Glückwunsch zum Weg

Manche Menschen sind dauernd auf der Suche. Sie suchen etwas Besonderes, einen Schatz, den ultimativen Kick, den Sinn im Leben, die Erfüllung oder ihre Ruhe. Ehrlich gesagt glaube ich, dass das Manche zu Beginn eine Untertreibung war. Fast alle Menschen suchen irgendwo, irgendwas: Im Kloster oder im Freizeitpark, im Fitnessstudio oder im Autohaus, am Stammtisch oder auf der Almhütte bei Sekten oder bei der Kirche.

Viele Menschen investieren eine ganze Menge für ihre Suche. Nicht nur Geld. Ein Bergsteiger auf der Suche nach einer neuen Herausforderung steht früh morgens auf, packt mit Sorgfalt seine Sachen, geht früh los und viel Schweiß fließt, damit er irgendwann für einen Moment oben steht und anschließend den beschwerlichen Rückweg antritt. Unterwegs weiß er, dass es passieren kann, dass er umkehren muss, weil das Wetter umschlägt oder weil er seine Kräfte überschätzt hat. Aber es lohnt sich – sagt der Bergsteiger.

Es lohnt sich sagt auch Jesus in zwei Gleichnissen von Menschen, die viel Mühe auf sich nehmen, nachdem sie etwas gefunden haben:

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So ist das: Wenn ich etwas sehe, wofür es sich lohnt, bin ich auch bereit viel zu geben.

Ehrlich gesagt: So ganz gefallen mir beide Geschichten nicht. Das riecht nach Übervorteilung. Da findet einer einen Schatz in einem Acker, der ihm nicht gehört oder einer entdeckt eine wertvolle Perle und der Besitzer weiß wohl nicht, wie wertvoll sie ist. Aber Jesus will uns wohl nicht dazu ermutigen, Menschen zu übervorteilen. Er will uns einen Spiegel vorhalten: So seid ihr. Für das, was euch wertvoll ist, nehmt ihr vieles in Kauf, ertragt ihr vieles. Menschen, die sich ein Kind gewünscht haben, geht es manchmal ähnlich. Sie verzichten plötzlich auf Dinge, die ihnen vorher unverzichtbar erschienen wären. Es gibt viele Momente im Leben, wo neue Schwerpunkte auftauchen.

Ein Gleichnis ist mehr als nur ein Vergleich. Es ist eine Beziehungsgeschichte: Mit dem Reich der Himmel verhält es sich wie mit einem Schatz oder einer kostbaren Perle. Es sind zwei unterschiedliche Situationen. Der eine entdeckt professionell als Kaufmann eine Perle, deren Besitz sich lohnt, der andere zufällig und unabsichtlich – wahrscheinlich, weil er ein kleiner Pächter ist – einen Schatz in einem Acker. Dann geht es ähnlich weiter. Unterschiedliche Situationen, aber beide führen dahin, dass einer die Werte in seinem Leben neu abwägt.

Am Ende steht die Freude. Die Freude über den gelungenen Coup? Aber Jesus erzählt dieses Gleichnis nicht, um uns zum Tricksen und Geld vermehren anzuregen. Das tun wir wohl auch ohne Jesus schon genug. Er nimmt ein Beispiel aus dem Alltag, um uns vorzuführen, welchen Einsatz wir an bestimmten Punkten bringen.

Und er will uns gratulieren. Herzlichen Glückwunsch, dass Ihr das Heil entdeckt habt, herzlichen Glückwunsch, dass ihr getauft seid und dass Ihr heute im Gottesdienst seid. Ihr habt Euch auf einen Weg gemacht und das Ziel dieses Weges ist mehr als eine kostbare Perle oder ein Schatz im Acker. Es ist das Reich Gottes. Und er will uns gratulieren. Herzlichen Glückwunsch, dass Ihr das Heil entdeckt habt, herzlichen Glückwunsch, dass ihr getauft seid und dass Ihr heute im Gottesdienst seid. Ihr habt Euch auf einen Weg gemacht und das Ziel dieses Weges ist mehr als eine kostbare Perle oder ein Schatz im Acker. Es ist das Reich Gottes. Und das Abendmahl, das wir heute feiern ist eine Raststätte auf dem Weg zu diesem Ziel.

Ich denke wir können in aller Ruhe das Gleichnis für uns ganz persönlich fortführen. Das Reich der Himmel gleicht einem Berggipfel oder einem neugeborenen Kind, einer guten Familie oder einer erfolgreichen Expedition. Es lohnt sich wirklich dafür vieles auf sich zu nehmen, manches zu unternehmen und zu wagen. Es ist unendlich mehr wert als so vieles andere, für das wir uns manchmal krumm legen. Die Menschen, für die Matthäus sein Evangelium schreibt haben das gewusst. Ihnen war die Botschaft Jesu soviel wert, dass sie dafür ihr Leben riskierten. Oder Abraham. Ihm war der Ruf Gottes so viel wert, dass er seine Sippe und alles hinter sich ließ, um mit seiner Frau Sara in ein Land zu gehen, das er nicht kannte.

Jesus will uns nicht unter Druck setzen, aber er will uns fragen. Wofür setzt ihr etwas ein? Was ist wichtig in eurem Leben? Und darum sage ich herzlichen Glückwunsch, dass Sie in diesem Gottesdienst sind. Vielleicht hilft er Ihnen ja weiter und vermittelt ihnen Gottes Segen auf dem Weg durchs Leben. Und hilft ihnen zu erkennen, was wichtig werden könnte.

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