Gott braucht keine Sicherheiten

Liebe Gemeinde,

am letzten Sonntag konnte ich Ihnen noch zusprechen: „Ihr seid das Licht der Welt“, „Ihr seid das Salz der Erde“. Heute wird es schwieriger, denn heute geht es um unsere Verantwortung. Eigentlich handelt es sich um die Fortsetzung dessen, was es nun bedeutet Licht und Salz zu sein. Was tun wir mit den Gaben, die wir von Gott empfangen haben, was ist unser Ziel? Licht sind wir, Salz sind wir – wie setzen wir unser Salz und Licht ein? Wir könnten mehr Licht werden und mehr Salz sein oder wir könnten unser Licht unter den Schemel stellen und unsere Salzkraft verlieren.
Hören wir dazu ein Gleichnis Jesu.

[TEXT]

Liebe Mitchristen, finden Sie sich in einem der drei Knechte wieder?
Andres gefragt: Wie finden Sie die Vorstellung von Gott in diesem Gleichnis? Muss man Angst haben vor Gott? Mir ist das fremd!

Schwierig ist das – sehen wir uns zunächst einmal die drei Knechte an. Diese drei Knechte handeln ganz unterschiedlich.
Der erste verdoppelt sein Vermögen. Ich möchte ihn vergleichen mit einem Zocker. Einer der in Aktien am sog. „Neuen Markt“ spekuliert und in eine gute Phase gerät. Er kann sein Vermögen spielend verdoppeln – steht halt auch in der Gefahr alles loszuwerden. Der zweite Knecht ist vom Typ her der gleiche. Forsch, mutig, voranpreschend – auch er spekuliert und auch er hat Glück und steigert den Gewinn des anvertrauten Vermögens um 100 Prozent. Der dritte Knecht. Er nimmt das Geld, das er bekommen hat und vergräbt es. Da ist es sicher, er findet einen Ort, den keiner kennt und wartet bis man das Geld wieder zurückfordert. Er ist auf der sicheren Seite. Sein Verhalten ist davon geprägt bloß nichts falsch zu machen. Mag sein er hat Erlebnisse gemacht in seinem Leben – immer war er der, der es nicht recht gemacht hat. In der Schule schon hat man ihm gesagt: „Aus dir wird nie was“ und die anderen Kinder haben ihn gehänselt. Mag sein, seine Eltern haben ihn immer wieder kritisiert und alle beginnende Selbständigkeit im Keim erstickt. Wenn er sich schon einmal aufgerafft hat etwas zu unternehmen, etwas zu wagen – dann wurde er ausgebremst. Solche Lebensläufe gab es damals und heute gibt es sie sehr häufig. Ein solcher Mensch vergräbt sein Talent. Er ist nicht einfach faul, er lebt unter schlechten Voraussetzungen. Er bildet sich etwas ein, er macht sich selbst Angst, er ist verängstigt und er kann sich nicht Mut zusprechen, andere tun es auch nicht. So geht er den 100 %igen Weg. Er geht auf Nummer sicher. Glücklich allerdings wirkt er nicht auf mich.

Liebe Gemeinde, vielleicht ist es nicht so ganz einfach zu verstehen, warum dieser nun nicht gelobt wird. Schließlich hat er keinen Verluste eingefahren. Es liegt einfach an seinem fehlenden Mut und dieser fehlende Mut hängt zusammen mit einer ganz wichtigen und großen Fehleinschätzung.
Er hat nämlich ein Bild von seinem Herrn, das ihn in seiner Vergehensweise negativ bestätigt. „Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nichts ausgeteilt hast. Deshalb hatte ich Angst und habe dein Geld vergraben. Hier hast du es zurück.“ Das ist sein Argumentationsstrang. „Ich hatte Angst“, sagte er. „Und ich wusste, dass du ein harter Mann bist“. Ein harter Mann ist sein Herr. Woher wusste er das eigentlich? Eigenartig nur, dass die anderen beiden Knechte vor diesem harten Mann gar keine Angst haben, sondern munter drauf los spekulieren und aus dem Geld viel mehr machen und dass sie auch gerne zu ihrem Herrn kommen und das Geld, das vermehrte Geld überreichen. Für sie ist das kein harter Mann gewesen.

Liebe Schwestern und Brüder, ein Gleichnis haben wir vor uns. Der Herr in der Geschichte ist Gott. Die Knechte sind im übertragenen Sinn wir Christen. Matthäus erzählt dieses Gleichnis. Er macht seiner Gemeinde klar, dass es wohl länger dauert bis Jesus wiederkommt. Die Erwartung, dass Jesus jetzt gleich wiederkommt und die Seinen zu sich holt war zu dieser Zeit am Absterben und Matthäus sagt das auch. Man muss sich einrichten in dieser Welt zu leben, in dieser Welt als Christ zu leben. Wie kann das gehen? Das kann nur so gehen, dass man das eigene ChristSein ernst nimmt.
In seinen Glauben kann und darf man etwas investieren. Man darf etwas wagen, man darf den Glauben leben, soll eben das Licht auf dem Schemel sein und das Salz für die Welt, wie wir es letzte Woche gehört haben. Matthäus fordert seine Gemeinde auf doch das, was im Glauben begonnen hat jetzt weiter zu machen, nicht mittendrin aufzuhören, sondern den Glauben zu leben, sich einzusetzen, als Christ erkennbar zu sein. Es wäre ein falsches Gottesbild, wenn sich eine Strömung durchsetzen würde die immer zur Vorsicht mahnt und die Hände in den Schoß legt und sagt: „Na wartet´s mal ab – wer weiß ob das was ihr tut Gott eigentlich will. Bedenkt auch die andere Seite, Gott ist doch ein harter Herr, der verlangt mehr als ihr im bieten könnt. Der erntet auch noch dort, wo nichts wächst – macht keinen Fehler, begnügt euch mit dem, was ist und unternehmt ja nichts, was auffällig wäre. Warten wir ab bis der Herr wiederkommt“. Ein trostloser Glaube wird hier praktiziert. Trostlos deshalb, weil er mit Angst besetzt ist. Trostlos auch, weil aus ihm Resignation spricht und Hoffnungslosigkeit und einfach vieles, was ein Wachsen im Glauben unmöglich macht. Kein Mut ist mehr da und kein Einsatz – es läuft alles flach dahin und das Gottesbild, das hier transportiert wird ist einfach schrecklich. Der Gott, der die Liebe ist wird auf einmal zu einem harten und rachsüchtigen Gott, der die Menschen bestraft; so ein Bild ist Projektion und hat keinen Anhalt am eigenen Erleben mit Gott. Denn in unserem Bibelabschnitt dominieren andere Begriffe – Begriffe wie "Fest" und "Freude". Es ist ein Fest, wenn der Herr wiederkommt – hat irgendwer Angst davor zu feiern? Der Herr lädt ein zum Fest und alle, die daran teilnehmen sollen sich freuen. Das ist doch ein ganz anderes Gottesbild. Das ist das Bild vom letzten Sonntag, von einem selbstbewussten Christsein, das akzeptiert: Wir sind Licht und wir sind Salz und wir freuen uns, dass wir leuchten dürfen und das Salz in der Suppe sein können.

Liebe Gemeinde, die Angst, dass wir etwas falsch machen könnten ist ein schlechter Berater – wir sehen es in diesem Gleichnis. Es ist auch nicht die Sorge Gottes, eher unsere Sorge. Gott hat kein Bedürfnis nach Sicherheit, eher wir. Ich empfinde es so als ob Gott uns allen Talente gegeben hat, ganz unbesorgt, ganz frei – jedem hat er unterschiedliche Talente und unterschiedlich viele Talente gegeben. Egal – Talente haben wir – ihnen nachspüren müssen wir einfach einmal, mag sein wir entdecken ganz neue Talente an uns. Jedenfalls merken wir wie so etwas von Leichtigkeit durch uns hindurchgeht. Eine Lust zum Risiko, zum sorglosen Umgang mit unseren Gaben könnte die Lebenseinstellung sein. Kämpfen müssen wir um eine solche Einstellung, denn immer kämpfen in uns beide Seiten, die des Knechtes, der gerne alles so lassen möchte wie es ist und die Seite der Knechte, die sagen: „es geht auch anders, probieren wir es aus“. Mut brauchen wir dazu. Und diesen Mut bekommen wir, wenn wir das, was wir tun in der Gewissheit tun: „Gott traut es uns zu“.
Wir sind Salz und wir sind Licht. Wir können salzen und wir können leuchten. Es ist nicht die Aufgabe der Kerze verpackt in der Schachtel zu sein – sie muss auf den Ständer und angezündet werden. Es ist nicht die Aufgabe des Salzpäckchens im Schrank unbenutzt zu stehen. Salz muss in die Suppe.
Gaben, die wir haben können von uns verwendet werden, wenn wir sie vergraben bringen sie nichts – wenn wir sie einsetzen, bringen sie etwas – für uns, für Gott und für unsere Mitmenschen.

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