Freude

Von Jesus Christus geliebte Gemeinde;

mitten im Jahr der Bibel sind wir angekommen. Das ist ein guter Anlass, in einem Gottesdienst einmal kurz nachzudenken, was es denn bedeutet für uns. Nun spielt die Bibel in jedem Gottesdienst die entscheidende Rolle. Es wird aus ihr vorgelesen, sie wird in der Predigt ausgelegt, also angewendet auf unser Leben als Christen, als Menschen in dieser Welt.

Die Hoffnung ist Sonntag für Sonntag, dass sich die Bibel nicht nur als ein spannendes und unterhaltsames, sondern auch als ein lebendiges Buch erweist. Was hat es mit meinem Leben zu tun? Wo wird es handgreiflich, dass Gott spricht?

?Suchen und finden‘ ist das Thema des Bibeljahres. Damit wird etwas deutlich von dem Leben, wie es ist. Suchen und finden, das sind Dinge, die wir kennen. Ganz praktisch suchen wir immer wieder etwas in unseren Wohnungen und Häusern, in Schubladen und Schachteln. Erst bin ich verwundert, dass etwas nicht mehr da lag, wo ich dachte, es hingelegt zu haben, dann werde wir immer ärgerlicher – und am Ende, wenn ich es denn gefunden habe, erleichtert und zufrieden.

Aber etwas zu suchen hat auch eine innere Bedeutung; wir suchen Menschen, denen wir uns nahe fühlen, mit denen wir leben wollen; wir suchen Begabungen und Interessen, um unser Leben anzufüllen; wir suchen Sinn und Inhalt für unser Leben.

Wir können etwas damit anfangen, wenn es heißt: suchen und finden. Und wir können die Freude nachempfinden, die jemand spürt und heraus lässt, der etwas wieder gefunden hat. Die Freude ist das Thema heute. Freude, weil einer etwas gefunden hat, wieder gefunden. Freude, die so riesengroß ist, dass sie lautstark geäußert wird. Andere Menschen werden angesprochen und eingeladen, sich mitzufreuen. Und wenn andere kommen um sich mitzufreuen, dann ist es ja ein Fest, eine Party. Freude wird mit Freunden und Nachbarn noch einmal viel größer.

Da also geht es hin, zur großen Freude, wenn von suchen und finden die Rede ist.

Ich vermute bloß, unser erster Gedanke beim Thema für das Jahr der Bibel ist: wir werden eingeladen und ermutigt in der Bibel zu suchen um dann durch das Wirken des Geistes auch etwas zu finden; etwas Hilfreiches. Was ja auch richtig ist – im Jugendgottesdienst am kommenden Sonntag soll das ein wichtiger Gedanke sein.

Das Evangelium heute lässt uns den Blickwinkel wechseln. Evangelium ist deswegen frohe Botschaft – also eine Botschaft, die eine Freudenparty auslöst – weil ein anderer sucht – und findet. Und zwar uns. Die Freude rückt ein gutes Stück näher, wenn ich höre, da hat sich jemand auf den Weg gemacht um mich zu suchen. Ich war ihm so wichtig, dass er eine Menge auf sich genommen, ja: alles stehen und liegen gelassen hat, damit ich nicht verloren gehe oder abgeschrieben werde.

Viele würden es vielleicht gar nicht merken, wenn ich weg bliebe, ich bin ja unauffällig und trage im Grunde für die Gemeinde nichts bei, worüber man redet. Es merkt kaum jemand, dass ich dazu gehöre und dabei bin. Warum also so ein Aufwand mich zu suchen? Warum so eine Freude mich gefunden zu haben? Wo ich gar nicht wichtig bin; im Gegenteil. Manche wären womöglich sogar froh, wenn ich weg wäre, weil ich manchmal unbequem bin und den Laden mit meinen Fragen und Bemerkungen aufhalte. Oder ich ärgere andere Menschen durch meine Ideen die anders sind, als gewohnt, neu. Sie fühlen sich bedrängt.

Es stört der eine wie der andere den reibungslosen Ablauf.
Aber ER hat mich gesucht und gefunden – und er freut sich.

Weißt du liebe, christliche Gemeinde; im Grunde ist Gemeinde nichts anderes als die Gemeinschaft derer, die Jesus Christus gesucht und gefunden hat. Das freut jeden von uns, weil wir spüren, ich bin eine/r von denen. Es freut Jesus Christus, weil da Menschen sind, die haben sich auch finden lassen, die freuen sich, dass sich einer um sie bemüht, um sie kümmert, sie liebevoll und voller Freude auf seine Schulter legt, um sie in die Gemeinschaft zu tragen.

Dann ist es also ein Wechselspiel der Freude; dessen, der gesucht und gefunden hat – Jesus Christus – und derer, die gesucht und gefunden wurden. Aber sie soll weiter gehen – die Suche und natürlich auch die Freude. Und das macht die Sache spannend und manchmal auch aufregend und zu einem Anlass, zu murren, zu streiten.

Menschen nahen sich um zu hören. Was kann es für eine Gemeinde Schöneres und Erfreulicheres geben, als wenn Menschen sich nahen und Jesus hören wollen? Damit ist soviel gewonnen, denn genau das passiert in unserer Gemeinde: hier redet Jesus und jeder kann kommen, kann herein kommen – unsere Kirchtür ist zum Gottesdienst offen und er wird ihn hören. Da müssen wir gar nicht schüchtern und bescheiden sein – wer hier zum Gottesdienst kommt, wird Jesus Christus hören.

Und ein wichtiger und entscheidender Teil unserer Gemeindearbeit in der Woche ist, Menschen diese offene Tür zu zeigen, sie einzuladen, damit sie Jesus Christus hören. Menschen aus der Herde, die verloren gegangen sind – warum auch immer. Weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben mit dem Pfarrer oder anderen Gemeindegliedern, weil sie sich übergangen gefühlt haben, weil sie meinten, sie seien nicht wichtig, man nehme sie nicht an, beachte sie nicht. Egal ob es tatsächlich so ist oder ob sie es sich nur einbilden. Es kann sein, dass es ein Grund war, sich von der Gemeinde zurück zu ziehen. Ob sie ein schlechtes Gewissen haben wegen ihres Lebens, weil es an manchen Stellen dem Willen Gottes – oder der Erwartung der Menschen, bzw. dem eigenen – widerspricht. Weil sie nicht zahlen wollen oder können. Weil andere Dinge jetzt wichtiger sind und die Gemeinde nach hinten gedrängt haben. Es gibt so viele Gründe, dass Menschen sich schämen, die Gemeinde meiden oder einfach nicht mehr interessiert sind.

Die Freude darüber, dass jemand den Weg zu Jesus Christus findet ist riesengroß und macht die Mühen um die Menschen ebenso groß. Kein Aufwand zu gewaltig, keine Liebe zu stark um die Menschen spüren zu lassen, dass Jesus ihnen nachgeht. Wohin sie auch gegangen sein mögen, wohin sie sich auch verirrt haben – Jesus gibt nicht auf.

Für ihn ist dann auch keine Sünde zu groß, kein Portemonnaie zu klein, keine Sprache zu ungeübt, kein Alter zu hoch oder zu niedrig. Wenn jemand kommt – wieder oder neu – und die Nähe Jesu Christi sucht, die frohe Botschaft des Lebens hören will, dann herrscht nur noch Freude, riesengroße Freude. Jeder, der umkehrt, ist ein Grund ein Freudenfest zu feiern. Da ist kein Platz zu murren und skeptisch zu fragen, zu spekulieren – ?warum der wohl gekommen ist?!‘.

Wenn im Himmel Freude ist, dann hat sie uns hoffentlich angesteckt und wir wollen nichts unversucht lassen, dass wir uns so oft es irgend geht freuen. Über jeden, der kommt, egal wie lange er weg war. Solche Freude tut uns gut, sie ist ansteckend und sie strahlt aus, sie lädt ein und lässt Menschen spüren, dass sie willkommen sind – im Himmel und in unserer Gemeinde. Gott schenke uns solche Freude und offene Herzen füreinander und dass wir eine offene Gemeinde sind und bleiben.

drucken