Ermutigung

Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Eine tolle Ermutigung ist das heute morgen. Es gibt gute Aussichten und das, was jetzt vielleicht mutlos macht, muss nicht das letzte Wort haben. Eigentlich müssten wir jetzt ins Gespräch kommen darüber, was uns in unserem Leben das Vertrauen nimmt oder uns dazu führen könnten Vertrauen wegzuwerfen, wie es der Hebräerbrief sagt.

In der vergangenen Woche war es sicher die Erinnerung an den 11. September, die für manch einen so ein Punkt ist, Vertrauen beiseite zu legen. Geschockt von den Ereignissen des vergangenen Jahres wurden viele politische Entscheidungen getroffen, die große Auswirkungen hatten. Der Afghanistankrieg, der vielen Tausenden den Tod gebracht hat, hat sicher dazu geführt, dass die politische Welt in Afghanistan anders geworden ist. Aber der Terror und die Angst vor dem Terror ist nicht gewichen. Wieder stehen auch Überlegungen im Raum einen neuen Krieg im Nahen Osten anzuzetteln. Sadam Hussein soll bekämpft werden. Vertrauen in eine politische Veränderung dieser Welt, Vertrauen in die demokratischen Strukturen der Weltveränderung, Vertrauen darin, dass Frieden das oberste Gebot ist, es wird wieder neu erschüttert. Und es kommen viel fremde Gedanken dazu, die in unserem Wahlkampf hier geäußert werden, die einen vernünftigen Blick auf das, was geschehen soll verstellt.

Vertrauen in die Wahrheit von Friedensgedanken, Vertrauen in die Wahrheit des Gedankens "vergelte nicht Böses mit Bösem", Vertrauen in die Wahrheit des Gedankens "liebe deine Feinde, betet für sie, segnet die, die euch verfolgen", kann man ein solches Vertrauen überhaupt noch haben angesichts der Wirklichkeit dieser Welt? Ist das, was der christliche Glaube uns da mitgeben nicht letztlich doch nur Illusion, die vom Leben des Menschen jeden Tag neu wieder zerstört wird?

Und wie sieht das aus in unserem kleinen, ganz persönlichen Leben? Wie sieht es da aus mit dem Vertrauen zu Gott, zu Christus, zu den Menschen? Auch da gibt es so vieles, was uns immer wieder daran zweifeln lässt. An erster Stelle stehen da natürlich lebensverändernde Erlebnisse, Krankheit, Tod, Bewusstwerden des Alters, Lieblosigkeiten in der Familie, Auseinandersetzungen, die ihre Spuren hinterlassen. Manchmal erleben wir unser Leben eben eher zum Verzweifeln, als zum Vertrauen. Und das mag bis dahin gehen, dass wir vielleicht auch fragen, warum es sich denn lohnt und was es bringt, in seinem Leben Glauben zu haben, auf Gott zu vertrauen, sich Jesus Christus hinzugeben.

Und da kommt nun der Hebräerbrief und steht uns mutig entgegen und sagt: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Ihr könnt doch nicht einfach das beiseite legen, das euch in eurem Leben so viel Hilfe geben kann, so verstehe ich diese Worte des Briefschreibers. Im Hinterkopf hat er natürlich dabei, dass seine Leser und Hörer sich daran erinnern, was wir durch Gott alles empfangen haben, was wir in Jesus Christus über unser Leben erfahren, welche Stärke wir durch den Glauben an den dreieinigen Gott erhalten können. Dieses Vertrauen wegzuwerfen, hieße doch, sich einer der wichtigsten Stützen im Leben zu berauben. Wir wären nur noch auf uns selber gewiesen, wären abhängig von uns selber und würden an Ende nur noch um uns selber kreisen. Und das würde dazu führen, dass wir uns in uns selber verbeißen und gar nicht mehr merken, dass wir in unserem Leben nur noch im Kreis gehen und gar nicht mehr sehen, was da alles bereit liegt.

Ein Leben, ein Vertrauen, das sich nicht nur auf sich selber besinnt, sondern sich von außen her ansprechen und führen lässt, das hat weitaus mehr zu bieten, als eines, das nur in sich selber ruht und dann letztlich auch nur bei sich selber bleibt. Vertrauen zu Gott haben, das bedeutet doch, dass ich mein eigenes kleines Leben, aber auch die Ereignisse und Erfahrungen dieser Welt, übersteigen kann, dass ich in all dem auch ganz anderes sehen kann und so eine ganz andere Lebensperspektive erhalte. Gott stellt mir vieles vor Augen, was ich aus mir selber heraus nicht sehen kann, was mir aber eine Leitlinie gibt, die mein eigenes Denken übersteigt und mich so fähig macht, das Leben nicht nur anders zu sehen, sondern es auch anders zu gestalten.

Ich habe vorhin von den Friedensgedanken gesprochen. Friede auf Erden den Menschen, die Gott liebt. Das ist die Botschaft von Weihnachten, die wir gerne hören. Es ist aber auch eine Botschaft, die Wirklichkeit ist und Wirklichkeit werden soll. Sie ist Wirklichkeit, weil Gott mit uns Menschen, trotz aller Bosheit und Abkehr, die wir Menschen an den Tag legen, Frieden geschlossen hat. Wir müssen uns die Liebe dessen, der uns in seiner Hand hat, nicht verdienen, er hat sie uns längst geschenkt. Davon können wir leben, daraus können wir schöpfen, aus dieser Verbindung können wir die Kraft für jeden neuen Tag und für jeden neuen Anfang erhalten. Dieser Friede ist Teil unseres Lebens im Glauben an den väterlichen Gott.

Gleichzeitig ist dies Auftrag für uns Menschen, diesen Frieden auch überall sichtbar werden zu lassen. Der Friede ist nicht nur ein geistliches Geschehen, sondern aus der Wirklichkeit dieses Friedens mit Gott ergibt sich ein unabdingbares Suchen nach Frieden und ein Arbeiten für den Frieden. Der Friede des Glaubens bleibt leer, wenn er nicht auch sichtbar wird dort, wo Unfriede herrscht, wo Menschen einander das Leben schwer machen.

Das ist eine schwere Aufgabe, eine, die uns oft an die Grenzen unserer menschlichen Möglichkeiten bringt. Und da meine ich nicht nur die großen Politischen Erfahrungen z.B. in Israel und Palästina oder die Kriegsgefahr im Irak. Das betrifft auch den ganz persönlichen Bereich unseres Lebens, in dem es gilt diesen Frieden zu leben. Dazu brauchen wir Geduld und das weiß ja auch der Schreiber unseres Briefes. Er schreibt ja auch: Geduld habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.

Der Friede Gottes im Alltag des Lebens ist nicht einfach so da, schön wenn er immer wieder sichtbar wird, aber er muss auch immer wieder angestrebt werden, oft genug gegen unsere eigenen, so ganz menschlichen Gedanken. "Vergelte nicht Böses mit Bösem", das allein ist schon ein ungeheuer schwieriger Satz. "Wie du mir, so ich dir", das steckt so tief in uns drin und klingt immer wieder so logisch. Und er zieht sich durch vom Sandkasten bis hin in die große Politik dieser Tage. Geduld habt ihr nötig. Geduld mit uns selber, dass dieser Gedanke uns nicht immer wieder einnimmt, dass wir gegen diesen so menschlichen Impuls angehen und uns sagen, das führt nicht zum Ziel.

Jesus führt das ja noch weiter, wenn er sagt "liebe deine Feinde, betet für sie, segnet die, die euch verfolgen". Geduld dazu haben, Vertrauen darein setzten, dass dies der richtige Weg ist, menschlich miteinander zu leben, das ist das, was die biblische Botschaft uns heute morgen mit auf den Weg geben will.

Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Dabei geht es nicht darum, dass wir bei Gott toll angesehen werden, wenn wir es schaffen danach zu leben. Darum geht es nicht. Hier geht es nicht um Belohnung im solchem Sinne. Der Lohn dieses Vertrauens ist, dass wir darin der Unmenschlichkeit ein Ende setzten, dass wir die falschen Weg von Gewalt und Unrecht verlassen, dass wir den anderen nicht in eine bestimmte Ecke stellen und dementsprechend beurteilen und behandeln. Sondern wir öffnen durch ein solches Vertrauen das Leben. Es wird offen, für die vielen anderen Möglichkeiten des Umganges miteinander und vor allem offen für die Möglichkeiten Gottes, das Leben von uns Menschen zu gestalten.

Wo ich den Feind nicht als Feind sehe, sondern ihm Achtung im Sinne der Liebe entgegenbringe, da verändert sich unsere Beziehung. da wird aus Feindschaft sicher nicht gleich Freundschaft, aber im Ende der Feindschaft liegt die Möglichkeit anderer Beziehungen, anderen Umganges miteinander. Wo ist bete für den Feind, da sage ich, dass nicht meine Gedanken über ihn die alleinigen sind, sondern dass es auch noch andere gibt. Wir befehlen ihn Gott an, Vertrauen darauf, dass er Veränderung schaffen kann, dass er hilft, trennendes zu Überwinden. Ich bin nicht mehr nur auf mich selber und mein Urteil gewiesen, sondern kann Abstand gewinnen im Gebet und Gottes Möglichkeiten in mein Leben dadurch einbeziehen.

Wo ich Segen erbitte für den, den der gegen mich ist, da gebe ich ihm Lebensraum, da sage ich, dass auch er Anteil hat an der Gnade Gottes, an der liebenden Zuwendung des Gottes, der uns beide in der Hand hat. Wir denken menschlich: der muss weg, der ist gegen mich. Gott aber sagt: er gehört in dein Leben, er hat sein Lebensrecht, das er – wie du selber – von mir erhalten hat.

Und das alles eröffnet ganz neue Möglichkeiten für uns Menschen miteinander umzugehen, aufeinanderzu zu gehen. Es eröffnet Möglichkeiten auch in den großen Entscheidungen dieser Welt, andere Gedanken zu denken, als nur den von Gewalt und Vergeltung, diesen so starken Gedanken, die sich oft unmerklich bis ins kleinste fortsetzen.

Ja, es braucht Geduld dafür, und oft genug wird unser Vertrauen enttäuscht, werden wir enttäuscht von den Entwicklungen des Lebens. Aber gerade deshalb ist es für uns Menschen wichtig, dass wir uns eben nicht von uns selber leiten lassen, sondern uns Gott in die Hände geben, dass wir immer wieder nach Gottes Willen fragen, danach, was er direkt von uns erwartet, aber auch was er uns schenkt und was er darin auch den anderen schenkt. Denn darauf liegt auch das Vertrauen ins Leben, das uns trägt. Und dieses Vertrauen sollen wir nicht wegwerfen, daran sollen wir festhalten, auch in den Enttäuschungen, die unser Leben zeitigt. Die Kraft Gottes ist größer, seine Verheißungen stärker, als alles, was wir Menschen zu tun vermögen. Daraus können wir unendlich schöpfen und dankbar unser Leben gestalten. Dieses Vertrauen hält unser Leben bis zum letzten Tag hin offen, da ist nie alles zu Ende. Und das ist die eigentliche Belohnung und Verheißung unseres Lebens, die wir im Alltag weitergeben können.

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