Glauben ist der Wechsel vom Warten zum Erwarten

Liebe Gemeinde,

heute morgen möchten wir allen, die in diesem zurückliegendem Jahr einen schweren Verlust durch den Tod eines geliebten Menschen erlitten haben sagen: Wir denken an Dich! Deine Trauer bewegt uns. Wir beten für Dich und bitten Gott, Dir Kraft zu geben, den Verlust in neuen Lebensmut verwandeln zu können.

Wir erinnern uns an unsere Toten. An so vieles, was wir gemeinsam erlebten. Zum Teil teilten wir Jahrzehnte unseres Lebens miteinander. Freud und Leid prägten die erlebten Jahre und Beziehung. Oft war das Ende der Kräfte erreicht. Manchmal war kein Glauben mehr da, dass es irgendwie weitergeht und Gott uns auf unserem Weg tatkräftig begleitet.

Um diejenigen unter uns, die durch den Tod eines Menschen nun allein leben, ist es besonders still geworden. Manche Nacht ist beängstigend still, als habe sich nicht nur die Welt, sondern auch Gott von uns verabschiedet.

Die Nacht, von der hier im Gleichnis Jesus redet, ist das Schweigen Gottes. So, wie wir es oft spüren. Wir sagen dann, wir seien von Gott und der Welt verlassen. Wir können nicht nach vorn sehen, weil es um uns her dunkel geworden ist. Die Finsternis bedroht die Zuversicht, den Glauben und die Hoffnung. Sie ist eine starke Macht, die uns allen Mut rauben kann. Um ihr gegenüber gewappnet zu sein und Schritte nach vorn gehen zu können, brauchen wir Licht. Das Licht des Glaubens brauchen wir, um aus den finsteren Tiefen unserer Erfahrungen wieder heraus zu kommen. Es muss ein Glaube sein, der über den Grabesrand hinaus schaut. Durch Jesu Auferstehung vom Tod haben wir eine Hoffnung, die stärker ist, als das Schweigen Gottes, als unsere bedrückenden und schlaflosen Nächte.

In das Schweigen unserer Nächte ertönt schon heute der Ruf vom kommenden Gott. Aus dem erfrischenden Schlaf oder unruhigen Halbschlaf aufgeschreckt gilt es nun, dem Bräutigam, Christus, der wiederkommt, entgegen zu gehen. Das wird im Dunkel nicht einfach sein. Dazu brauchen wir das Licht Liebe und Zusagen Gottes, bei uns zu sein über alle Ereignisse und Zeiten hinweg. Nur mit seinem eigenen guten Wort, lässt sich sein Schweigen wirksam durchbrechen.

Sein Wort und unser Vertrauen in Jesus Christus, sind die gut gefüllten Lampen auf dem Weg in der noch immer gefährlichen Dunkelheit der Nacht. Wer nicht vorgesorgt hat, bleibt auf der Strecke. Der kommt zu spät. Noch viel mehr, der ist unbekannt und hat keinen Namen. „Ich kenne euch nicht“, sagt der Bräutigam. Das ist der eigentliche Tod, unbekannt und gleichgültig zu sein.

Unmissverständlich mahnt Jesus, wach und bereit zu sein, wenn uns sein Ruf erreicht. Nicht der Ruf des Todes, wenn unser Leben endet. Es ist der Ruf, ihm zu vertrauen und unser Leben von ihm her auszurichten und zu erwarten. Es ist sein Wort, das wir so viel und oft schon gehört haben. Es ist der Glaube, den er uns schenkt und wir als unwichtig achtlos versiegen lassen. Jesus lädt uns ein, mit ihm Tischgemeinschaft zu haben. Hier in unserer Zeit in der Gemeinschaft des Abendmahls, der Gemeinde und dem Teilhaben an seinem Wort.

Wer meint, Gott könnte das alles doch gar nicht so ernst meinen, der bleibt draußen vor der Tür. Der bleibt vom Fest Gottes ausgeschlossen. Wer nicht darauf wartet, dass Gott kommen wird, der wird ihn auch nicht erwarten und sich ausschließlich nur seinem Leben widmen. Wer über den Tod hinaus von Gott nichts mehr erwartet, bleibt in der Finsternis dieser Welt und des Todes verschlossen zurück. Jesus will das nicht. Darum mahnt er uns zu wachen, bereit zu sein. Er kommt überraschend, unvermutet und ganz plötzlich. Da bleibt keine Zeit mehr, noch sich eben ganz schnell darauf einzustellen.

Es macht keinen Sinn, mit dem Glauben an Gott und Jesus Christus zu warten, bis wir alt sind und erst einmal gelebt haben oder bald sterben. Der Tod kann unverhofft und ganz plötzlich ohne jede Vorwarnung eintreten. Das wissen wir. Jeder Augenblick kann auch ein letzter Augenblick unseres Lebens gewesen sein. Dann geht nichts mehr zu organisieren. Glauben lässt sich nicht nachfüllen und eben noch schnell machen. Vertrauen wächst und erfahren wir als Gottes Geschenk an uns in unserem Alltag.

Gott lädt uns zu seinem Fest des Lebens ein. Es ist ein Fest ohne Ende. Frieden und Gerechtigkeit, Freude und Liebe sind die wesentlichen Kennzeichen seiner neuen Welt. Der Krieg ist ein Fremdwort. Gewalt ist in Zärtlichkeit verwandelt. Tränen trocknet Gott von unseren Augen. Der Tod wird nicht mehr sein. Das vertrauen wir ganz fest gegen alles, was unsere Augen sehen.

Geladen sind die Menschen aus allen Erteilen, aller Herkunft, aller Farben, aller Kulturen und aller Lebensweisen. Es zählt allein ob sie vorgesorgt haben und wach sind, dem Herrn entgegen zu gehen. Er lädt uns ein, auf ewig ihm zu gehören.

Glauben ist der Wechsel vom Warten zum Erwarten. Denn wir wissen weder Tag noch Stunde. Uns bleibt nur die Sehnsucht. Sehnsucht ist aber ein anderes Wort für Glauben.

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