Ergreifen, erfahren, erleben

Vor acht Tagen, liebe Gemeinde, da haben wir das Pfingstfest gefeiert – das Fest des Heiligen Geistes. Heute feiern wir ein Fest, nach dem die nächsten 24 Sonntage des Kirchenjahres benannt sind. Das Fest der Dreieinigkeit Gottes – Trinitatis.

Jeder Gottesdienst einer christlichen Gemeinde beginnt im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und kein Sakrament wird ausgeteilt, ohne dass die Dreieinigkeit, die Trinität, genannt wird.

Denn dieses Bekenntnis zu Gottes Dreieinigkeit fasst das vielfältige Wirken Gottes in drei grundlegende Arten zusammen.

Erstens: Gott ist der Ursprung und der Schöpfer aller Dinge.

Zweitens: Von Gott geht das Wort aus, mit dem er uns sein Herz aufschließt und jetzt schon ewiges Leben erfahren lässt. Dieses Wort ist in und durch Jesus Christus Mensch geworden.

Drittens: Durch den Heiligen Geist bestätigt Gott, dass sein Wort wahr ist. Und der Heilige Geist führt uns zur Vollendung im Reich Gottes.

Bei diesem Bekenntnis zu Gottes Dreieinigkeit: Gott dem Vater, Gott dem Sohn und Gott dem Geist unterscheiden wir uns als Christen von allen anderen Religionen der Erde, auch von den Juden und Muslime, die sich, ebenso wie wir, zu dem einen und einzigen Gott bekennen.

Die Glaubensverkündigung von Gottes Dreieinigkeit wurde bereits im 4. Jh. Nach Christi Geburt auf den Konzilen in Nicäa und Konstantinopel manifestiert.

Den Ursprung zu der Dreieinigkeitslehre finden wir im Neuen Testament. Der auferstandene Jesus Christus fordert selbst seine Jünger auf, die frohe Botschaft unter den Völkern zu verkündigen und sie zu taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, so nachzulesen bei Matt. 28, 19.

Und in Zeiten arger Bedrängnis der Gemeinde in Korinth schließt der Apostel Paulus seinen zweiten Brief mit den Worten:

[TEXT]

Das Geheimnis der Dreieinigkeit ist groß. Immer wieder haben Menschen es versucht, diesem Geheimnis durch die unterschiedlichsten Bilder näher zu kommen: Das Dreieck hat drei Seiten und ist doch nur eine Figur. Das Wort "Ein" hat drei Buchstaben und ist doch nur ein Wort. Ein Akkord besteht aus drei Tönen und ist doch nur ein Akkord. Die Tulpe ist ein Wesen und doch besteht sie aus Blüte, Geruch und Farbe. Und die Sonne ist nur eine, und doch erscheint sie uns als Wärme, Strahl und Licht.

Von Gott dem Schöpfer, dem Offenbarer und dem Vollender wird in der christlichen Überlieferung von drei "Personen" gesprochen, ohne dass dabei an drei verschiedene Gottheiten gedacht wird; es ist der eine, dreifach wirkende und schaffende, der dreieinige Gott.

Die Dreieinigkeitslehre, liebe Gemeinde, weist uns auf das unergründliche Geheimnis hin, welches sich uns im Wort und Geist Gottes offenbart. Gott ist größer als alles, was wir uns überhaupt vorstellen und denken können.

Allerdings können wir von Gott als den Schöpfer, den Offenbarer und den Vollender sprechen, weil wir ihn in dieser dreifachen Weise erfahren dürfen.

Wir sind vergängliche, von Gott gewürdigte Geschöpfe, und dürfen an seinem schöpferischen Wirken mitarbeiten.

Gott hat uns zugesagt, dass er uns annimmt, obwohl wir dies nicht verdient haben. Und wenn wir uns an sein Wort halten, dann werden wir frei von uns selbst. Dann werden wir frei für die Wahrheit und frei sein für seine Liebe. So werden wir, wenn auch nur in kleinen Stücken, neue, von Gott erfüllte Kreaturen.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde, die Gnade, die in Jesus Christus geworden ist, steht hier an erster Stelle. Von dieser Gnade leben wir.

Gott hat seinen Sohn aus Liebe gesandt, um uns Gnade zu schaffen – denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3, 16) – und der Heilige Geist versetzt uns in die Gemeinschaft mit Gott.

Die Liebe Gottes ist der Ursprung der Gnade. Und wenn wir in diesem Zusammenhang über das Kreuz Jesu Christi reden, dann können wir auch nicht von der Liebe Gottessprechen, denn dann wird Gott zu einem beliebigen Gott.

Die Liebe Gottes erreicht ihren Höhepunkt in Jesus Christus und zwar dort, wo er zugrunde geht, damit wir leben können. Jedes Gespräch über die Liebe Gottes, außerhalb Jesu Tod am Kreuz verfälscht die Dreieinigkeitslehre.

Der Heilige Geist, liebe Gemeinde, schafft Gemeinschaft; er führt zusammen, er führt uns zu Gott. Und deshalb ist es so wichtig ihn um sein Wirken zu bitten, damit dieser Geist in uns arbeite, damit wir viel Frucht tragen unter den Menschen.

Was Gott will und was Jesus Christus tut, das gibt uns der Heilige Geist.

Obwohl hier in drei göttlichen Personen unterschieden wird, ist es doch nur der eine, der dreifach wirkende und schaffende, der dreieinige Gott.

Liebe Gemeinde, unser Defizit im Glauben an den dreieinigen Gott scheint bei uns recht groß zu sein. Doch was können wir tun um dieses Defizit auszugleichen?

Wir können, so denke ich, die Gnade Jesu Christi ergreifen und annehmen, sowie die Liebe Gottes erfahren und so die Gemeinschaft des Heiligen Geistes erleben.

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