Gnade

1. Wie können wir Gott erkennen – was ist Offenbarung?
Wir haben eben in der Lesung (11,20-24) erstaunliches gehört: Jesus hat viele Taten in den Städten getan und sie haben nicht geglaubt. Sogar für Sodom hat er noch Hoffnung, aber nicht mehr für diese Städte. In der Theologie wird oft gesagt:
Wir können Gott nicht erkennen. Es ist pure Gnade, wenn sich Gott einem Menschen zu erkennen gibt, wenn er sich ihm offenbart. Nun haben wir hier aber ein ganz anderes Phänomen vor uns: Christus offenbart Gott in seinen Taten, durch seine Heilungen – und die Menschen erkennen das nicht an. Schuldig werden sie, weil sie wider besserer Erkenntnis keine Buße tun und nicht glauben. Die Taten Jesu sind sein Erkennungs- und Markenzeichen.Ablehnung auf der einen Seite. Und dann hören wir Jesu Jubelruf.
Er jubelt förmlich darüber, dass es auch noch andere gibt. Es sind nicht die Weisen und Klugen, die ihn als den Sohn Gottes anerkennen. Nicht die Gelehrten der religiösen Führerschaft,
die es als Gotteslästerung einstufen,
dass Jesus sich als Sohn Gottes bezeichnet. Die Pharisäer und Schriftgelehrten sind verblendet. Genauso wie viele Gelehrte der heutigen Zeit, die zwar ganz unkritisch an die Wissenschaft glauben, aber den Glauben an Christus für dumme Märchen halten. Das wissenschaftliche Weltbild ist löchrig. Die kritischsten Vertreter geben das zu. Gerade die Theorie, wonach die Welt durch einen Urknall entstanden ist, wird immer unwahrscheinlicher, je mehr man sie erforscht. Es ist schon eine gehörige Portion Wiisenschaftslaube notwendig,
um davon überzeugt zu sein. Woher kommen die chemischen Stoffe,
aus denen innerhalb von Sekunden der ganze wohlgeordnete Kosmos entstanden sein soll? Menschliche Weisheit und Klugheit hat immer ihre Grenzen. Erforschen und verstehen, woher wir sind und wohin wir gehen, können wir nicht. Da wir nicht zu Gott kommen können, weder zu Fuß noch mit dem Verstand, muss Gott zu uns kommen. Er hat dies in Jesus getan, er hat sich offenbart. Die Reaktion ist bei den meisten Menschen negativ. Ablehnung des Gottessohnes aus angeblicher Vernunft gab und gibt es schon, solange es Jesus gibt. Er nun jubelt darüber, dass er den Vater kennt und dieses Wissen den Unmündigen,
vielleicht können wir sagen, denjenigen offenbart, die nicht durch ihr angebliches Wissen voller Vorurteile stecken. Die Ohren haben für die Offenbarung Gottes,
die seine Taten nicht übersehen oder falsch deuten. Aber wie ist das denn nun mit dem Glauben? Ist es schwer zu glauben oder offenbart Gott sich so klar,
dass jeder die Möglichkeit hat, die Offenbarung Gottes in Jesus Christus anzunehmen? Jesus geht davon aus, dass es Schuld bedeutet, wenn sein Wort und seine Taten abgelehnt werden. Es wird den Menschen schlecht gehen beim Gericht. Aber nicht daran bleibt er hängen, sondern er freut sich vielmehr über die, die ihn annehmen.

2. Jesus hilft denen, die ihn annehmen
Mir kommt es so vor mit Jesus wie mit einem Arzt. Da hat sich ein guter Spezialist niedergelassen,
seine Praxis ist mit den besten diagnostischen Geräten ausgestattet,
der Mann ist ein ausgezeichneter Praktiker. Aber die Leute vertrauen ihm nicht. Keiner geht mit seinen Krankheiten in die Praxis. Da nutzt es niemandem, dass der Arzt da ist. Wir müssen an der richtigen Stelle erkennen und vertrauen. Von Jesus haben wir nur etwas, wenn wir erkennen und glauben: Jesus sind von seinem Vater alle Dinge übergeben worden: Das himmlische, das Irdische und das Unterirdische – Alle Machtbereiche gehören ihm. Er hat die Vollmacht von seinem Vater und er ist der Chef der Gemeinde, derer, die ihm nachfolgen. Ein guter Chef, der den Blinden die Augen öffnet, der Kranke gesund macht und den Armen die frohe Botschaft verkündet. Jesu Jubelruf gilt den Menschen, die gelten lassen: Gott hat sich in Jesus zu unserem Heil offenbart, gezeigt in seinem heilmachenden Wort und seinen rettenden Taten. Dem Jubelruf folgt der Heilandsruf: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Das klingt wie eine Werberede, eine Art Reklame für Gott,
der Jesus gesandt hat, um uns zu helfen. Bei Werbung werden die Menschen ja sofort skeptisch: Hält die Werbung auch, was sie verspricht? Hat derjenige, der für etwas wirbt, nicht nur seinen eigenen Vorteil im Blick? Wir, die wir schon einen gewissen Glauben haben, müssen das testen. Denn was er verspricht, das wird er auch halten – behauptet die Bibel. Jesu Heilandsruf gilt allen. Und er ist nicht einzuschränken. Alles, was uns Mühen macht, alles was uns Lasten auflädt, soll uns leichter gemacht werden. Das kann Gott dadurch erreichen, dass er uns beim Tragen hilft. Wir müssen uns damit abfinden, dass wir nicht immer locker und ohne Mühe durch´s Leben gehen können. Doch als Christen haben wir das Versprechen Gottes, dass wir erquickt werden und nicht auf dem letzten Loch pfeifend durch dieses Leben marschieren müssen. Gott kann uns eine Last auch ganz abnehmen. Es ist Kleinglaube, wenn wir immer nur davon ausgehen, dass Gott uns ein bisschen beim Tragen hilft. Insgeheim gehen wir davon aus, dass der Glaube uns nur hilft, ein wenig positives Denken zu praktizieren: Kopf hoch, es geht schon irgendwie weiter. Gott ist dann so was ähnliches wie eine kleine Glückspille, die wir uns bei passender Gelegenheit selber verordnen. Nein, Gott kann uns eine Last ganz abnehmen. Er hat die Kranken nicht nur moralisch aufgebaut oder ihre Schmerzen ein wenig mit Salbe gelindert, sondern er hat gesund gemacht. Vielleicht hilft Gott uns oft nur ein bisschen, weil wir ihn immer nur um ein bisschen bitten. Mit großem Vertrauen bitte ein Hauptmann Jesus,
seinen Knecht gesund zu machen. Und Jesus antwortet: „Dir geschehe, wie du geglaubt hast.“ Ich bin überzeugt davon,
dass wir selten zu große Erwartungen an Gott haben. Unsere Erwartungen sind bestimmt chronisch zu klein. Beten, planen und handeln wir nicht meistens so, als ob Gott uns nur ein wenig helfen möchte? Die Frage ist immer: Sind wir nicht offen genug für Gott oder sind seine Offenbarungen nicht klar genug? In unserem Kapitel behaftet Jesus der Leute von Chorazin und Bethsaida bei ihrer Schuld. Die Offenbarung war klar,
Jesus hat verkündigt und geheilt.

3. Was verspricht Gott denen, die ihm nachfolgen? Den Nachfolgern ist versprochen, dass auch ihre Verkündigung durch Zeichen und Wunder bekräftigt wird. Mein Eindruck ist, dass nicht gerade viele Menschen zum Glauben kommen und nur wenige gesund werden. Unsere Lebenserfahrung sagt uns: Es geschehen selten Wunder. Und die sind immer nur ein Aufschub. Am Ende wartet immer der Tod. Aber es muss eine Spannung in uns aufrechterhalten werden. Das letzte Wunder ist das der Auferstehung. Der Glaube ist gerade der Einspruch gegen unsere Welterfahrung. Wir dürfen uns nicht mit der Reklame Gottes zufrieden geben. Wir brauchen das Produkt, den Glauben an den Auferstandenen. Es wäre schlecht um unseren Glauben bestellt, wenn wir nur im Kopf glauben,
dass Gott die Welt erschaffen kann, dass er allmächtig ist und unsere Herzen voller Zweifel stecken, ob er auch für uns und unsere Gemeinde bereit ist, Wunder zu tun. Glauben wir an Jesus,
dann geben wir uns nicht mit der Reklame zufrieden, sondern testen die Ware. Warum hat er uns den Auftrag gegeben, die frohe Botschaft allen Völkern zu verkündigen? Ich denke, dass Gott aus dem bisschen Glauben, den wir haben, das Beste machen muss, so er will, dass möglichst viele von ihren Lasten befreit werden. Vielleicht machen wir als Christen den Fehler, mehr schlecht als recht Reklame für Jesus machen zu wollen. Es sollte uns mehr darum gehen, das Produkt unter die Leute zu bringen. Was wir beitragen können, muss uns vorher an Glauben und Gaben geschenkt werden. Zu der Frage, was wir beitragen können,
äußert sich Jesus: Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir! Was ist denn Jesu Joch? Es ist die Bereitschaft, ihm nachzufolgen. Gottes Willen zu tun, weil wir ihm vertrauen, dass er sich in unserem Leben positiv auswirkt. Manche Pharisäer wissen Gottes Willen, sie lehren die Leute und wollen selber nicht nach ihrer Lehre handeln. Das geht nur, wenn man selber nicht von der Lehre überzeugt ist. Das ist Scheinheiligkeit. Und jeder von uns hat vielleicht Bereiche, wo er sich nicht auf Gottes Willen einlässt und zum falschen Pharisäer wird. Da arbeiten wir in der Gemeinde mit, aber es geht uns um die Anerkennung bei Menschen
statt um Gottes Ehre. Da beten wir für die Genesung eines Menschen,
vertrauen aber insgeheim mehr der ärztlichen Kunst als der Kraft Gottes. Da vertrauen wir unserer Vernunft mehr als den Geboten Jesu und sind für die Anwendung von Gewalt. Wir beschönigen kleine Notlügen und erwarten nicht, dass Gott auf unserer Seite ist, wenn wir aufrichtig sind. Wir gehen zum Abendmahl, ohne uns vorher mit dem versöhnt zu haben, mit dem wir Streit haben. Den Nachfolgern verspricht Gott, dass er ihnen Lasten abnimmt
und dass ihr Leben durch Zeichen und Wunder beglaubigt werden. Jesus fordert seine Nachfolger auf, von ihm zu lernen,
was Demut ist. Das geht weit, bis ans Kreuz. Seine Demut bedenkt in Liebe, was der andere braucht. Aber gerade dann, wenn wir unsere Interessen unter die unseres Nächsten stellen, verspricht uns Jesus: Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Wir kommen nicht drum herum: Wir müssen es testen uns darauf einlassen. Nur das ist eine gute Gemeinde, in der Menschen tatsächlich erfahren: Gott nimmt uns viele Lasten ab. Er legt uns zwar andere auf,
aber die sind sinnvoll und vor allem leichter. Was auch immer hart ist an den Lasten, die wir tragen müssen – die Liebe macht es leichter! Wir werden anderen die frohe Botschaft nur glaubwürdig vermitteln können in Liebe. Wir können nur von Herzen im Gebet für andere eintreten, wenn wir sie lieben. Gott schenke uns Liebe zu ihm und unserem Nächsten, damit wir jetzt und im letzten Gericht seine Barmherzigkeit erfahren. Ich wünsche uns allen, dass wir von Jesus lernen. Es kommt nicht auf die Reklame an, sondern auf das Produkt – Jesus und seine Einlösung des Heilandsrufes: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid –
Dann werde ich euch erquicken. Gehen wir zu dem, dem alle Dinge übergeben sind, dann wird er auch zu uns sagen: “Dir geschehe, wie du geglaubt hast.“

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