Fundamente

<i>[Hinführung/Darstellung: Zwei hohe Kinderspielzeug-Türme, von Kind aufbauen lassen, einer auf Pappe, einer auf dem Altar, mit dem Holzhammer das "Fundament" anhauen, der Turm auf Pappe fällt um, der andere nicht; vorlesen lassen, Rückseiten der Pappe/Zettel unter Pappe: mein Besitz – unter Altar: Jesus und Predigtext; Predigttext von Gottesdienstbesucher vorlesen lassen.]</i>

Kuckt euch mal die Türmchen hier vorne an. Etwas stürzt ein, nicht etwas: alles, was hier so mühselig aufeinander geschichtet wurde: zoff, weg.

Hier mit den Klötzchen ist das ja ganz lustig, aber in vielen Städten fürchterliche Realität: die Wassermassen kommen, und zack, ist alles weg, einfach weg, nichts mehr da von dem mühevoll arrangierten Garten, den Möbeln, dem Fernseher, dem Auto usw. Einfach weg. Wir haben das alle gesehen im Fernsehen und gelesen in den Zeitungen. Wir haben die Menschen gesehen und gehört.

Und wisst ihr, was mir dabei geradezu ins Auge gesprungen ist? Die völlig verschiedene Art, wie Menschen mit so einem Verlust umgehen.

Die einen sagen: "Wir haben alles verloren, wir stehen vor dem Nichts." Das sind wahrlich heftige Worte: verloren, das Nichts. Das verbinde ich in der Regel mit der Hölle. Da ist man verloren, da regiert das Nichts. Aber bedeutet der Verlust des Hauses die Hölle, ist das Grund genug, das Leben für sinnlos zu erklären? Ich fürchte die, die so reden, die man teilweise mit Polizeigewalt aus ihren Wohnzimmern abführen muss, haben ein schlechtes und wackeliges Lebensfundament. Das trägt nicht wirklich. Es trägt nicht, in materialistischer Weise am Besitz zu kleben, der zum ein und alles wird. Ist das zu hart gesagt, von sicherer Warte im Trockenen aus? Wartet mal ab. Aber bei machen Interviews grauste mir wahrlich.

Aber es gibt auch die anderen. Deren Häuser, Autos, Gärten etc. sind auch weggeschwemmt in einem Augenblick. Sie sagen: "Gott hat uns alles genommen, wir müssen neu anfangen. Das ist nicht leicht, aber wir sind dankbar, dass wir noch leben. Und mitnehmen können wir zuletzt ja doch nichts." Der Besitz ist nicht ihr Lebensfundament. Sie freuen sich an ihm, aber tragen tut sie etwas anderes. Sie haben eine lebendige Beziehung zu Gott. Sie wissen, dass all das Zeugs hier, der Reichtum und der Wohlstand vergänglich sind. Sie wussten auch schon vorher, dass im Leben mit einem Mal plötzlich alles ganz anders sein kann, das Erschütterungen kommen werden, starke und schlimme. Aber sie können wirklich beten und nicht nur so als Spruch: "Da hilft nur noch Beten…" Sie haben selbst mitten im Chaos innerlich Frieden.

Könnt ihr euch das vorstellen, dass Menschen mitten in tiefsten Erschütterungen Frieden mit Gott haben, dass sie nicht das Gefühl haben, ins Nichts zu fallen?

Ich sagte eben; wir hier haben gut reden, von sicherer Warte aus. Aber haben wir das wirklich. Gibt es nicht auch bei uns genug Situationen, die uns abgrundtief erschüttern? Die Konfrontation mit Krankheit und Tod bringt viele Menschen genauso ins Schwimmen wie das Hochwasser und auch hier haben viele das Gefühl, keinen Grund mehr unter den Füßen zu haben und zu versinken.

Aber hört mal dies. Vor zwei Wochen besuchte ich einen Mann in Flensburg im Krankenhaus, 55 Jahre alt, unheilbar krank, die Leber zersetzt sich. Die Ärzte sagten ihm offen: Du hast nicht mehr lange zu leben, Operation fast unmöglich, Chancen 90:10, dass du es nicht überlebst. Ich fragte ihn: Wie können Sie damit leben, was beschäftigt Sie? Und ihn interessierte das alles gar nicht: "Ich weiß ja, wohin ich gehe, ich habe ein Zuhause bei Jesus. Ihm habe ich mein Leben gegeben, schon vor langer Zeit." Die Ärzte hatten ihm gesagt, er solle jetzt noch seine wichtigen Sachen regeln und er sagte ihnen: "Die wichtigen Sachen sind alle geregelt." Aber wisst ihr, was ihm Sorge machte? Sein Bettnachbar, der die vorherige Nacht so unruhig schlief und im Schlaf röchelte und immer "Mein Gott, mein Gott" stöhnte: der hatte noch nichts von Jesus gehört und welchen Frieden er geben kann – und das wollte er ihm unbedingt noch erzählen.

Versteht ihr das: da bricht etwas sehr wesentliches weg: der eigene Körper, das hier sichtbar geführte Leben – und für ihn war DAS nicht das Problem. Er machte sich Sorgen um seinen Nachbarn, vielleicht auch um dessen Gesundheit, aber vor allem darum, dass dieser etwas von der frohesten Botschaft hören, die Gott je den Menschen gesagt hat. Dass dieser vielleicht am Rande der Ewigkeit Frieden mit Gott findet und sein Leben getrost in die Hand seines himmlischen Vaters geben kann.

DARAUF kommt es an, auf nichts anderes. Denn ALLES, was wir hier sehen, wird vergehen und wieder Staub oder meinetwegen Schlamm werden. Im Glauben aber an den Sohn Gottes, der uns Macht gegeben hat, Gottes Kinder zu werden, wie es in der Bibel heißt, brauchen wir uns davor nicht zu fürchten. Wenn alles hier zuende ist, sind wir nicht verloren und stehen vor dem Nichts. Im lebendigen Glauben trifft das Gegenteil zu: Wenn alles hier vergangen ist, werden wir gerettet und stehen vor dem lebendigen Gott. Und von ihm und seiner Liebe kann uns dann keine Macht der Welt mehr trennen. Ich wünsche und bete, dass alle, die jetzt vor den Trümmern ihres Besitzes stehen, die Kraft haben, wieder neu anzufangen, aufzuräumen und aufzubauen. Darin liegt trotz allem Schrecklichen immer die Chance von Katastrophen: Die Dinge neu zu sortieren und neu zu beginnen, vielleicht auch innerlich umzukehren. Vielleicht einen Neuanfang mit Gott aus einem gottlosen Leben heraus zu machen.

Lasst uns auch dafür in dieser Woche beten für die Opfer der Flutkatastrophe, dass die lebendige Beziehung zu unserem Herrn und Heiland Jesus Christus zum wichtigsten Fundament ihres Lebens wird.

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