Glaubensbekenntnis

Liebe Schwestern und Brüder!

Was gilt noch in dieser Welt, die für viele Menschen so unübersichtlich, manchmal grausam und schwer zu verstehen ist? Wonach orientiere ich mich und wo nehme ich meine ethischen Richtlinien her, wenn ich im Alltag und in dieser Welt überleben will?

Nach den schrecklichen Terroranschlägen durch islamistische Fanatiker auf das World Trade Center in New York und den Angriff auf das Pentagon in Washington, bei denen über 5000 Menschen ermordet wurden am 11.September, gewinnt man den Eindruck, dass sich die Orientierungslosigkeit noch verstärkt hat! Warum mussten zwei deutsche und drei dänische Soldaten bei der Räumung von Raketen und Waffen im fernen Afghanistan sterben? Und warum scheinen sich die politischen Parteien wie zur Zeit die SPD in Köln schamlos mit illegalen Spenden zu versorgen und Bestechung als Form der politischen Einflussnahme zu akzeptieren?

Warum muss mancher so viel an persönlichen Leid ertragen, während andere, weniger fromme und manchmal kriminelle Menschen so ohne Blessuren durch das Leben kommen? Das sind schwierige Fragen und häufig stehen wir vor dem Rätsel, dass es dafür keine plausible Antwort gibt! Und in diese schwierige und unübersichtliche Welt hinein verkündigt der Prophet Jesaja: "Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer."

Welche Worte, mit welcher Wucht und Kraft gesprochen, welche Verheißung und welch ein Evangelium werden hier vom Propheten an seine Zuhörer verkündigt! Auch wenn Berge und Hügel vergehen oder sich verändern, aber die Gnade des Herrn bleibt ewig. Seine Gnade und Liebe bleibt ewig. Seine Gnade und Liebe verheißen Trost in Anfechtung, Orientierung im Lebenswirrwarr und Hilfe in der täglichen Unübersichtlichkeit. "Meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer." Schöne Worte, gute Worte, tröstliche Worte.

Gesprochen und geschrieben von einem Propheten vor 2600 Jahren in einer Zeit, die auch unübersichtlich und schrecklich war. Geschrieben an das Volk Israel, als Jerusalem zerstört war und die Hoffnung auf Gottes Anwesenheit im Leben der Gläubigen zu schwinden schien. Aber auch schöne, gute und tröstliche Worte im Jahr 2002 n. Chr. für uns in einer Zeit der Unübersichtlichkeit und Orientierungslosigkeit. Gott schenkt uns den Bund seines Friedens im Glaubens. Und im und durch den Glauben an Jesus Christus, der unser Erlöser ist, vollendet sich dieser Friede durch Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Gnade und Liebe und Barmherzigkeit ereignet sich im Leben eines Menschen, davon bin ich überzeugt. Darauf vertraue ich und daraus schöpfe ich meine Hoffnung.

Denn für uns als Christen gilt , dass Jesus Christus unser Trost im Leben und im Sterben ist, weil durch sich die göttliche Gnade an uns offenbart, wie es im Heidelberger Katechismus heißt. Und viele tragen ihr schweres Päckchen im Leben, Situationen von Schuld, Angst, Verzweiflung und Trennung, die einem das momentane Leben als tot empfinden lassen. Das Kreuz gehört zum Leben und da ist das Christentum ganz realistisch. Probleme und Schuld gibt es genug in unseren Leben. Aber dennoch haben wir die feste Zuversicht, dass unser Leben nicht der Sinnlosigkeit preisgegeben ist. Unsere Hoffnung wird nicht zuschanden, denn seine Gnade ist im Glauben präsent. Sie kann nicht gebrochen werden, wenn wir Jesus Christus als unseren Retter und Heiland folgen. Insofern kann das Sterben letztendlich paradoxerweise auch als ein Gewinn angesehen werden.

Nämlich als den Gewinn des ewigen Lebens mit und bei Christus. Vertrauen sie darauf und schöpfen sie daraus Kraft und Zuversicht. Doch vielmehr sollen wir uns über unser Leben freuen, das größte Geschenk Gottes mit dem Glauben zusammen. Freut euch über jeden neuen Morgen und seid dankbar, denn das ist Gnade. Freut euch über die Liebe und Gemeinschaft im Leben. Freut euch über das neu beginnende Leben jetzt im Frühjahr, an den Blumen und den Vögeln. Freut euch über das viele Gute in euren Familien, die Schönheit und Liebe, denn auch das ist göttliche Barmherzigkeit.

Aber vergesst nicht die Freude über die Anwesenheit Gottes in unserem Leben. Christus ist unser Leben. Er trägt und hält uns, er gibt uns Kraft zur Vergebung und zum Neuanfang. Er beschützt uns durch seinen Segen und führt uns aus dem finstern Tal. Wenn ich Christus als meinen König im Leben habe, wenn ich den Glauben an ihn zum Zentrum meines ach so zerbrechlichen und vergänglichen Lebens mache, dann habe ich den Gewinn, dass ich ruhiger und gelassener auf das Harren kann, was da kommt. Das Schöne und das Schwere, das Frohe und Traurige, das Leben und den Tod. Alles kommt aus Gottes Hand und seine Hand ist barmherzig und gnädig, sie ist Schutz und Schirm vor allem Argen und Stärke und Hilfe zu allem Guten.

Also, was brauchen wir außer Christus zum Leben? Fragen wir nun einander, es kämen noch mehr, ganz andere Antworten: Gesundheit, Freunde, Liebe, einen Arbeitsplatz, saubere Luft… – es gibt so viele Antworten auf diese Frage. Jesus gibt darauf eine Antwort. Diese Antwort ist einfach und kompliziert zugleich. Einerseits gibt er die einfache Antwort. "Ja, ich weiß, dass ihr alles Mögliche zum Leben braucht, Aber vor allem: zum Leben braucht ihr mich! Ich bin das Brot des Lebens, das Grundnahrungsmittel für euer Leben. "Ich gebe euch durch meinen Tod, durch mein Sterben, die Hoffnung der Auferstehung.

Ich schenke euch durch euren Glauben an mich ewiges Leben und Unsterblichkeit. Das kann die einfache Antwort auf die vorher gestellte Frage sein. Für viele, die glauben, mögen diese Glaubenssätze gelten. Für andere sind sie erläuterungsbedürftig. Man muss die Sätze in die Alltagssprache übersetzen. Das Komplizierte und Hintergründige an der Antwort ist, dass Jesus nicht eine körperliche Sättigung verspricht. Er sättigt nicht meinen körperlichen Hunger. Dafür muss ich als Mensch selbst sorgen. Und denen, die nichts haben, von meinem Reichtum abgeben oder mich für gerechtere Verhältnisse auf der Welt einsetzen. Aber das Brot, das er mir durch sich selber gibt, kann eine seelische oder eine geistliche Sättigung meiner seelischen Bedürfnisse bewirken. Durch das Essen des Brotes beim Abendmahl bekomme ich durch Jesus Christus die Zusage: Ich bin für dich da, du kannst mich sogar schmecken. Deine Fehler und Schwächen vergebe ich dir. Mit mir kann dir ein Neuanfang gelingen. Ich bin bei dir und ich tröste und geleite dich auf den schweren und schiefen Bahnen des Lebens. Auch wenn alle über dich herfallen und du einsam und verzweifelt bist, dann bin ich immer noch bzw. gerade dann bin ich für dich da.

Und das ist nicht die einzige Zusage, die du von mir bekommst, denn ich bin auch im Tod und über den Tod hinaus für dich da. Du musst keinen seelischen Hunger mehr erleiden. Der Prophet schreibt dazu in großer Freude und mit einer wundervollen Verheißung: "Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer." Dieses Glaubenserkenntnis möge uns im Leben begleiten.

drucken