Freut euch im Herrn allewege

Freut euch, sagt Paulus, ja freut euch so richtig! Meine Güte, freuen … es gibt doch noch so viele Sachen zu erledigen. Es ist schon vierter Advent. In drei Tagen ist Heilig Abend. Weihnachten, das Freudenfest. So hört man es jedenfalls überall. Freue ich mich auf dieses Fest, freuen sie sich? Ich wünsche es jedem. Echte Weihnachtsfreude ist etwas wunderbares. Aber ich weiß, dass es bei vielen nicht so ist, dass Stress und Hektik regiert – oder die Einsamkeit keine große Freude aufkommen lässt. Und wer sich nicht freut, der gehört irgendwie nicht dazu – an Weihnachten noch weniger als sonst.

<i>[Lied: Meine Hoffnung und meine Freude EG 697 (Regionalteil)]</i>

Eure Güte lasst kund sein allen Menschen, sagt Paulus. Wir sollen uns also nicht nur freuen, sondern auch noch zu anderen Menschen gut sein. Gerade an Weihnachten kommen ja auch dauernd Briefe, Spendenaufrufe, Familiensinn wird beschworen, man hat sich lieb zu haben – und doch finden in den Weihnachtstagen oft erbitterte Familienfehden statt, weil man sich nicht ausweichen kann. Und außerdem – wer ist denn zu uns gut? Sollen wir nun „Güte“ üben, aber selbst nichts zurückbekommen? Weihnachten als Zeit der Liebe und Güte – das ist leicht gesagt, aber schwer getan.

<i>]Lied: Meine Hoffnung und meine Freude]</i>

Sorgt euch um nichts, sagt Paulus. Tausend Dinge beschäftigen uns, wir überlegen uns dauernd, wie wir unser Leben organisiert kriegen. Oft läuft es anders als wir es uns vorstellen. Ist das schlechter? Oder nur anders? Kein Zweifel, vieles in unserem Leben ist schlechter als es sein könnte. Vieles ist aber einfach nur anders, und eigentlich aber genau so gut und richtig. Wer sagt denn z.B., dass Weihnachten immer in einer ganz bestimmten Art gefeiert werden muss, und dass wir uns darum kümmern müssen, dass jedes Detail stimmt? Manches mal gerät das Leben aber so aus den Fugen, da ist es nicht getan damit, einfach ein paar Details zu ignorieren. Da müssen wir wirklich unser ganzes Leben neu organisieren, weil nichts mehr so läuft wie vorher. Und da sich keine Sorgen machen?

<i>[Lied: Meine Hoffnung und meine Freude]</i>

Bringt eure Bitten und euren Dank vor Gott, sagt Paulus. Wenn euch etwas quält, wenn ihr euer Leben neu organisieren müsst: Bleibt nicht allein damit. Sagt es. Tut nicht so, als ob alles in Ordnung wäre. Sondern: Seid ehrlich. Gebt zu, wie euch zumute ist. Und wer Wut hat oder gestresst ist, soll es Gott sagen, laut oder leise. Wir können mit Gott streiten. Wir können „Warum“ fragen, auch wenn es rational keine Antwort gibt auf diese Frage. Wenn wir nachts wach liegen oder grübeln, denken wir uns vielleicht manchmal: Unsere Seele, unsere Gedanken wollen mit Gott sprechen. Wir beobachten in uns vielleicht, wie wir uns unsere momentane Situation eingestehen – ganz im geheimen, nur für uns. Daraus wird dann vielleicht ein „es darf so sein“ – ich habe einen Grund, gestresst zu sein, es ist in Ordnung, dass ich mich geärgert habe. Und daraus kann Freude werden – Freude darüber, dass ich mich akzeptieren kann. Freude darüber, dass ich nicht perfekt sein muss, dass es einen Ort gibt, an dem ich das abladen kann, was mich belastet.

<i>[Lied: Meine Hoffnung und meine Freude]</i>

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus – so sagt Paulus. Echter Friede ist ein Gottesgeschenk. Frieden schaffen, etwa noch mit Gewalt – das können wir oft mit all unserer Vernunft nicht. Frieden müssen wir uns schenken lassen und ihn bewahren. Das aber können wir, denke ich – den Frieden, den wir von Gott und von anderen Menschen geschenkt bekommen, bewahren und nicht ins Gegenteil verkehren.

<i>[Lied: Meine Hoffnung und meine Freude]</i>

Freut euch im Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch! Es liegt für mich eine große Freude darin, dass wir wirklich alles, was uns Schwierigkeiten macht, vor Gott bringen können. Hier in der Kirche, oder in der Familie und unter Freunden. Wir können für uns selbst sprechen, wir können andere bitten, mit uns und für uns zu Gott zu sprechen. Und wir brauchen uns nicht schämen. Gott kommt an Weihnachten als kleines, armes Kind zu uns. Er kennt Notzustände, er weiß, von was wir reden. Gott kennt aber auch die Freude und liebt das Leben. Er weiß, von was wir reden, wenn wir ihm danken und uns freuen. Freut euch im Herrn allewege, und lasst euch seinen Frieden schenken. Dies wünsche ich uns allen, nicht nur für die Weihnachtszeit.

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