Gehen, sehen und zweifeln- Gott geht mit

Liebe Gemeinde,

es war in Papua Neu Guinea- meine Familie und ich waren in Nomane eingezogen. Nomane- das ist eine Missionsstation, gebaut in den 60er Jahren. Erst seit 40 Jahren gibt es dort den christlichen Glauben und Nomane ist weit weg von aller sog. Zivilisation, am besten mit einem kleinen Flugzeug zu erreichen oder mit dem Auto über fürchterliche Straßen in 4 bis 6 Stunden von der 90 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Kundiawa. Es geht ruhig zu in Nomane, es geht ursprünglich zu dort.
Eines Tages nun siedelte sich eine Familie aus den Vereinigten Staaten an, eine Baptistenfamilie und es entstand Unruhe in dem von der lutherischen Kirche geprägten Gebiet. Die Baptistenfamilie sagte: „Wer glaubt und sich dann taufen lässt, der ist gerettet. Eure Kindertaufe nützt nichts. Ihr müsst euch noch einmal taufen lassen. Bei eurer Taufe ist nichts passiert als dass Wasser über euch geschüttet wurde- das alles hatte keine Wirkung, außer dass ihr nass geworden seid.“
Die Menschen waren durcheinander- was stimmt nun, das was uns unsere lutherischen Missionare erzählt haben oder das, was uns die Baptisten erklären wollen? Häufig ist es doch so- Gefahr, Bedrohung von außen wird mit Gewalt beantwortet, wenigstens aber mit Misstrauen und so war es hier auch. Die Lutheraner haben bei jeder Gelegenheit die Baptisten spüren lassen, dass sie wichtiger sind, dass sie mehr sind und dass sie stärker sind.

Liebe Mitchristen, wir sind mittendrin in unserem Predigttext.

Ich sagte es bereits bei der Begrüßung- wir haben heute wieder einen ganz besonderen und sehr bekannten Bibeltext zu bedenken. Der Missionsauftrag und Taufauftrag an uns Christen ist es- ich lese aus dem Matthäusevangelium im 28. Kapitel.

[TEXT]

Nun- von Taufe und Mission ist zunächst einmal ja gar nicht die Rede.
Lassen sie mich deshalb in drei Schritten auf diesen Text eingehen.

1.Gehen, sehen und zweifeln
Die Jünger Jesu gehen auf den Berg nach Galiläa wohin Jesus sie beschieden hatte. Immer wieder ist Jesus mit seinen Jüngern durch Galiläa gegangen und hat dort viele Anhänger gefunden. Im Bericht von der Auferstehung wird erzählt, dass er dort seinen Jüngern auch erscheinen will.
Ausgerechnet in Galiläa. Es hätte doch viel mehr Eindruck gemacht dies in Judäa und in Jerusalem zu tun, nicht gerade in Galiläa. Das ist ja fast so als würde der Landesbischof seinen Sitz von München nach Röslau verlegen.
Aber ich denke das hat schon seinen Grund warum dies so ist. Nun- die Jünger machen sich auf den Weg, sie erinnern sich daran, dass Jesus in Galiläa erscheinen will und sie gehen dorthin. Sicher auch mit manchem Zweifel im Gepäck, ob denn Jesus dort überhaupt erscheint. Als er ihnen gegenübersteht, fallen sie dann doch alle nieder. Sie sind von dieser Erscheinung überwältigt und dennoch es heißt: „einige aber zweifelten“. Irgendwie unfassbar ist das Ganze: Da erscheint Jesus und sie zweifeln ob er es wohl überhaupt ist. Da erleben sie Wunder und Heilungen mit Jesus und sie zweifeln ob er es ist. Da kann ein Thomas erst glauben als er leibhaftig spürt, dass es die Wunden des Gekreuzigten sind die er sieht.
Wir Menschen sind Zweifler. Wir zweifeln an Vielem. Wird uns ein neues Projekt gelingen? Wie wird es weitergehen mit unserem Ort, mit unserem Land bei all den Verschuldungen und finanziellen Problemen zur Zeit? Wie werden wir den Alltag bewältigen können mit unseren Lebenskrisen- wir sind Zweifler und Skeptiker aber wir dürfen und sollen nicht verzweifeln. Es ist doch manchmal so: Wir gehen los, sehen einen Berg vor uns und wir beginnen zu zweifeln. Können wir das schaffen, lohnt sich der Aufwand? Und wenn wir den Weg über den Berg schaffen ist es dann drüben wirklich schöner? Bleiben wir doch lieber gleich da, wo wir sind. Die Gefahr der Verzweiflung und der Depression besteht- so soll es unter uns Christen nicht sein! Jesus tut etwas anderes.

2.Geht hin und tauft
Aller Zweifel der da war wird von Jesus ernst genommen. Sehr ernst sogar. Aber er möchte nicht, dass seine Jünger bei diesen Zweifeln stehen bleiben und deshalb gibt er ihnen einen Auftrag: „Geht hin und tauft alle Völker“.
Das ist auch der Grund warum sie in Galiläa waren und sich jetzt in Galiläa versammeln. Der Auftrag zu taufen und Menschen das Evangelium zu erzählen beschränkt sich nicht auf Jerusalem und auf Judäa- nein der Schritt ist schon getan aus dem Kernland heraus nach Galiläa und weiter hinaus nach Syrien und Kleinasien und Griechenland bis hin nach Afrika und Spanien und später weiter in die ganze Welt. Die Versammlung der Jünger in Galiläa gibt den Startschuss für die sog. Heidenmission. Geht heraus aus eurer Skepsis, wagt einen großen Schritt nach vorne- das ist die Botschaft dieses Ortes Galiläa. Jesus geht mit Zweifeln anders um als wir. Er möchte, dass wir uns besinnen. Er macht Mut: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“. Fast missmutig klingt das: „ja liebe Jünger was stellt ihr euch denn so an, ich bin doch der Herr; habt ihr noch nicht gemerkt, dass ich auf eurer Seite bin? Ich habe die Gewalt im Himmel und auf Erden. Und jetzt macht euch bitte auf den Weg und tragt die Botschaft der Rettung weiter und tauft.
Was haben wir aus diesem Auftrag gemacht im Laufe der Geschichte des Christentums? Immer wieder sind Menschen gegangen um das Evangelium in fremde Länder zu tragen oder im eigenen Land zu verbreiten.
Gestritten haben wir uns darüber wie das gemeint ist mit der Taufe. Ich erzählte eingangs das Beispiel von der Baptistenfamilie. Sollen Erwachsene getauft werden, die dann auch ein bewusstes „Ja“ zur Taufe sagen oder ist es besser wie wir es tun und die katholische Kirche in der Kinder getauft werden. „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“, sagt dazu Jesus. Ich denke beides geht. Wir taufen auch Erwachsene- Aussiedler z.B. in den letzten Jahren häufig, die einen Taufunterricht durchlaufen haben und sich bewusst taufen lassen wollen. Ja- die Lehre ist dabei wichtig. Wie kann ich als Christ leben? Und was muss ich vom Christsein wissen? Diese Fragen sind zu klären. Aber das geht auch noch nach der Taufe. Das geht mit dem persönlichen Bekenntnis dem Täufling gegenüber, mit Kindergottesdienst, Religionsunterricht und Konfirmandenunterricht. Das ist auch die Aufgabe der Paten und der Eltern, die das ja bei einer Taufe versprechen. Es geht auch hinterher- Taufe und Glaube müssen aber im Leben zusammenkommen. Nur eines von beiden ist zu wenig – da bin ich mir auch sicher. Jedenfalls finde ich es schon fast tragisch, dass Christen sich das Christsein gegenseitig absprechen, weil sie ein unterschiedliches Taufverständnis haben. In Neuguinea ist mir das so begegnet. Bei uns in Deutschland leider auch. Dabei wäre es so einfach: Den anderen taufen und von Christus erzählen, dafür zu sorgen, dass christliches Leben ermöglicht wird und dass wird bei jedem Menschen etwas anders aussehen, bei Erwachsenen ganz anders als bei Kindern. Halten wir uns doch daran, was Jesus aufgetragen hat und was die Jünger getan haben:
Sie taufen und sie erzählen von ihren Erlebnissen mit Christus und es ist gut so.

3.Das Mitgehen Christi
Christus will es seinen Jüngern noch eindrücklicher machen. „Ich bin bei euch bis an der Welt Ende“, sagt er zu ihnen. Ich bin bei euch- Wenn ihr unterwegs seid und in meinem Namen den Glauben verkündet- ich bin dabei. Ich bin räumlich dabei- egal wo ihr hingeht und ich bin zeitlich dabei. Ich mache keine Brotzeitpause – ich bin immer dabei. Heute und in 1000 Jahren noch genauso. Also- habt keine Furcht, ich geh schon mit. Es ist keine einfache Vertröstung, die hier stattfindet. Es ist kein Versprechen, das nicht gehalten wird- nein Jesus hält das, was er zusagt. Und das hat viele Millionen von Christen schon gestützt und ihnen Lebensmut gemacht. Dieses Mitgehen Christi ist auch etwas, was wir Gott vorhalten dürfen. Er hat zugesagt, dass er dabei ist. Wenn wir denken wir sind alleine gelassen, dürfen wir ihm das sagen, ihm sogar vorwerfen, dass wir ihn nicht spüren- so viel hält er aus. Wir dürfen ihn bitten sich uns wieder neu zu zeigen, denn diese Zeiten des Zweifels hatten ja nicht die Jünger alleine, diese Zeiten haben wir oft genug.

Liebe Gemeinde, gehen, sehen und zweifeln!
Wir durchleben diese Schritte immer wieder. Es ist die Frage wie wir damit umgehen. Weil Gott uns kennt ist er unser großer Seelsorger und deshalb weiß er was wir brauchen. Es gibt Bibelworte, die zu Trostworten werden.
„Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid- ich will euch erquicken“, ist so ein Wort. Oder eben: „ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“.
Wenn wir in Gottes Mission unterwegs sind, dann kommen uns Zweifel und dann tut es uns gut uns an solchen Bibelworten zu vergewissern, dass Gott mit uns geht. Die Zweifel sollen uns nicht auffressen. Die Zuversicht soll uns leiten. So will es Gott bei Matthäus am Ende des Evangeliums. Ein schönes Ende, denn dieses Ende macht Hoffnung, Hoffnung darauf, dass Gott uns begleitet.

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