Ermutigung zum Gebet

Liebe Gemeinde,

1. in einer ländlichen amerikanischen Gegend herrschte eine besonders schwere und langanhaltende Dürre. Die Wasservorräte schwanden. Die Tiere verdursteten. Die Bauern befürchteten eine schwere Missernte, denn die Pflanzen auf den Feldern vertrockneten. Weil aber die Einwohner des Landstrichs gottesfürchtige Menschen waren, luden sie zu einem Fürbittengottesdienst ein. Von weither strömten die Menschen zusammen, um für Regen zu beten.
Ein Junge, der ebenfalls zur Kirche ging, fiel den Gottesdienstbesuchern auf. Als einziger hatte er einen Schirm dabei.
Auf die erstaunten Fragen hin, antwortete er: “Wir beten doch um Regen.” Beschämt blickten sie zu Boden und erkannten ihren eigenen Unglauben. Tatsächlich -noch während des Gottesdienstes setzte der Regen ein. (nach Hoffsümmer, Kurzgeschchten 1, 94)

2. Liebe Gemeinde, der fünfte Sonntag nach dem Osterfest trägt den Namen Rogate, Betet. Als Glieder am Leibe des Auferstandenen Jesus Christus werden wir zum Gebet ermutigt und werden wir an die Macht und die Kraft des Gebets erinnert.

Denn unglücklich ist der zu nennen, der nicht beten kann. Er hat in der Not keinen Ort zu dem er fliehen kann, er hat in der Not keine Person, die helfen kann.

Ein Mensch, der nicht Beten kann, gleicht einem Vogel, der nicht fliegen kann.
Ein Grund kann sein, dass die Flügel erlahmt sind. Bei einem Christen kann der Glaube angeschlagen sein, wodurch auch immer: durch entmutigende Erfahrungen, durch schreckliche Erlebnisse, durch Enttäuschungen
Viele Christen, die zu den Friedensgebeten in den letzten Monaten die Hände falteten, sind mit dem Ausbruch des Krieges im Irak enttäuscht. Von Gott enttäuscht. “Es hat alles nichts gebracht!” so sagen sie.
Das Ergebnis ist von Entmutigung und Enttäuschung: Das Gebet erstirbt. Kein Wort geht mehr über die Lippen.

Ein anderer Grund, dass ein Vogel nicht fliegen kann, ist Gefangenschaft. Sein Lebensraum ist beschränkt, er kann nur umherflattern. Ein Christ kann in Vorstellungen gefangen sein, die ihn davon abhalten zu beten. “Beten ist nichts anderes als Selbstgepräch – bringt nichts, hilft nichts.” “Wer betet wird blind für die Welt.”

Schließlich, ein Vogel kann nicht fliegen, wenn es ihm niemand beigebracht hat, wenn ihm niemand Lust gemacht hat zu fliegen.
So gilt es auch für Christen: Wer es nicht gelernt hat, betet nicht. Wem nicht erzählt wurde, welche Verheißungen dem Gebet mitgegeben sind und welcher Segen dem Gebet verheißen ist, der wird keinen Anlass sehen die Hände zu falten.

An den Betern in der Bibel können wir Macht und Verheißung des Gebets ablesen: Jesus Christus zog sich nach Tagen der Anspannung und der Begegnung mit den Menschen zurück um zu beten und Kraft zu schöpfen. Der Apostel Paulus sagt immer wieder in den Briefen an die Gemeinden, wie oft er angesichts ihres Glaubens Gott im Gebet dankt. Der Apostel Jakobus ermutigt zum Gebet: leidet jemand, der bete. Ist jemand krank, rufe er die Ältesten, damit sie an seinem Bett für ihn beten. Der König David hat Gott in allen Dingen sein Herz ausgeschüttet, Freud und Leid, Schuldbekenntnis und Lobgesang, auch seinen Hass und seine Kriegspläne brachte er in den Psalmgebeten vor Gott.

3. Im heutigen Predigtabschnitt, dem Evangelium aus Joh 16, werden drei Hinweise, drei Ermutigungen zum Gebet gegeben.

[TEXT]

(1) Das Gebet geschehe im Namen Jesu. (16,23b-26a)
Wenn wir den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er‘s euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen.

Es ist uns ja wenigstens im Gottesdienst vertraut, dass wir die Gebete schließen mit einem Satz wie “Das bitten wir durch Jesus Christus unsern Herrn.” Damit ist liturgische Formel geworden, was Jesus hier sagt: Bittet in meinem Namen.

Gemeint ist damit: Als Christen beten wir zu Gott, weil Jesus Christus uns die Tür zum Vater geöffnet hat. In seinem Sterben und Auferstehen hat er denen, die an ihn glauben, seinen Schwestern und Brüdern den Weg zum Vater im Himmel eröffnet. Wir brauchen seitdem keine Priester mehr, keine menschlichen Wegbereiter. Jeder Mensch kann im Namen Jesu frei zu Gott reden.

Wir brauchen seitdem keine Opfer mehr, mit denen wir erst den Weg für unsere Anliegen ebnen müssen. Wir können als Christen zu Gott beten und brauchen von dem allmächtigen und gerechten Gott nichts zu fürchten. Denn in der Taufe hat Gott uns zu seinen Kindern und Erben gemacht. Kraft dieser Veränderung an uns – die er selbst bewirkte – können wir vertrauensvoll uns an ihn – unseren himmlischen Vater – wenden.

(2) Das Gebet geschehe im Glauben (Joh 16,26b – 28)
Er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin.

a) Im Glauben, das meint zunächst: Ich vertraue Gott, ich bin gewiss, dass er helfen kann.

Um es mit einem Bild zu sagen: Stell dir vor, du brauchst Geld. An wendest du dich?
Normalweise wirst du dich nicht an den stadtbekannten Geizhals wenden. Jeder weiß, der gibt nichts. Du wirst es auch nicht im Armenviertel der Stadt probieren. Jeder weiß, die haben nichts.
Wenn du Geld brauchst, wendest du dich an die, die Möglichkeiten haben und denen du zutraust, dass sie geben werden.

Übertragen auf das Gebet: Als Christen wenden wir uns im Namen Jesu an Gott, weil wir darauf vertrauen, dass er helfen kann und helfen will.
Und dass er uns Menschen helfen will, offenbart sich grundlegend darin, dass Gott Mensch wurde in seinem Sohn Jesus Christus.

Geburt, Leben auf Erden, Sterben und Auferstehen – diese Stationen des Lebens Jesu Christi zeigen, dass er als Sohn Gottes für uns Menschen lebte, um uns Lebensmöglichkeiten zu schaffen. Das ist der Grund, weshalb wir sagen: Gott will und kann, ja er wird helfen.

b) Das Gebet geschehe “im Glauben”, das meint dann als zweites aber auch: es komme aus dem Herzen und Geist eines Nachfolgers Jesu Christi. Der Apostel Paulus schreibt den Christen: Seid untereinander so gesinnt, wie Jesus Christus auch war (Phil 2). Er erniedrigt sich selbst, nahm Knechtsgestalt an. Er stellte sich und seine Wünsche zurück und vollendete den Weg des Leidens, damit alle, die an ihn glauben, ewig leben.

Bezogen auf das Gebet sage ich: Alles können wir vor Gott bringen, Menschliches und Allzumenschliches, Geistliches und Handfestes, Erfüllung wird dem Gebet gewährt, wenn ich damit nicht meine egoistischen Pläne erfüllen will, sondern wenn mein Gebetsanliegen dem Wohle des Mitmenschen dient.

Ein Beispiel: Wenn du um Geld bittest um mehr zu haben und um deine Wünsche zu erfüllen, musst du damit rechnen, dass Gott dein Gebet nicht erhört. Gott ist nicht Erfüllungsgehilfe unserer Wünsche.

Wenn du aber Geld für einen Dienst am Nächsten benötigst, dann wird solch ein Gebet Gott gefallen, denn es ist eines, dass “im Glauben” geschieht. Es ist ein Gebet im Sinne des Gebotes Jesu, “dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe”.

3) Wer betet, empfängt den Frieden Gottes (Joh 16,32a.33)
In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Als Christen leben und beten wir in der Welt, in der unser Leben bedroht ist und wir als Glaubende bedrängt werden. Es gibt keinen, der sich nicht Geborgenheit, nach Ruhe, nach Freude und Friede sehnt.

In dieser bedrohten Welt verheißt Jesus uns seinen Frieden. Er spricht aber nicht von dem zerbrechlichen, menschlichen Frieden, wie wir es zur Zeit wieder im Irak erleben. Die Angst der Menschen vor Terror und Gegenterror ist ungebrochen, auch wenn der Kriegszug beendet ist. Jesus Christus verkündigt einen vollkommenden Frieden, der selbst dann bestehen kann, wenn die Welt in Krieg und Terror versinkt.

Jesus Christus erinnert uns daran, dass allein auf ihn Verlass ist. Denn er hat sich als der erwiesen, der die Wurzel des Unfriedens ausgerottet hat, als er am Kreuz starb und an Ostern den Tod überwand. Er ist es, der nicht nur die Angst vor dem Tod, sondern auch seine Macht besiegt hat. Angst und Zweifel werden uns beim Beten und beim Warten auf Gottes Antwort nicht erspart bleiben.

Dennoch: Umfangen von seinem Frieden können wir gelassen werden. Denn unser Gott geht mit uns: Durch Schmerz und Trauer, durch Freund und Leid. Mit seinem Wort und im Heiligen Abendmahl. Mit seinem Trost, der uns erreicht, wo Menschen sein Wort hören und sich in seinem Namen versammeln. Im Angesicht unserer Feinde bereitet er uns einen Tisch, füllt uns mit Frieden und Hoffnung.

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