Es geht um das Leben

Liebe Gemeinde,

irgendwie scheint es in diesem Text um gut und böse zu gehen. Die Leser werden ermahnt, auch dann noch gut zu sein, wenn ihnen böse mitgespielt wird. Wie oft haben wir es auch schon gut gemeint, und dann dennoch eines drauf bekommen. Gut und böse, hell und dunkel, schwarz und weiß, Tod und Leben. Damit sind wir dann auch schon an dem Punkt angelangt, worum es den Schreiber dieses Briefes geht.

Es geht um das Leben. Genauer gesagt geht es um das ewige Leben. Das alltägliche Leben wird aus dem Blickwinkel des ewigen Lebens gesehen. Wie wir in unserem alltäglichen Leben miteinander umgehen, soll von Gott her bestimmt sein. Er hat uns seinen Segen, seine Liebe und Güte zugedacht. Sein Segen für uns ist, dass wir ihm gehören. In unserer Taufe ist das seinerzeit vor der ganzen Welt sichtbar geworden. Wir sind sein in der Zeit und in der Ewigkeit. So soll es auch bleiben. Unser wirkliches Zuhause ist Gott.

Wen Gott segnet, auf dessen Seite schlägt er sich. Hinter dem steht er und hält ihn fest. Wir nennen da auch solidarisch sein. Gott ist es mit uns. Er hat das mit Jesus Christus in und vor aller Welt sichtbar gemacht. Gott ist mit uns solidarisch im Leiden und Sterben Jesu. In ihm er hat unser Leiden und Sterben hautnah erlebt und erlitten. Jesus hat das Böse nicht mit Bösen beantwortet. Er hat den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt, Auge um Auge und Zahn um Zahn durchbrochen. Petrus musste sein Schwert wegstecken. Am Kreuz bat er Gott für einen Mitgekreuzigten. Mit einem einzigen Satz hat er die Todesstrafe außer Kraft gesetzt: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". (Joh 8.7)

Jesus hat das Unrecht verurteilt, nicht aber den Menschen, der es getan hat. Deshalb begegnet er den Menschen freundlich, versöhnlich, heilt sie und vergibt ihnen ihre Schuld.

Obgleich er ohne Schuld war, haben die Menschen alle Schuld auf ihn geworfen. Er litt schwer und wurde hingerichtet. Er ist besonders dort an unserer Seite wo wir leiden. Gott hat uns dazu bestimmt, das ewige Leben zu haben.

Der Alltag der Briefempfänger war von vielen bösen Erfahrungen gekennzeichnet, wie wir sie ähnlich auch heute erleben können. Als Christen waren sie eine religiöse Minderheit. Aufgrund ihres christlichen Glauben wurden sie religiös, gesellschaftlich und auch persönlich abgelehnt und benachteiligt.

Wenn einem Menschen in Schule und Beruf das Leben schwer gemacht wird, nennen wir das Mobbing. Er wird belagert, bestürmt und sich mit vielen kleinen Gemeinheiten über ihn hergemacht. Sollen wir uns das alles gefallen lassen und noch ausgelacht werden?

Ganz sicher nicht! Maßstab für das eigene Handeln und entsprechend auf Verletzungen, auf das Böse zu antworten, ist Gottes Solidarität mit uns. Es vermag uns nichts von ihm trennen. Schon gar nicht das Böse. Unrecht mit Unrecht zu begegnen, schraubt die Spirale der Gewalt höher. Es leidend zu ertragen und sich vielleicht noch bedauern oder vor Gott damit rühmen, schafft keine Lösung.

Greife ich nicht zu den selben Mitteln wie mein Widersacher, dann muss ich nach anderen wirksamen Wegen suchen, die die Gewalt, das Unrecht, die Ungerechtigkeit, das Böse und Verletzende beenden. Das wird für jede jeweilige Lage anders aussehen. Als von Gott Gesegnete, die einmal den Segen, Gottes Reich erben, sollen dem anderen mit Gutem begegnen, ihm wohltun, helfen und solidarisch mit ihm sein. Der Brief nennt das segnen. Das ist unser Aufgabe.

Den anderen segnen heißt aber auch, ihn der Güte, Wohltat und Liebe Gottes empfehlen. Gott möge sich ihm gütig und barmherzig zuwenden. Das ist etwas von dem, was Christus "Salz der Erde" nennt. Weil wir mit Jesus Christus einen festen Lebensgrund haben, können wir nach anderen Möglichkeiten suchen, um Böses nicht mit Bösem zu vergelten. Wir wissen, wieviel Segen uns Gott zugedacht hat.

Der Brief setzt einen Maßstab. Christus soll der Mittelpunkt unseres Lebens sein. Damit dreht sich die Welt nicht mehr uns. Der andere kommt ins Blickfeld. Denn auch er soll von Gott den Segen, das ewige Leben erhalten.

Wir bleiben hinter dem allem immer weit zurück. Dennoch wagt es Gott mit uns, dem Frieden und der Gerechtigkeit Wirklichkeit in der Welt zu verschaffen. Davon wird an anderer Stelle zu reden sein.

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