Es wird alles gut

Liebe Gemeinde,

fressen und gefressen werden weichen dem friedlichen Miteinander. Das ist doch wirklich allerfernste Zukunft, die wir uns heute vorstellen können. Weltweit Frieden unter den Völkern und Menschen und in der Natur ebenso. Unvorstellbar ist das ja nicht, sonst wäre es nicht in diesen großartigen Bildern in diesem Text.

Heute sind wir von den Erwartungen unseres Textes unendlich weit entfernt. Die Tiere fressen uns, sofern sie Fleisch fressen. Der Mensch ißt die Tiere, je nach Tradition seiner Heimat. Im Zusammenhang mit dem BSE-Skandal hörte ich, wie jemand sagte, dass eine Kuh nie eine andere fressen würde. Wir aber geben der Kuh ihresgleichen in Form des Tiermehls zu fressen.

Die Bilder unseres Textes und alle guten Erwartungen stehen total gegen unsere Weltwirklichkeit. Deswegen haben sie trotzdem ihren guten Platz in unseren Visionen von einer Zukunft, die für Mensch und Tier ohne Gewalt und Unrecht lebbar ist. Auf dem Weg zu dieser Zukunft hat Gott mit Jesus Christus für die ganze Welt unübersehbar den Anbruch einer völlig neuen Zeit begonnen. Noch frißt die Kuh die Kuh und der Mensch verarbeitet sie sodann zum Lebensmittel. Noch wird zerstört, betrogen, vernichtet, vergiftet und verseucht. Noch herrschen Krieg und Unrecht, Mord und Totschlag, Hunger und Elend, Not und Unterdrückung.

Aber das alles nicht nur allein. Sondern auch Frieden und Versöhnung, Gerechtigkeit und Auskommen schaffen viele Menschen.

Christus hat nur auf den ersten Blick hin den Kampf für das Leben verloren. Mit seiner Auferstehung von den Toten hat Gott das Ende der Gewalt und des Todes begonnen. Der Tod ist nicht mehr endgültig und hat damit seine Macht auf ewig eingebüßt. Am Ende unserer Tage und der Zeit dieser Welt und alles was wir denken können, erwartet uns Gott. Er will uns Leben geben, wie wir es uns nicht nehmen und geben können. Dieser Glaube und diese Gewissheit wecken in uns Kräfte, die über das weit hinausgehen, was hier in großartigen Bilder von einer neuen und in Frieden lebenden Welt gesehen wird.

Das sei auch gesagt. Vor Jesus Christus hat es Menschen gegeben und gibt es auch noch bis heute, die aus der Zukunft Gottes heraus die Gegenwart verantwortlich gestalteten und gestalten. Es ging und geht von ihnen Versöhnung und Frieden aus. Mit seinem Kommen in Jesus Christus hat Gott zugleich ihr Leben, ihren Glauben, ihren Mut und ihre Visionen von einer Welt des Friedens bis heute bestätigt. Selbst dann, wenn sie um der Gerechtigkeit und des Friedens willen ermordet wurden.

Christus hat uns neue Maßstäbe mitgegeben. Er urteilte nicht nach dem Äußeren, was vor Augen lag und zu den Ohren drang, sondern richtete mit der Gerechtigkeit Gottes. Darum konnte Zachäus vom Baum steigen. Darum ließen alle Selbstgerechten ihre Steine fallen, mit denen sie ihre eigene Schuld an der Ehebrecherin totschlagen wollten. Deshalb sündigte der Betrüger nicht mehr. Weil Gottes Urteil über unser Leben ein anderes ist, als Menschen es sprechen, können wir schon heute andere, als die eingetretenen Wege gehen.

Vielleicht sind unsere Schritte hin zur Versöhnung und für den Frieden nicht unbedingt frei eigennützigen Motiven. Sie werfen vielleicht politisches oder gesellschaftliches Ansehen ab. Die Welt wird vielleicht einmal von uns gut reden. Aber wenn Gott das in Kauf nehmen kann, sollten wir es sowieso können.

In diesen Tagen um Weihnachten herum hat sich wieder gezeigt, dass unendlich viele Menschen offen und bereit sind, an einer besseren Welt und einem erträglichen Leben mitzubauen. Mindestens einmal im Jahr, eben zu dieser Zeit, nehmen eine Unmenge Menschen mehr, bewußter die Not und das Elend anderer Menschen in der Welt wahr. Sie helfen in vielfacher Weise und nicht nur allein durch Spenden mit, Not und Elend zu lindern Dabei geben sie keineswegs nur von dem, was sie zuviel haben. Gottes Kommen in unsere Welt setzt sie in Bewegung zu helfen und zu heilen. Mit einer einfachen Karte knüpfen sie erneut Kontakte zu vergessenen Freunden und Verwandten. Gottes Kommen lässt über den eigenen Alltag mit seinen Höhen und Tiefen hinausschauen und auf anderen zugehen.

Letztlich ist das auch in der Geschichte unseres Weihnachtsspieles geschehen. Der Predigttext endet auch so: Es wird alles gut. Es wird alles gut, weil unser Gott gekommen ist und kommen wird. Das glauben wir. Das gibt uns die Kraft gegen allen Enttäuschung zu glauben, zu hoffen, zu lieben. Das macht uns Mut, uns zu versöhnen und für Gerechtigkeit und Frieden an unserem Platz und in der Welt einzutreten.

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