deinen teilhaben.

Und es sind viele, die lange darauf gewartet haben. Da kommen sie von den Straßen und Gassen. Keine Elite, mit der man Staat machen kann! Nicht einer im Maßanzug! Aber alle kommen gern. Sie stören sich nicht daran, dass die gute Gesellschaft die Nase rümpft und sagt: Wir wären doch gekommen, nur heute nicht. Jetzt machen die sich frech auf unseren guten Logenplätzen breit, bedienen sich am Büffett in der Viplounge! Nach und nach füllt sich das Haus. Das Fest kann stattfinden. Ende gut, alles gut. as Gleichnis könnte aufhören. Aber Gott macht weiter.

Er sagt seinem Boten: "Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde!" Es ist also noch Platz da. Für die von uns, die auf Einladung noch nicht reagiert haben. Und wenn wir den Ruf zum Glauben schon gefolgt sind, dann sollen wir Zaungäste mit bringen. So soll Kirche nämlich sein, wie der ungeduldige Hausherr, der die leeren Stühle zählt und seinem Boten zuruft, obwohl das Volk sich schon drängt: "Geh noch einmal, schnell, bevor das Fest beginnt, bevor die Tür zum Festsaal geschlossen wird. Es ist noch Platz da." So soll Kirche sein. Nicht zufrieden mit dem, was noch da ist, das Vorhandene möglichst gut verwalten. Sondern stets Ausschau halten: Wer fehlt noch?

Ach, dass doch von denen hier, die schon lange die Gemeinschaft der Christen schätzen und hierher kommen, niemand mehr sagt: Wir wollen unter uns bleiben. Fremde bringen immer Unruhe. Hauptsache wir kriegen, was wir hier schätzen. Das hat mich so gefreut an dem Abend vor 10 Tagen beim Abschluss des Glaubenskurses hier in der Kirche. Wo einzelne nach vorne kommen konnten und sich segnen lassen von den Pastoren oder Helfern. Manche kamen in kleinen Gruppen. Und dann kamen zwei miteinander eine sagte: "Mich brauchen Sie nicht zu segnen, ich war schon da, aber meine Begleiterin traut sich nicht alleine, da hab ich sie an die Hand genommen!"

Ach, dass uns ein Blick geschenkt würde, ein tiefer und genauer Blick auf uns selbst: zu fragen: Was hindert mich noch der Einladung Gottes fröhlich zu folgen? Und zugleich ein tiefer und genauer Blick , wo ein Einzelner, wo eine Gruppierung noch fehlt in der Kirche. Und lasst uns beten, dass uns Boten geschenkt werden, die gern, nicht nur aus Pflichtgefühl hinausgehen und sie hereinbitten. Denn die Zeit drängt. Das Fest wird bald beginnen. Und noch ist Platz da.

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