Geht los und erzählt mit Gottes Hilfe

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext ist vielen von ihnen sicher vertraut. Sie kennen sie eher aus Taufgottesdiensten. Er macht deutlich, dass wir nicht aus uns selbst heraus handeln, sondern die Taufe ein Auftrag Jesu ist. Wir handeln im Auftrag Jesu, wenn wir taufen und vom Glauben an Gott erzählen.

Doch ich möchte heute Ihren Blick auf etwas lenken, dass mir bei der Predigtvorbereitung aufgefallen ist: Mich hat fasziniert, dass auch die Jünger, die zweifeln, den Auftrag bekommen, von ihrem Glauben zu erzählen und Menschen für den Glauben an Gott zu gewinnen.
Glaube und Zweifel. Ein Paar, das sich auf den ersten Blick nicht gut verträgt.
Glaube hat etwas mit tiefer und grundlegender Überzeugung zu tun, die mein Leben lang tragen soll.
Zweifel hingegen stören da eigentlich nur. Wer zweifelt, ist unsicher,
wer zweifelt, verunsichert vielleicht auch andere. Wer zweifelt, glaubt nicht.

Die Jünger Jesu, die erlebten die Spannung zwischen Glaube und Zweifel. Schauen wir uns das doch genauer an. Elf Jünger sind nun auf einem Berg in Galiläa. Einer, Judas, hatte Jesus verraten und sich des Leben genommen, als er seinen Tat begriffen hatte. Er ist an seinen Zweifeln verzweifelt. Jesus zu kennen und mit seine Leben zu leben, bewahrt nicht vor Fehlern und großer Angst.

Die restlichen Elf haben Jerusalem verlassen, die Stadt, in der sie erlebt haben, wie Jesus gekreuzigt wurde, aber auch die Stadt, in der sie erfahren haben, dass Jesus auferweckt wurde und lebt. Jesus hatte ihnen gesagt, wo sie hingehen sollen – nach Galiläa. Hier, oben auf dem Berg sehen sie ihn nocheinmal. Und fast schon wie von selbst, fallen sie auf die Knie, und beten Jesus an. Die hören auf Jesus. Sie glauben, sie vertrauen darauf, dass das die Sache mit Jesus Hand und Fuß hat.

Doch: Obwohl sie auch den Triumph Jesu über den Tod erfahren haben, zweifeln sie. Doch Matthäus verschweigt nicht, was in dieser Welt zu uns zu Menschen dazugehört: "Einige aber zweifelten."

Die Unsicherheit, ob das, was ich tue richtig ist: Als Eltern haben sie sich diese Frage oft gestellt.
Die Angst, sich auf etwas zu verlassen, was nicht sicher ist: Kann ich mich auf den Freund oder die Freundin verlassen?
Die Sorge hereingelegt zu werden: Ist das Lächeln, das ich sehe, wirklich freundlich gemeint, oder ist es nur ein geschaftsmäßig-glattes oder gar ein falsches Lächeln? Kurz der Zweifel, der in unseren Herzen sitzt und manchesmal so groß wird, den Zweifel verschweigt Matthäus nicht.

Der Predigttext hält uns deutlich vor Augen, was die eine oder die andere aus dem eigenen Leben kennt: das Gefühl von Sicherheit und die Furcht vor Enttäuschung- manchmal liegt beides gleichzeitig ganz eng beieinander.

Petrus, einer der ersten Jünger, hat das selbst einmal erfahren. Er wollte Jesus nach, seinem Vorbild folgen, in seiner Nähe sein. Jesus ging über das Wasser – Petrus wollte das auch: Und er ging los. Mutige Schritte machte er – und es ging. Er konnte über das Wasser gehen – Schritt vor Schritt setzte er – Jesus fest im Blick. Und dann: Vielleicht ist ihm bewusst geworden: Wasser hat kein Balken. Das was du hier gerade machst, ist noch nie einem anderen Menschen gelungen. Wasser hat keine Balken, ich kann nicht schwimmen. Ich werde untergehen – und so wäre es auch fast gekommen: Plötzlich versank der erst so mutige Petrus in den Wellen. Jesus aber rettete ihn. Doch anstatt Petrus Mut zu zusprechen und zu trösten: "Ist doch nichts passiert. Ist doch alles gut." , macht Jesus dem Petrus Vorwürfe: Du hättest mir doch nur vertrauen brauchen. Glaub mir doch einfach! Es wäre schon gegangen! Du kleingläubiger!

Kleinglauben nennt die Bibel das, wenn Menschen Gott nicht alles zutrauen, wenn wir Menschen Gott nicht alles glauben, wenn wir Menschen daran zweifeln, dass Gott uns gutes getan hat und gutes tun will. Der persönliche Glaube, manchmal ist er nicht stark und unerschütterlich. Dabei wünschen wir uns das. Das Gottvertrauen ist manchmal nicht sehr groß. Dabei ersehnen wir das so sehr.

Vieles kann den Zweifel und die Unsicherheit überhand gewinnen lassen: Bösen Erfahrungen im Leben eines Menschen, lassen das Vertrauen auf Gottes Hilfe klein werden. Angst, Not, Misserfolg, Unfriede und vieles andere mehr können manchmal verhindern, dass wir die Nähe Gottes spüren, die er uns in der Taufe verspricht.

Es wäre dann doch zu erwarten, dass Jesus auch in unserem Predigtext bei den Jüngern Kleinglauben erkennt und sie dafür rügt. Doch davon ist nichts zu sehen. Stattdessen sagt er:
"… gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie … Und lehret sie zu halten alles, was ich euch befohlen habe."

Auch den Jüngern, deren Herzen von Zweifel erfüllt sind, genau denen gibt er den Auftrag, vom Glauben zu erzählen und Menschen für den Glauben an Gott zu begeistern. Jesus gibt Menschen den Auftrag, von ihm weiterzuerzählen, die nicht perfekt im Glauben sind, die ihre Anfargen und Zweifel haben. Auch für uns, deren Herzen manchmal ebenso voller Zweifel sind, gilt: "… gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie … Und lehret sie zu halten alles, was ich euch befohlen habe." Da ist eine Aufforderung sich selbst in Bewegung zusetzen. Die Jünger mussten auch das gewohnte und vertraute hinter sich lassen, als sie mit Jesus gingen. Und auch jetzt sollen sie sich aufmachen zu den Menschen, um ihnen von ihrem Glauben zu erzählen.
Wir alle, die wir zu Jesus gehören, sollen vom Glauben erzählen, von unseren Hoffnungen, von unseren Gewissheiten. Dazu müssen wir uns in Bewegung setzen. Wir sollen den Mantel des Schweigens, der so gerne alles zudeckt, abwerfen und davon erzählen, was uns an unserem Glauben wichtig ist. Alle Getauften – nicht nur mich und meine Kollegen im Talar.
Auch Sie befähigt Gott dazu, davon zu erzählen, was ihnen an Gott wichtig ist. Dann wird der eigene Glaube lebendig, dann wird Kirche lebendig und für andere interessant. So bauen wir am Reich Gottes mit.

"… gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie … Und lehret sie zu halten alles, was ich euch befohlen habe." Das ist manchmal anstrengend. Das erfordert Kraft. Das ist ungewohnt und macht vielleicht auch unsicher und verletzlich. Doch Jesus sagt seinen zugleich glaubenden uns zweifelnden Jüngern: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende."

Diesen Auftrag Jesu führen wir mit Gottes Hilfe und seiner Unterstützung aus. Er will uns Worte in den Mund legen und die Kraft zur Überzeugung geben. Nicht uns, sondern Jesus ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Er wird bei uns sein und bleiben, egal, wie groß unser Zweifel, unsere Angst auch sein mag. Dieser Versprechen hat Gott uns in der Taufe gegeben. Das gilt.

Ein Glaube, der den Zweifel kennt und akzeptiert, bewahrt vor eigener Überheblichkeit und Hochmut. Die eigenen Zweifel zuzulassen, das gehört für mich dazu, mich selbst zu achten, zu lieben, wie Jesus es genannt hat. Ich darf mich so nehmen wie ich bin, weil Gott mich so nimmt, wie ich bin und mir einen Platz in der Welt zu weist. Jesus Christus verspricht: "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an Welt Ende!"

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