Gebrauchsanweisung

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigtext für den 4. Advent steht im 4. Kap. Des Philipperbriefes – es sind die Verse 4-7.

[TEXT]

So weit die Worte des Briefes …

Was wir gerade gehört haben ist die Übersetzung aus dem Griechischen von Dr. Martin Luther. Er verwendet eine sehr schöne Sprache der wir sicherlich sehr viel verdanken. Aber jetzt mal ehrlich- wer unter den jüngeren unter uns- unsere Konfirmanden zum Beispiel, könnte sofort diese Sätze deuten: Freuet euch in dem Herrn allewege! Lasst eure Bitten und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und so geht der Text weiter.

Und wenn man einige der Wörter oder sogar Sätze nicht ganz nachvollziehen kann, dann läuft ein solcher Text schnell Gefahr zu einer bloßen Kirchenformel zu verkümmern – und das wäre wirklich schade. Gerade bei diesem Text, der – meiner Meinung nach – nicht umsonst gerade am 4. Advent, so kurze Zeit vor Weihnachten, als Predigttext vorkommt.

Liebe Gemeinde, anders als Sie es von mir gewohnt sind, werde ich Ihnen gleich am Anfang die Schlussfolgerung dieser Predigt mitteilen: Dieser Text ist nicht weniger als eine sehr konkrete und präzise Gebrauchsanweisung, die man unter folgendem Titel lesen könnte: ‚Wie soll ich mich zu Weihnachten verhalten‘

Ich werde Ihnen jetzt den Text im heutigen Deutsch vorlesen und anschlie
end erklären:

Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch Tag für Tag, dass ihr zu Christus gehört! Freut euch!
Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft Gott um alles bitten. Sagt ihm, was euch fehlt und dankt ihm! Und die Liebe Gottes zu Euch, die all unsere Erwartungen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren.

Weihnachten feiern, bedeutet sich zu Christus bekennen. Das ist der einzige wahre Sinn von Weihnachten. Denn Feste feiern, gut essen und schenken und sich beschenken lassen kann an jedem anderen X-beliebigen Tag geschehen: an Geburtstagen, Feiertagen, Einweihungen, Jahrestagen aller Art und vieles mehr. Am Geburtstag Christi, zu Weihnachten also sich zu Christus bekennen heißt Christus gehören- und deswegen geht unser Text viel weiter in seiner Aussage: Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch Tag für Tag, dass ihr Christus gehört! Freut euch!
‚Tag für Tag‘ bezeichnet das ganze Leben- und diese lebenslange Beziehung feiern wir Weihnachten, jedes Jahr wieder.

Es gibt allerhand Beziehungen die sehr lange andauern: Verträge, Geschäftsbeziehungen, Freundschaften, die ihre Höhen und Tiefen haben.

Warum soll man sich gerade über die Beziehung zu Christus unbedingt so überschwänglich freuen?

Die Antwort setzt voraus, dass man diese Beziehung ernst nimmt und tatsächlich zu Christus gehört. Und wenn das so ist, dann bedeutet diese Zugehörigkeit wirklich leben! Mit Christus leben heißt angstfrei leben. Es bedeutet enorm viel an Lebensqualität, keine Angst vor dem Tod zu haben, sich nie alleine und verlassen zu fühlen, sich angenommen und geliebt zu wissen. Und das alles gibt uns der Glaube an Christus.

Von diesem Punkt an, kann man die Aussagen des Textes logisch nachvollziehen: Wer angstfrei lebt, der ist gut und freundlich seinen Mitmenschen gegenüber. Güte und Freundlichkeit sind Folgen des Glaubens, der Hoffnung und des Vertrauens, die wir in und auf Christus setzen.

Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft Gott um alles bitten.

Das Gefühl der Zugehörigkeit zu Gott war für Paulus, den Autor des Philipperbriefes genau so wichtig wie für jeden Gläubigen heutzutage. Der Unterschied liegt nur in der Gewichtung der Erwartung in der Aussage: Der Herr kommt bald! Paulus war Apokalyptiker- das bedeutet, dass er das Ende der Welt noch zu seinen Lebzeiten erwartete. Darin hat er sich offenbar getäuscht. Deswegen sagt er: Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft Gott um alles bitten.

Für Paulus ist ein starker Glaube die Voraussetzung für das ewige Leben- und das Ende aller Dinge erwartete er in Kürze. Für ernsthaft Gläubige- und das gilt auch für uns- kommen kaum solche Bitten in Frage wie: Lottogewinn, Porsche vor der Haustür oder ein Plasmafehrnseher der letzten Generation. Eher die Bitte um innere Ruhe, um Gelassenheit, um die Stärkung des Glaubens …

Durch die Erfüllung dieser Bitten schließt sich der Kreis: Keine Angst vor dem Tod – keine Angst vor dem Leben! Diese Haltung stärkt unsere Gemeinschaft mit Gott und dann fällt es uns leicht, mit ihm zu reden, ihm zu sagen was uns fehlt, uns bei Gott zu bedanken!

Am Ende unserer Textstelle stehen ein paar Worte, die wir Sonntag für Sonntag am Schluss einer Predigt hören: Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft … Unser Verstehen kann es nicht fassen, wie Gott sich um uns kümmert, wie er unsere Gebete erhört, wie er darauf reagiert. Wir vergleichen alles mit unseren Verhaltensweisen, mit Gegebenheiten und Fakten aus dieser Welt, wir wollen oft direkt erkennen, dass sich etwas ändert, wir wollen die Dinge beeinflussen und begreifen können. Der Friede Gottes aber, was nichts anderes als seine Liebe, seine Beziehung zu uns ist, funktioniert anders. Paulus hat es sehr früh verstanden und deswegen sagt er auch, dass dieser Friede unsere Vernunft, aber auch unsere Erwartungen übersteigt. Für uns gibt es also nur eine Möglichkeit, Gottes Friede zu verstehen: Indem wir es zulassen, dass er unsere Herzen anspricht. Der Verstand stellt fragen, das Herz bedeutet Liebe, Hoffnung, Glaube!

Und genau das liebe Gemeinde, genau das bedeutet Weihnachten!

Hören wir also getröstet auch diesen Sonntag die Schlussworte der Predigt und bereiten uns mit dem Herzen vor auf die Geburt Christi!

Und die Liebe Gottes zu Euch, die all unsere Erwartungen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren.

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