Gott gibt uns Mut

Die Geschichte von der Himmelfahrt Jesu gehört zu den Geschichten, die uns recht vertraut ist. Wir kennen sie, denn sie wird uns jedes Jahr erzählt.

Bereits als Kind wurde meine Phantasie reichlich angeregt und ich konnte mir genau vorstellen, wie Jesus in einer Wolke verschwindet. Nur die Beine schauten noch raus. Und am Boden, auf der Erde hat er die Abdrücke seiner Füße hinterlassen.

In der heutigen Zeit, im Zeitalter von Raketen und Raumfahrt, von Himmelfahrt zu reden, liebe Gemeinde, hat seine eigenen Schwierigkeiten.

Den Raumfahrern gelingt ja tatsächlich der Sprung aus der Anziehungskraft der Erde in den Weltraum. Und dort gibt es dann kein Oben und Unten mehr.

Der Raum außerhalb der Erdatmosphäre ist lebensbedrohend und menschenfeindlich. Nur mit Hilfe technischer Geräte könnten wir dort oben überleben und das für nur eine begrenzte Zeit. Auch im Raum bleiben die Astronauten und Kosmonauten mit der Erde verbunden und müssen wieder zu dieser zurück.

So lange wir auf der Erde sind, sind wir an die Bedingungen von Raum und Zeit gebunden. Und eine jede und jeder von uns lebt zu einer bestimmten, eindeutigen und eingegrenzten Zeit. Und auch der Raum, den wir einnehmen ist begrenzt. Wir sind weder allgegenwärtig, noch sind wir überzeitlich.

So lange Jesus auf Erden lebte und umherging, unterlag auch er diesen Begrenzungen des Menschseins. Jesus lebte in einem bestimmten Abschnitt der Weltgeschichte und in einem klar umrissenen Gebiet.

Himmelfahrt, an diesem Wort können wir uns stoßen. Gedankenverbindungen zu diesem Wort rufen bei uns sehr schnell räumliche Vorstellungen wach. Doch solche Vorstellungen, liebe Gemeinde, bringen uns nicht weiter. Denn den Wohnort Gottes können wir nicht festlegen, so, wie es die Menschen in der Antike taten.

Himmelfahrt, also ein Geschehen, welches unser Vorstellungsvermögen überschreitet, ein Ereignis, welches weit über unser menschliches Begreifen hinausgeht bis ins Übersinnliche?

Das Wort Himmelfahrt bringt uns über unseren begrenzten Erfahrungsbereich hinaus. Mit diesem Begriff versuchen wir uns, ähnlich wie mit dem Wort Auferstehung, der Dimension Gottes zu nähern. Wir erfahren hier eine Grenze, die es für uns unmöglich ist zu übertreten.

Nach Ostern machte die junge Christenheit in Rom oder Korinth genauso wie die Gemeinden in Jerusalem oder Alexandria die Erfahrung, dass Jesus unter ihnen gegenwärtig erlebt wurde.

Himmelfahrt, ein Begriff, der an ein Geheimnis rührt, der mit unseren Worten nicht erfassbar ist und auch nicht beschrieben werden kann.

„Während er sie segnete, entfernte er sich von ihnen.“ Über den nachfolgende Satz: „Und wurde zum Himmel emporgehoben“ wird im Evangelium bei Matthäus und ebenso bei Johannes nichts berichtet. Da wird gar nicht von Himmelfahrt geredet. Es geht schlicht und einfach darum, dass festgestellt wird, dass Jesus nicht mehr auf dieser Erde ist. Auf dieser Erde hat Jesus sein Werk vollendet.

Im Evangelium bei Matthäus und auch bei Markus hat Jesus seinen Jüngern noch einmal die Zusammenhänge erschlossen. In den Schriften des Alten Testamentes waren Leiden, Tod und Auferstehung bereits angekündigt. Und alles was geschah, muss nun allen Menschen weiter gesagt werden. Nicht nur das Volk Israel ist Ansprechpartner dieser Botschaft, nein, sondern alle Menschen dieser Erde.

„Während er sie segnete, entfernte er sich von ihnen.“

Segnend hat Jesus Christus auf dieser Erde seinen Lauf und sein Werk vollendet. Segen war sein ganzes Tagewerk und seine Worte, wenn er Menschen auf das Reich Gottes hinwies. Segen war sein Handeln, wenn er den Kranken die Hand auflegte. Segen war auch sein Handeln, wenn er die Kinder zu sich kommen ließ und den Sündern zurief: „Gehe hin in Frieden, deine Sünden sind dir vergeben.“

Segen war auch sein Sterben, als Jesus am Stamm des Kreuzes sein Blut zum Heil für uns vergoss. Segen brachte Jesus aus dem Grabe, als er mit dem Friedensgruß: „Friede sei mit euch“ unter die Seinen trat.

Am Schluss seines irdischen Lebens hob Jesus noch einmal segnend seine Hände auf, bevor er in das Reich Gottes heimkehrte. Er segnete seine Jünger und fasste damit noch einmal sein ganzes Lebenswerk zusammen.

Jesus trennte sich von den Seinen, aber er verließ sie nicht. Für uns gilt dasselbe, wie damals für die Gemeinde in Jerusalem. Jesus hat sich von seiner Gemeinde getrennt. Er ist nicht mehr in sichtbarer Gestalt inmitten dieser greifbar; aber er hat sie nicht einfach verlassen. Segnend ist Jesus bei seiner Gemeinde, damals wie heute, hier bei uns.

Unter seiner Segenshand wird unser Leben ganz neu. Wir stehen dann nicht mehr unter den Lasten und Schulden des Lebens, nein, wir stehen dann unter den segnenden Händen Jesu.

Wir gehen dann nicht mehr unter Sorgen und Ängsten gebückt; wir gehen dann unter den Segenshänden des großen Erbarmers. Dann leben wir nicht mehr im Kleinglauben und Verzagtheit, sondern im Vertrauen auf den weisenden und helfenden Herrn.

Er hat seiner Gemeinde die Kraft aus der Höhe versprochen. Das anstehende Pfingstfest soll uns an die Einlösung dieser Verheißung erinnern.

So wissen wir es, liebe Gemeinde, ohne dass alles bewiesen werden kann. Und Menschen, die davon ergriffen waren, haben ihre Überzeugung in die ganze Welt hinausgetragen, bis in unsere Gemeinde hinein.

Genau das ist der Punkt, liebe Gemeinde, an dem Himmelfahrt für mich wichtig wird. Nicht als schöne Geschichte, wie wir sie kennen, denn sie wird uns jedes Jahr erzählt, sondern als Beginn einer großen Segensgeschichte aller Menschen.

Und während er sie segnete, entfernte er sich von ihnen und wurde zum Himmel emporgehoben. Der Segen bei Jesu Himmelfahrt ist das, was immer und ewig gilt: Gott gibt uns Mut und Kraft für unser Leben.

Als Jesu Jünger das erkannten, warfen sich vor ihm nieder. Dann kehrten sie voller Freude nach Jerusalem zurück. Sie verbrachten ihre ganze Zeit im Tempel und priesen Gott.

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