Gott ist mit uns

1. Erwarten – dies Wort beschreibt wohl treffend unsere Gemütslage zu Silvester und am Jahresende. Natürlich, zunächst erwarten wir einen schönen Abend. Wir haben etwas und uns vorbereitet für die Feier am Abend, wenn Freunde und Gäste kommen. Und darüber hinaus haben wir Erwartungen an das kommende Jahr 2003. Was wird es wohl bringen? Was wird auf mich zukommen? Wie wird das werden und sich vollziehen, was ich schon absehen kann? Eine Reihe von Vorsätzen und Änderungsplänen sind gefasst – welche werden in die Tat umgesetzt? Es kommt ja von vielen Richtungen etwas auf mich zu, worauf ich irgendwie gefasst sein sollte, was meine Vorsätze zum Scheitern bringen könnte. Mancher versucht deshalb einen Blick in die Zukunft und lässt sich mehr oder weniger mit dunklen und lebensfeindlichen Mächten ein. Eine Richtung allerdings hat uns etwas zu bieten, aus einer Richtung wird auf jeden Fall Gutes auf uns zukommen: von unserem Herrn Jesus Christus. Von ihm kommt so schönes und gutes wie es sein Wort uns verheißt: Jesus Christus wird sich bereit machen und wird uns zu Tische bitten und kommen und uns dienen. (12,37) Wie bei einem Hochzeitsfest, wie bei der schönen Mahlzeit, die viele von uns mit Freunden heute genießen werden, so wird Jesus für uns ein Mahl bereiten und ein Fest bereiten, wenn wir ihn erwarten und er dann mit seinen Gaben bei uns einkehrt. Was immer uns also im kommenden Jahr erwarten wird – von Jesus her nur Gutes.

2. Und von den anderen Richtungen? Was hält das Jahr 2003 für einen jungen Menschen bereit? Die Zeit des Lernens ist vorbei und damit die Zeit, in der er oder sie Verantwortung ablehnen oder ein Stück weit wegschieben konnte. Welche Erwartungen hast du an die neue Lebenssituation? Welche Hoffnungen? Welche Fragen: Bin ich der neuen Aufgaben gewachsen? Oder wird in dieser Situation das neue Jahr eine Enttäuschung? Steht nicht ein Berufsstart, sondern Angesichts der wirtschaftlichen Lage die Arbeitslosigkeit bevor?

Oder wenn es dir ganz anders geht und du dich vorbereitest in den Ruhestand zu gehen, wenn die täglichen Verpflichtungen erledigt sind und du eigenen Interessen nachgehen kannst? Oder wenn du sonst wie dabei bist, Zelte abzubrechen? Wie wird es weitergehen im Verlassen bisheriger Bahnen und im Beginnen neuer Wege? Was erwartest du vom kommenden Jahr?

Oder was erwartest du im kommenden Jahr für deine Familie? Wenn einer dazugekommen ist durch Heirat oder Geburt? Wie wird das Miteinander sein, wenn der eigene Freiraum eingeschränkt wird? Wenn eine Lücke entstanden ist, die Krankheit oder Tod riss? Wie wird es weitergehen ohne den lieben Menschen, ohne seinen Rat ohne seine Hilfe?

Oder was erwartest du, wenn im vergangenen Jahr Mauern entstanden sind in Beziehungen, wenn man nicht mehr miteinander redet oder nur noch nebeneinander her lebt? Was, wenn durch Unterlassung Gräben sich auftaten, so dass kein Hin- und Her mehr stattfindet und nun die Lücke als Schmerz empfunden wird, aber ich keine Brücke finde, die mich hinüberträgt – zu dem Freund, dem Arbeitskollegin, zu Sohn oder Tochter, Vater oder Mutter?

Was erwartet den, der im vergangenen Jahr durch Krankheit ans Bett oder die Wohnung gefesselt wurde. Was erwarten Angehörige von uns oder Freund / Freundin? Werden die Kontakte abbrechen? Werden wir zu ihm oder ihr gehen und ihn oder sie besuchen. Was erwartet jemand im Krankenhaus? Vielleicht fragt er sich, wie viel er vom neuen Jahr noch erleben darf? Vielleicht, wie viel er noch erleben muss.

Wir sind voller Erwartung, jeder in einer anderen Situation. Jeder kommt aus einem Jahr voller guter und schlechter Erlebnisse, voller Freuden und Ängste, voller Schuld und Hoffnung, voller ermutigender und auch voller frustrierender Erfahrungen.

3. Ich möchte euch von einem Mann erzählen, von dem die Bibel uns erzählt. Er lebte zur Zeit Jesu in Israel. Ein schrecklicher Mann, einer der seine Landleute ausbeutete. Er war Zöllner, nahm überhöhte Zölle, nur damit er in einem reichen Leben prassen und schwelgen konnte. Die Folge: er wurde von allen gemieden. Was erwartete der am Jahreswechsel für das neuen Jahr und die Zukunft? Erwartet er ein kleines bisschen Liebe und Trost und Zuspruch? Dass sein Haus wieder voll ist von fröhlichen Leuten und nicht von schimpfenden Schuldnern, die ihre Schuldzinsen bringen.

Dass er all das von den Mitmenschen bekommen würde, das erhoffte er nicht mal mehr in den kühnsten Träumen. Er musste sich verbittert aber realistisch eingestehen, dass er keine Liebe empfangen wird, weil er selber sich jedes “geliebt werden” verbaut hatte, weil er Mauern aufgebaut hatte zu den Mitmenschen. Er muss ein trauriger Mensch gewesen sein.

Seine Hoffnung richtet sich auf einen einzigen Mann, von dem man in letzter Zeit wunderbare Dinge erzählte: Jesus aus Nazareth. Er hatte ein Ehebrecherin vor dem Tode gerettet durch eine einzige sinnvolle Frage: Er trat vor die hin, die schon die Steine in den erhobenen Händen hatten und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Und dann gingen sie alle nacheinander nach Hause. Und er sagte zu der Frau: Geh hin und tue kein Unrecht mehr! So etwas wünschte er sich auch. Von Jesus. Dass er kommt und die Mauer, die er, Zachäus, mit seinen Bosheiten selber aufgerichtet hat, überwindet und den Kontakt zu den Menschen wiederherstellt und das Verhältnis wieder heil macht. So etwas erhoffte er von Jesus – er allein konnte helfen.

Das neue Jahr brachte Zachäus, dass Jesus in die Stadt kam. Er lief, aber er traute sich nicht zu ihm. Er versteckte sich auf einem Baum an der Straße. Und er sah Jesus, wie er die Straße entlang kam und viele Menschen bei ihm. Er kam näher – und blieb direkt unter seinem Baum stehen, schaute hoch und rief: Zachäus, komm herunter. Was sitzt du da auf dem Baum? Ich muss heute in dein Haus einkehren und bei dir essen.

Zachäus traute seinen Ohren nicht. Und da wurde es ihm froh ums Herz und er sprang vom Baum, lief auf Jesus zu, umarmte ihn: Jesus, mein Freund, hier geht es entlang, es ist nicht weit bis zu meinem Hause.

Mit diesem Tage wurde das Leben anders. Die Liebe verwandelte ihn. Das hatte ihm das neue Jahr gebracht. Er gab den Armen von seinem Reichtum, er machte den angerichteten Schaden in größerer Menge wieder gut. Etwas was er nicht erwartet hatte, war eingetroffen: Jesus hatte in seinem Leben Mauern eingerissen und Gräben zugeschüttet. Er hatte ihm den Weg zurück in die Gemeinschaft geebnet. Seine Hoffnungen sind weit übertroffen worden.

4. Liebe Gemeinde, wir sitzen neben Zachäus auf dem Baum und warten auf Jesus Christus. Wären wir sonst hier in den Gottesdienst gekommen am Ende des Jahres 2002, um ihm zu begegnen, um sein Wort zu hören, um seine Gnade zu empfangen? Wir erwarten von Christus etwas für das kommende Jahr. Wir brauchen nicht mehr ermahnt zu werden von Lukas: Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. Nein, wir warten ja schon und sind gespannt auf sein kommen. Immer wieder aufs neue im Gottesdienst und auch heute Abend. Wir warten auf Christus und auf sein tröstendes und wegweisendes Wort für das neue Jahr.

Und Jesus hat verheißen auch im kommenden Jahr auch mit uns zu sein. Er wurde ein kleines Kind, ein Menschen, Weihnachten haben wir es uns wieder vor Augen geführt, dass er bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. Er wird zu uns sprechen: Komm herunter, ich will in dein Haus einkehren. Und dann wird unser Haus neu gemacht werden. Wo Christus eingekehrt ist, da ist plötzlich Versöhnung möglich, egal was es vorher an Streit gab. Gräben in den Familien überbrückt er, Mauer zwischen Arbeitskollegen baut er ab.

Wo vorher Angst war und Unsicherheit vor dem neuen Weg, da ist plötzlich Zuversicht. Wo Trauer und Niedergeschlagenheit war, da ist plötzlich Freude und neue Lebendigkeit, denn Gott ist dabei.

Was also uns im kommenden Jahr erwartet, von Gott her erwartet uns Gutes. Er ist mit uns, er wird sich schürzen und uns an seinen Tisch laden und wir werden von ihm her Leben empfangen: Versöhnung und Freude. So können wir getrost ins kommende Jahr gehen. Es komme, was da wolle. Gott ist mit uns.

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