Erntedank heißt: Die Menschen danken Gott für die Ernte

Ganz am Anfang, da wussten die Menschen noch nicht, wie man richtig dankt. Man bekommt etwas, und was macht man dann? Keine Ahnung! Sie hatten es noch nicht gelernt. Das ist auch heute noch so. Man weiß nicht einfach, wie man dankt. Man muss es erst lernen.

Was die Menschen aber gut konnten, war tauschen. Man bekommt etwas, und gibt später das Gleiche zurück. Oder man gibt gleich etwas anderes zurück. Du gibst mir einen Sack Kartoffeln, und nächstes Jahr gebe ich Dir einen Sack Kartoffeln. Du gibst mir Bananen, und ich gebe Dir Orangen. Du deckst mein Dach und ich streiche Dein Haus an. Usw. Das konnten die Menschen damals gut. Das können sie auch heute noch gut.

Jetzt gab es aber noch so viel mehr, was die Menschen bekamen: die Sonne am Tag, den Mond in der Nacht, den Regen und den Schnee, das Land und das Meer; alle die Pflanzen und Tiere: so viel! Und da wollten die Menschen auch gerne etwas tauschen, etwas zurückgeben von dem, was sie bekommen hatten. Aber sie wussten nicht recht, wie sie’s anstellen sollten.

Da haben sie etwas erfunden, das hieß Opfer. Sie haben aus Steinen Tische gemacht und darauf gelegt, was sie Gott zurück geben wollten. Blumen, Früchte, Tiere. Und manchmal haben sie’s angezündet, weil sie dachten: Wie kommen unsere Sachen hier von der Erde in den Himmel, wo Gott ist? Und so haben sie ihre Gaben im Rauch aufsteigen lassen: Brandopfer. Opfer, das heißt: Gott etwas zurückgeben. Nach Möglichkeit das Beste, was man hat.

Zum Glück sind die Menschen irgendwann darauf gekommen, dass das doch ein bisschen komisch ist: Denn was zum Kuckuck sollte Gott im Himmel mit Kartoffeln anfangen? Die hatte er doch selber gemacht! Man kann einem doch nicht wieder zurückgeben, was ihm gehört, ja was er sogar geschaffen hat!

Das war eine Sternstunde der Menschheit. Die Menschen erkannten, dass Opfer doof sind. Und fanden heraus, dass es viel schöner ist, Danke zu sagen. Darauf hatte Gott schon lange gewartet. Denn das war genau das, was er wollte. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis es soweit war. Man muss halt warten, bis etwas wächst, reift und gedeiht. So ging es Gott auch. Denn jetzt, gebt acht, jetzt kommt das andere, was Erntedank auch noch heißt.

Erntedank heißt: Gott erntet den Dank der Menschen.

Gott, nicht wahr, hat doch alles geschaffen: Den Himmel und die Erde, das Wasser und das Land, die Sterne, die Pflanzen, die Tiere. Einfach alles. Das war ein schönes Stück Arbeit. Fünf göttliche Tage lang hat das gedauert. Und alles war prima! Gott sah sich das an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut!

Aber irgendwie fehlte noch etwas. Es fehlte nämlich noch jemand, der sagen konnte: "Klasse Mann!" Es war kein Anderer da, der das sagen konnte. Gott konnte sich nicht selbst auf die Schulter klopfen und sagen: "Danke, alter Knabe, das hast du echt gut gemacht!" Das ging nicht. Denn Gott war ja noch allein.

Da hatte Gott eine wundervolle Idee. Er schuf am sechsten Tag den Menschen. Nach seinem Bild schuf er ihn. In der Hoffnung, dass der irgendwann Danke sagen würde. "Danke dafür, Gott, dass Du alles gemacht hast. Danke, dass Du mich gemacht hast!" Das wollte Gott. Das sollte die Frucht seiner Arbeit sein. Nur: Gott musste lange darauf warten, dass der Mensch Danke zu sagen lernte; das habe ich Euch ja schon erzählt.

Erntedank heißt also zweierlei: Die Menschen danken Gott für die Ernte und alles, was er geschaffen hat – und Gott erntet den Dank der Menschen.

Aber das ist aber noch nicht alles. Wir wollen heute noch ein Stück weiter darüber nachdenken, was das bedeutet.

Das Gute daran ist nämlich: Beide, Gott und die Menschen, haben etwas davon. Beide bekommen etwas, was sie nicht selbst machen können.

Der Mensch hat sogar sein Leben von Gott bekommen. Das kann er nicht selber machen! Er bekommt Licht, Luft, Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, alles. Der Mensch kann nicht machen, dass er atmet, dass sein Herz schlägt, dass die Sonne scheint, Regen fällt, Pflanzen wachsen und Tiere sich vermehren. Das alles macht Gott.

Und Gott, wie gesagt, kann sich nicht so toll finden, wie er wirklich ist, wenn’s ihm keiner sagt. "Hast Du gut gemacht! Danke!" Das kann aber der Mensch tun, wenn er bei Verstand ist, die Augen und Ohren aufsperrt, und wenn er will! Denn der Mensch ist frei. Der Mensch muss nicht Danke sagen. Aber er wäre ziemlich blöd, wenn er’s nicht täte.

Und wenn er dann Danke sagt, dann freut Gott sich mächtig und lässt vor Freude gleich noch ein paar Blumen und Früchte mehr wachsen. Gott will estimiert werden, er will, dass die Menschen ihn lieb haben, darum geht`s!

Da sind wir wieder bei der Frage, wie das mit dem Danken wohl am Besten geht: Wie geht das wohl: Gott estimieren? Ihn lieb haben? So dass er auch die Früchte ernten kann, die er will: unseren Dank?

Tauschen geht schlecht. Das haben wir schon gesehen. Und Opfern ist blöd. Das hatten wir auch schon. Ihm irgendwie etwas geben, das wär’s! Aber wie soll man das anstellen? Denn sonst landen wir ja doch wieder bei den Kartoffeln, die hier vor dem Altar liegen, nicht wahr!

Aber die liegen auch gar nicht hier, weil wir sie Gott wieder zurückgeben wollten. Das wäre doch Unsinn! Sondern die liegen hier, damit wir uns erinnern können, damit wir wissen, wofür wir Gott alles danken können. Zum Erinnern, zum Drandenken liegen die hier, weil wir so vergesslich sind.

Gott möchte unseren Dank ernten: Für alles das, was hier zum Zeichen liegt, und noch für viel mehr. Und wie wir das Danken richtig hin bekommen, ohne solchen Blödsinn wie Tauschen oder Opfern, dazu hilft uns die Bibel weiter, die auf dem Altar liegt. Da steht nämlich eine Menge drin von dem, was Gott so alles gesagt und gemacht hat. Und davon, was Menschen davon verstanden haben.

Da steht an einer Stelle zum Beispiel drin, wie Gott gesagt hat: "Ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer; an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer" (Hos. 6,6). Da sagt er doch klar, was er will und nicht will!

Und an einer anderen Stelle haben Menschen darum aufgeschrieben, wie sie’s richtig verstanden haben. Da steht nämlich der Predigttext für heute: "Lasst uns Gott loben, und lasst uns Gutes tun und miteinander teilen, denn das gefällt Gott." (vgl. Hebr. 13,15f.)

Also: Ich kann Gott zeigen, dass ich ihn mag und ihm Danke sagen, wenn ich ihn lobe. Wenn ich zu ihm bete, ihm Lieder singe, Psalmen aufsage, Gedichte schreibe oder Geschichten über ihn erzähle. Das alles sind Früchte, die Gott gefallen.

Und: Ich kann Gott zeigen, dass ich ihn mag und ihm Danke sagen, wenn ich Gutes tue und mit anderen teile. Wenn ich abgebe von dem, was ich bekommen habe und weitergebe, was in meine Hände gekommen ist. Das sind auch alles Früchte, die Gott gefallen. Und Gott will doch auch die Früchte seiner Arbeit ernten!

Nanu? Was hat Gott denn davon? Was hat Gott im Himmel davon, wenn wir auf der Erde Gutes tun und miteinander teilen? Eine ganze Menge! Das ist ein großes Geheimnis, das ich Euch heute weiter sagen will. Gebt acht und behaltet es ganz gut!

Wenn Du Gutes tust und mit anderen teilst, dann machst Du es ein bisschen so, wie Gott es auch macht. Denn der macht ja die ganze Zeit nichts anderes als Gutes tun und teilen. Sogar den Menschen hat er gemacht, nach seinem Bild hat er ihn gemacht.

Und wenn wir es ein bisschen so machen, wie Gott es macht, dann verstehen wir Gott gleich viel besser. Zum Beispiel: Wir tun etwas Gutes und teilen – und dann bedankt sich keiner. Da können wir genau so fühlen, wie Gott sich fühlt, wenn sich keiner bei ihm bedankt.

Oder, viel besser: wir tun Gutes und teilen – und jemand sagt "Dankeschön!" Und freut sich. Dann freuen wir uns genau so, wie Gott sich freut, wenn wir ihm danken. Und, nicht wahr: Gott will ja doch auch, dass wir ihn erkennen, ihn also immer besser verstehen und lieben. Das hat er doch deutlich gesagt!

Schließlich: Was kann es Schöneres geben im Himmel und auf Erden, als dass man sich versteht und lieb hat, einander Gutes tut und teilt, und "Bitte" sagt und "Dankeschön"?

Verstanden? Erntedank heißt: Wir danken Gott für die Ernte; und Gott erntet unseren Dank. Wir danken Gott, wenn wir ihn loben und wenn wir anderen Gutes tun und teilen. Und so erntet Gott die Früchte seines Tuns, unseren Dank, über den er sich freut. Das ist Erntedank!

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