Es ist wahr, dass Jesus lebt

<i>[1. Es ist wahr, dass Jesus lebt, halleluja!
Dass er unter den Seinen lebt, halleluja!

2. Es ist wahr, die Welt ist erlöst, halleluja,
in dem Herren Jesus Christ, halleluja!

3. Es ist wahr, das Glück ist in Gott, halleluja!
Ihm sei Ehre, ihm sei Lob! Halleluja!

4. Es ist wahr, vollkommen ist er, halleluja,
Vater, Sohn und Heiliger Geist, halleluja!

(aus: Wir begrüßen den Sonntag, Präsenz-Verlag, Jesu-Bruderschaft, Gnadental, Nr. 12, Seite 47)]</i>

<i>[1. Strophe von "Es ist wahr, dass Jesus lebt"]</i>

Lieben Gemeinde!

"Die Autoindustrie verkauft keine Autos sondern religiöse Offenbarungen" Diese Satz stammt von Martin Mosebach aus der Zeitung "Die Zeit" vom 8. März d.J. In seinem Artikel "Mythos der Marke" beschreibt er die religiösen Züge des heutigen Marketing am Beispiel der Werbe- und Verkaufsstrategien in der Autoindustrie. In Gedanken führt er z.B. seine Leser an den heiligen Hain der Automobile – sprich: an den Mittellandkanal in Wolfsburg. VW hat dort – so nach seinen Worten – einen Ort geschaffen, "an dem sich pantheistische Naturverehrung und Auto-Anbetung harmonisch verbinden". Dann führt der Autor seine Leser weiter in den VW-Pavillon, der als Vorlage einer Kathedrale dienen könnte. Und schließlich schreibt er wörtlich: "In 50 Meter hohen … Glastürmen lagern die neuen Autos in einem geschichtslosen Limbus. Wenn eines davon auf die Welt kommen soll, fährt es im Aufzug hinab unter die Erde ("… wenn das Weizenkorn nicht stirbt …"), taucht nach unterirdischer Fahrt wieder ans Licht und erscheint vor den Augen der erwartungsvollen Kundschaft. Der Schlüssel wird überreicht. Er passt. Die innigstmögliche Verbindung zwischen Mensch und Auto ist gestiftet."

Was ist da passiert? Die Autoindustrie hat sich der Themen: Tod und Auferstehung bemächtig und führt sie ihrer Kundschaft vor. Der Tod und die Auferstehung Jesu wurden kopiert, um den Menschen zu vermitteln: Du brauchst etwas außerordentlich Schönes, um in deiner grauen Welt getröstet leben zu können. Hier hast du den Schlüssel dafür. Du brauchst in deinem Leben das Glück – und siehe das Glück kommt dir von alleine entgegen. Und du brauchst Geborgenheit. Hier wird dir die Gemeinschaft gestiftet, die du brauchst. Wir wollen sehen, was eine Frau zu Ostern erlebte und wir werden dann fragen, ob die Kopie den Vergleich mit dem Original standhält. Ich habe meine Gedanken so gegliedert:

Von der Trauer – zum Getröstet sein
Von der Suche – zum Gefunden werden
Von der Einsamkeit – zur Geborgenheit

Unser Predigttext beschreibt uns eine Frau, die weinend an einem Grab steht. Kennen wir die Situation? Ein Mensch, den wir liebten und schätzten, ist uns von der Seite gerissen worden. Vor uns steht ein Grabstein mit Namen und Jahreszahlen. Ein Grabstein ist ein Denkmal, das uns sagt: "Denk mal!" Denk einmal nach! Und wir denken zurück – an das gemeinsame Leben. Wir denken aber auch an die Begrenzung unseres eigenen Lebens. Lassen wir das richtig an uns heran – den Gedanken: so wird es mit mir einmal aufhören? Das Ende allen Lebens ist der Tod – furchtbar! Weinen ist der angemessene Ausdruck dafür, das mich dieser Gedanke wirklich erreicht hat. Ich bin ratlos und zutiefst getroffen und betroffen!

Im Weinen ist es, als ob Lasten weggespült werden. So wie sich Wasser neue Wege sucht, so wollen uns Tränen zu neuen Lebenschancen führen. Maria weint. Und Maria weint noch mehr als sie feststellt, dass der Leichnam Jesu fehlt. Für das Trauern ist nicht nur das Weinen wichtig, sondern auch der Ort an dem man trauern kann. Das Grab ist der Ort, wo ein Mensch sein Ende gefunden hat. Und Trauernde gehen an das Grab, um es zu lernen, dies anzunehmen. Unsere Seele hängt immer den Ereignissen hinterher. Aber das ist das Ziel der Trauerarbeit, dass das Ende des anderen Menschen auch bei mir ankommt, ich es akzeptiere, um mich neu dem Leben zuwenden zu können. Das Grab darf nicht in mich hineinkommen – ich muss mit dem Trauern zu Ende kommen.

Wie wird Maria getröstet? Es beginnt damit, das sie – mitten im Grab – in ein Gespräch hineingezogen wird. In dem Fall sind es Engel, die sie ansprechen und fragen. Gottes Boten bringen die Maria dazu, ihre Gefühle zu ordnen und ihre Gedanken zu formulieren. Das ist wichtig für die jede Trauerarbeit. Wohl dem, der solche "Engel" bekommt, die mit ihm in der Trauer und Depression reden, damit sich Dinge klären. Aber das allein tröstet Maria noch nicht. Ihr Trost wird Jesus der Auferstandene. Sie erkennt schließlich Jesus – aber nicht wie er war und wie sie ihn gekannt hat, sondern wie er jetzt ist. Er hat den Tod überwunden. Zu ihr spricht keine großer Toter, sondern der lebendig gemachte Herr. Nun ist er für alle der Herr. Nun ist er über allem der Herr. Der Herr über Leben und Tod.

Das ist wirklich d e r Herr, der über den Tod das Sagen hat. Hoffnung keimt, dass es auch für mich einmal so werden könnte – durch IHN! Und im Namen dieses Herrn spricht Maria dann zu den Jüngern. Als Getröstete kann sie sofort andere trösten. Sie gibt die erlebte Hoffnung weiter. Darin ist zu erkennen, das sie wirklich getröstet ist.

<i>[2. Strophe von "Es ist wahr, dass Jesus lebt"]</i>

Zweimal wird Maria gefragt: "Warum weinst du?" Aber beim zweiten Mal fügt der angebliche Gärtner eine weitere Frage hinzu: "Was suchst du?" An den Gräbern steht diese Frage unseres Lebens letztlich vor uns und es wird offenbar, das uns diese Frage bis zuletzt gilt. Und diese Frage drängt! Die Pyramiden der Ägypter, die Gräber der Reichen und die Verkaufstempel der Gegenwart werden um so größer, je größer dieses Fragezeichen wird: Wen suchen wir – Wen suchen wir eigentlich in unserem Leben? Im Februar hörte ich im MDR ein Interview mit dem Schauspieler Günter Grappert (40 Jahre am Leipziger Gewandhaus). Und bei mir blieb der Satz hängen: "Die Einschläge kommen immer näher." Er sagte das im Blick auf die Todesfälle unter seinen Bekannten und Freunden. Und er sagte damit zwischen den Zeilen – oder darum sagte er es überhaupt: Und einmal trifft es auch mich.

Was suchen wir in unserem Leben – angesichts des Todes? Diese Feststellung gilt für alle Menschen: Wir sind auf der großen Suche! Wir mögen der Suche verschiedene Namen geben: Erfolg, Reichtum, Anerkennung, Sicherheit, Macht, Rausch, Ekstase oder Frieden, Ruhe, Geborgenheit, Meditation, Transzendenz, Entbehrung … – wie auch immer: wir sind auf der Suche. Wie findet Maria? Merkwürdig – sie findet, indem sie gefunden wird und sich finden lässt. Oder sagen wir es so: Sie erkennt in dem Auferstandenen Jesus wieder, indem sie sich von ihm erkannt weiß. Er ruft sie beim Namen – und darin erkennt sie, wen sie sucht. Könnte es uns nicht ebenso ergehen: Gott sagt: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen – du gehört zu mir!" Oder wir hören von Jesus: "Meine Schafe (also, die zu mir gehören) hören meine Stimme." Er ruft uns – ganz persönlich! Er ruft dich bei deinem Namen. Wir finden, was wir suchen, wenn wir IHN hören – und uns damit von IHM erkannt, gewollt, geliebt und durchschaut wissen – und das zulassen! Ja Herr hier bin ich. Du sollst mein Herr sein, denn du bist d e r Herr Maria findet nicht was sie sucht. Sie suchte einen Toten. Sie fand den lebendigen Herrn. Sie fand mehr als sie suchte. Wir werden mehr finden, als wir suchen. Niemals dürfen wir uns auf unsere Vorstellungen und Bilder dessen, was wir suchen, festlegen. Wir werden überrascht sein, wenn Jesus der Auferstandene in unser Leben kommt, sich uns zu erkennen gibt und sich uns offenbart. Wir verkaufen keine Offenbarungen. Offenbarungen kann man nicht verkaufen. Wenn er der Herr ist, dann ist es immer eine Überraschung, wenn der Suchende findet – und es ist eine Gnade Gottes, wenn er sich finden lässt.

<i>[3. Strophe von "Es ist wahr, dass Jesus lebt"]</i>

Maria stand vor dem Grab – wörtlich: vor der Grabkammer außen. Wir könnten auch sagen: außen vor. Der Tod lässt uns außen vor. Der Tod trennt einen Menschen vom Leben. Aber auch die Lebenden sind von den Toten ausgegrenzt. Und wir sollten diese uns gesetzte Grenze respektieren. Wenn wir an einem Grab stehen, dann stehen wir außen vor. Die irdische Gemeinschaft ist zu Ende. Wie einsam kann man sich da fühlen. Wie allein kommt man sich in den ersten Wochen nach einer Beerdigung vor. Eine Kontaktfläche unseres Herzens ist unbesetzt – wir fühlen uns leer. Wie findet Maria zu einer ganz großen Geborgenheit? Jesus spricht zu ihr "von meinem Vater der auch euer Vater ist und er spricht von meinem Gott der auch euer Gott ist". Und er schickt sie damit zu den Jüngern, das auch sie es erfahren und dass sich durch ihr Zeugnis die neue Gemeinschaft ausweitet. Die Gemeinschaft mit Gott, mit Jesus, mit dem Heiligen Geist hängt untrennbar mit Seiner Gemeinde zusammen. Die neue Gemeinschaft geht von Jesus dem Auferstandenen aus. Durch ihn ist Gott unser Vater – und durch ihn sind wir Brüder und Schwestern. Durch Jesus kommt wirklich eine grenzenlose Geborgenheit in unser Leben. Kein Raum und keine Zeit kann uns von IHM trennen und Fremde sind uns nahe. Wie erleben wir diese Gemeinschaft in IHM?

Maria wollte Jesus, als sie ihn erkannt hatte, festhalten. Das ist verständlich. Alles Neue und Großartige, wollen wir festhalten, ob nun in Bildern oder mit unseren Händen oder in Gedanken oder auf der Festplatte. Unser Konservierungsdrang ist groß. Und wir wollen dessen habhaft werden, was neu und einmalig ist – es eben "in den Griff bekommen". Was hier zwischen Maria und Jesus am Ostermorgen geschieht ist nicht zu "begreifen". Jesus sagt darum auch: "Lass mich los, halte mich nicht fest." Weder das intellektuelle Begreifen noch das körperliche Anfassen liefern den letzten Beweis seiner Auferstehung. Das wäre geradezu eine Verkürzung des Evangeliums. Um herauszufinden, ob Er lebt, müssen wir uns auf das Wagnis und die Ebene des Glaubens einlassen. Die Gemeinschaft, die Jesus hier stiftet – ist die Gemeinschaft des Glaubens. Er stiftet Vertrauen! Und Glaube / Vertrauen zu Jesus beinhaltet immer Nähe und Distance zugleich: Er ist da und mir nahe – und doch kriege ich ihn letztlich nicht zu fassen. Aber ich habe Gewissheit – er ist da. Und wahrer Glaube ist Offenbarung und Verhüllung in einem. Ich erkenne ein Stück von IHM und seiner Herrlichkeit – und zugleich merke ich, es gibt ein "noch nicht". Und ehrlicher Glaube braucht dieses "noch nicht" – ich warte auf IHN.

Indem sich Jesus der Maria entzieht, schützt er sie selbst. Er schützt sie davor, das sie einen IST-Zustand konserviert. Das ist Glaube gerade nicht. Glaube ist nicht: ich habe mir etwas – oder sogar den Auferstandenen – zum Eigentum gemacht. Sondern Glaube ist ein Prozess, ein Weg – eben eine lebendige und wachsende Beziehung zu dem, der auferstanden ist und lebt. Jesus sagt uns: (Joh 6,40) "Wer den Sohn sieht und ihm glaubt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken". Nun sind wir in unseren Alltag – in unsere Welt geschickt, um Jesus den Auferstandenen dort zu entdecken – das bringt Geborgenheit und grenzenlose Gemeinschaft.

Wir haben begonnen im "heiligen Hain der Automobile" in Wolfsburg. Aber dort stehen wir jetzt nicht mehr. Wir befinden uns ein einem anderen Garten – inmitten des Dschungels menschlicher Erfahrungen – bis hin zu den Grenzerfahrungen des Todes. Es ist der Garten von Josef von Arimathia – jener Garten, in dem sich ein offenes Grab befand und wir dem auferstandnen Herrn begegnen. Und wir wollen uns fragen lassen: Was wollen wir am Ende haben? Es nützt uns nicht, wenn ein passender Schlüssel zu einem schönen Auto mit uns hinunterfährt. Wir brauchen die Gewissheit, das wir auferstehen und mit IHM leben werden!!! Dazu ist der Glaube an Jesus den Auferstandenen der Schlüssel: Ich darf dessen gewiss sein – mit IHM werde ich leben – mit Ihm lebe ich jetzt.

<i>[4. Strophe von "Es ist wahr, dass Jesus lebt"]</i>

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