Geduld!

Liebe Gemeinde,

sieben Sendschreiben stehen in Kapitel 2 und 3 der Offenbarung. Es sind Briefe an sieben unterschiedliche Gemeinden. Gemeinden so verschieden wie unsere Gemeinden heute. Da gibt es Gemeinden, die lobt Jesus und bei anderen überwiegt der Tadel. Damit wir das heutige Sendschreiben besser einordnen können, will ich eine Begebenheit dazu erzählen:

Theologiestudenten vor dem letzten Studienjahr hatten mit ihrem Professor fünf Tage der Stille. An jedem Tag legte er ein Sendschreiben aus der Offenbarung aus. Nach dem Abschluss der Einkehrzeit schenkten ihm seine Studenten als Zeichen ihres Dankes fünf Stöcke seiner Lieblingsrose "Gloria Die" – jeder Rosenstock als Zeichen für eine Gemeinde. Beim Auspacken bekam jeder Rosenstock seinen Namen zugewiesen: Ephesus, Pergamon usw. Eine Pflanze ließ die Blätter hängen. Da sagte der Professor spontan: "Das ist Laodizea, eine Rose die weder heiß noch kalt ist, weder lebendig noch tot". Nach einem dreiviertel Jahr schrieb er den Studenten: "Soeben habe ich die erste Rose Gloria Dei gepflückt. Sie steht, wunderbar entfaltet, auf dem Schreibtisch vor mir und erinnert mich an den Kurs … Alle fünf Sträucher sind angegangen; Laodizea allerdings kümmerlich und ohne Knospen: weder heiß noch kalt. Aber Geduld."

Die sieben Sendschreiben in der Offenbarung sind gekennzeichnet von einer unbeschreiblichen Geduld Jesu: Jesus ringt um jede einzelne Gemeinde. Und so ist es bis heute, Jesus ringt um jede einzelne Gemeinde in unserer Landeskirche. Er bricht über keiner den Stab, auch nicht über unserer. Aber er ermahnt uns mit den Worten der sieben Sendschreiben. Hören wir heute, was uns dieses Sendschreiben an Laodizea zu sagen hat: Jeder der einzelnen Gemeinden stellt sich Jesus vor. Der Brief an Laodizea beginnt mit den Worten: "Dies sagt dir der eine, der die Erfüllung aller Zusagen Gottes ist." In Jesus hat Gott alle seine Versprechen erfüllt. Deshalb kann Jesus sofort zur Sache kommen: 3:15 Ich kenne dich genau und weiß alles, was du tust. Du bist weder kalt noch heiß. Ach, wärst du doch das eine oder das andere!

Was ist mit Christen die nur halbe Sache machen, die Jesus ihr Leben nicht völlig ausliefern. Und da wird Jesus deutlich. Ich kann es nicht anders als Jesus sagen: Diese Christen kotzen Jesus an. Schärfer als mit diesem harten Ausdruck kann er es gar nicht sagen: 3:16 Aber du bist lau. Das ekelt mich an, und ich werde dich ausspucken.

Darum gibt Jesus uns lauwarmen Christen drei Ratschläge: 3:17 Du hältst viel von dir und sagst: ‚Ich bin reich und habe alles, was ich brauche!‘ Was bist du nur für ein Narr! Du merkst gar nicht, wie es wirklich um dich steht und wie jämmerlich du dran bist: arm, blind und nackt bist du.

3:18a Wäre es da nicht an der Zeit, du würdest dich endlich um den wahren Reichtum bemühen, um das reine Gold, das im Feuer geläutert wurde? Nur dieses Gold macht dich reich, und nur von mir kannst du es bekommen. Laodizea war eine Stadt der Banker. Vom römischen Staatsmann Cicero ist bekannt, dass er auf einer Reise in Laodizea seine Kreditbriefe in Bargeld umgetauscht hat. Als Laodizea im Jahre 60 n. Chr. von einem Erdbeben heimgesucht wurde, bot Rom den Bürgern von Laodizea einen großzügigen Kredit an. In der Antwort an Rom steht der Satz: "Wir brauchen nichts, wir sind reich." Auch die christliche Gemeinde hat von diesem Reichtum profitiert. Laodizea war damals die reichste Christengemeinde in Kleinasien,. Dennoch sagt Jesus: "Du merkst gar nicht, wie es wirklich um dich steht!" Ihr habt in euer Sattheit und Selbstzufriedenheit den Blick für euch selbst verloren. "Es ist wie mit dem Traum eines Wahnsinnigen, der eine Papiermütze für eine Krone, Kieselsteine für einen Schatz und sein Gefängnis für einen Palast hält." (Th.Carlye) Ihr seid nicht reich. Ihr wisst gar nicht, dass ihr elend und arm seid. Was ist übrig gelieben von Laodizea. Im Sommer war ich dort, es ist ein Ruinenhügel, nur noch die herumliegenden Marmorscherben erinnern an den einstigen Reichtum. (Marmorscherbe zeigen)

Unsere Gemeinde hier und heute ist reich, reicher als viele andere Gemeinden Für die Dinge, die wir brauchen, haben wir Geld. Das Angebot der Gottesdienste und Gemeindekreise ist groß. In diese Situation hinein ruft Jesus: "bemühe dich um den wahren Reichtum, um das reine Gold, das im Feuer geläutert wurde" Gold, im Feuer geläutert, ist das wahre reine Gold. Wahres Gold – wahrer Reichtum – ist nur über Läuterung zu finden. Es sind nicht die einfachen Stunden, die dich zu Jesus führen. Es ist die Läuterung des Lebens, die schweren Stunden der Trauer, das Leid, die Zweifel, die seelische Not, die dir Jesus groß machen. Der zweite Ratschlag ist: 3:17 Du hältst viel von dir und sagst: ‚Ich bin reich und habe alles, was ich brauche!‘ Was bist du nur für ein Narr! Du merkst gar nicht, wie es wirklich um dich steht und wie jämmerlich du dran bist: arm, blind und nackt bist du. 3:18 Lass dir auch die weißen Kleider von mir geben, damit du nicht länger nackt und bloß dastehst.

Laodizea lag am Schnittpunkt zweier Handelstraßen und war bekannt durch seine Textilindustrie. Begehrt waren vor allem die schwarzen Wollteppiche von Laodizea. Das Zeichen des wohlhabenden Bürgers war seine prunkvolle Kleidung. Die prächtige Bekleidung galt als größte Ehre und Auszeichnung. Nach dieser Grundsatz lebten auch die Christen dort. Jesus entlarvt die stolzen, gut gekleideten Laodizener, indem er sagt: "arm, blind und nackt bist du." Nacktheit galt in der Antike als schlimmste Demütigung und Schande. Nicht umsonst wurden die zum Tode Verurteilten nackt ans Kreuz geschlagen. Jesus schreibt an die Christen von Laodizea: "Du merkst gar nicht, wie es wirklich um dich steht und wie jämmerlich du dran bist: arm, blind und nackt bist du " Ihr schätzt euch selbst, völlig falsch ein. Ihr habt in euer Sattheit und Selbstzufriedenheit den Blick für euch selbst verloren. Hier stellt sich erneut die Frage, ob nicht eine solche falsche Selbsteinschätzung auch unsere Gemeinde bestimmt. Viele von uns leben ein Leben, dass in sich selbst gerundet ist. Wer es noch nicht erreicht hat, strebt es an. Nach langer Einübung, ecken wir nicht mehr an. wir haben unsere Rolle gefunden. Wir sind pflegeleichte Gemeindeglieder und hören die Stimme Jesu, die uns aus unserer Schuld ruft, überhaupt nicht mehr. In diese Situation hinein ruft Jesus: "Lass dir auch die weißen Kleider von mir geben".

Weiße Kleider, das ist das Bild für das neue Kleid, das sich der Mensch nicht selber weben oder schmieden kann. Es ist das Kleid der Vergebung, von dem es anderer Stelle der Offenbarung heißt. Gewaschen im Blut Jesu (5,6). Die prunkvollen von Menschen hergestellten Kleider können die Schuld des Menschen nicht bedecken. Wer einmal, ohne das seine Schuld vergeben ist, vor Jesu Thron erscheint, steht völlig nackt da und diese Nacktheit ist dann kein Zeichen von Paradies, sondern schlimmste Demütigung und Schande. "Lass dir auch die weißen Kleider von mir geben " ist die zweite intensive Einladung Jesus. Bekenne deine Schuld, nimm die Vergebung an, und lebe als einer, dem vergeben ist. Der dritte Ratschlag ist: 3:17 Du hältst viel von dir und sagst: ‚Ich bin reich und habe alles, was ich brauche!‘ Was bist du nur für ein Narr! Du merkst gar nicht, wie es wirklich um dich steht und wie jämmerlich du dran bist: arm, blind und nackt bist du. 3:18 Kaufe dir Augensalbe, die deine blinden Augen heilt.

In Laodizea gab es eine berühmte Ärzteschule mit einer Spezialabteilung für Augenheilkunde. Das Augenpulver wurde in das ganze römische Reich exportiert und fand reißenden Absatz. Auch die Gemeinde von Laodizea profitierte vom damaligen Weltruhm der dort hergestellten Medikamente und der berühmten medizinischen Hochschule. Die Gestalt dieses Lebens und Glaubens gibt es auch bei uns. Vielen fehlt scheinbar nichts. Nicht wenige glauben, sie finden ihren Weg schon alleine. Wir sind imstande, unsere Bedürftigkeit selbst zu stillen und unsere vielen Vorläufigkeiten zu überdecken. Wir finden unseren eigenen Weg in der Moral und unserer Auslegung der Zehn Gebote. Ein solches privates Christentum sucht sich auch in unserer Gemeinde immer neue Formen.

In diese Situation hinein ruft Jesus: "Kaufe dir Augensalbe, die deine blinden Augen heilt." Die Aufforderung: "Kaufe dir" heißt: Jesus allein kann die Heilung des Blindseins erwirken. Der, dem Jesus die Augen öffnet, sieht mit den Augen Jesu. Der dem Jesus die Augen öffnet, sieht auch seine eigene Sünde und Schuld. Die dritte intensive Einladung Jesu lautet: " Kaufe dir Augensalbe, die deine blinden Augen heilt." Geh sehenden Auges durch die Welt. Sieh dich und den anderen mit den Augen Jesu. Wenn Jesus uns einlädt, dann bedeutet das soviel, wie: Jesus drängt sich keinem Menschen und zwingt sich niemanden auf. Jesus lässt jedem einzelnen seine Freiheit. Mit diesen drei Ratschlägen wendet sich Jesus speziell an die Christen der Gemeinde. Sein Rat zeigt Jesus als den Herrn der Geduld. Es sind die drei Bitten eines Geduldigen. Jesus wartet. Er wartet oft Jahre und Jahrzehnte darauf, dass Menschen seine Einladung annehmen. Es zählt nicht der Höhenflug und der Erfolg des Augenblicks, sondern die Treue, das Durchhalten und das Annehmen der drei Ratschläge Jesu. Den lauen, profillosen Christen von Laodizea begegnet Jesus mit Geduld. Auch über unsere Gemeinde ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Jesus hat Geduld, damit wir seine drei Ratschläge beherzigen können.

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