Er lebt!

Liebe Gemeinde!

Seid er in ihr Leben trat, war das Leben nicht mehr das selbe. Es hat sich verändert von Grund auf. Und was war das vorher für ein Leben! Sie war niedergeschlagen und deprimiert. Konnte dem Tageslicht nicht ins Auge sehen, weil sie sich fürchtete, vor dem was der Tag wohl bringen mochte. Andererseits fürchtete sie sich auch vor der Dunkelheit der Nacht. Sie konnte die Augen nicht schließen, weil sie Angst hatte vor den Bildern, die sich in der Nacht selbständig machten und den Schlaf zur Qual werden ließen. Traumbild und Wahrheit vermochte sie nicht zu unterscheiden. Es waren gewaltige Mächte, die sie bedrängten. So bekam sie nachts kein Auge zu und tagsüber wagte sie nicht sie zu öffnen. Sie konnte der Realität nicht ins Auge schauen, es war wie verhext. Wenn der eine Traum vergessen war, spielte sich der andere in den Vordergrund ihres inneren Wesens und lähmte sie, so dass sie kaum für ihren Lebensunterhalt sorgen konnte. Und andere Menschen sprachen schon gar nicht mehr mit ihr. Machten einen Bogen um sie, wenn sie sie sahen. "Die ist von allen guten Geistern verlassen!" sagten sie. Mit so was gab man sich nicht ab. Von allen guten Geistern verlassen,… Dabei fühlte sie sich, als sei sie von sieben bösen Geistern besessen. Sie wusste nicht mehr ein noch aus, es hätte nicht viel gefehlt und sie hätte… doch dazu kam es nicht. Denn er trat in ihr Leben.

Er erschien eines Tages in ihrem Dorf und erzählte er sprach mit seiner ruhigen Stimme und die Leute hörten ihm zu. Was er sagte war so schön, das brachte die inneren Stimmen und grauenvollen Bilder zum für einen Moment zum Schweigen. Sie konnte die Augen öffnen und dem Tag ins Auge sehen, und sie konnte ihn sehen. Und in ihm sah sie eine besondere Kraft, wirken, mehr als menschliche Kraft, sie sah in ihm einen Menschen der so war wie kein anderer, einen Menschen, der übermenschlich war, und doch sich zu ihr so menschlich verhielt wie kein anderer Mensch je zu vor. Er nahm sie an, so wie sie war. Gab ihr keine Ratschläge, wie sie sich von den Depressionen befreien könnte, er gab ihr keine Hausmittel, wie sie abends in den Schlaf finden konnte. Er sprach nur, erzählte Dinge, die sie noch nie gehört hatte. Er sprach von Güte und Liebe. Von Mitmenschlichkeit und Gnade. Er sprach davon, dass Gott die Menschen liebt, Gott, vor dem sie sich doch so gefürchtet hatte, weil sie dachte, dass er die Geister geschickt hatte, um sie zu bestrafen. Gott liebt mich, das hatte sie von ihm erfahren, und nun konnte sie auch sich selbst wieder lieben, durch die Begegnung mit ihm war alles anders. Sie konnte wieder das Tageslicht sehen und abends ohne Angst schlafen. Er hat diese bösen Geister vertrieben. Die Begegnung mit ihm hat ihr Leben verändert. Und was hielt sie noch hier n ihrem Dorf in Magdala. Hier hatten alle nur auf sie herabgeschaut. Und wenn sie niedergeschlagen war, weil sie wieder keinen Schlaf bekommen hatte, dann tuschelten sie sich vielsagende Dinge zu, rümpften die Nase und hielten ihre Kinder fest, als wäre sie das personifizierte Böse.

Nein hier hatte sie nichts mehr verloren. Sie zog mit ihm mit. Den erhatte ja immer eine Schar Leute um sich herum. Eine ganze Anzahl Männer, und auch einige Frauen. Diese Menschen sogen sein Worte in sich ein genauso wie sie. Zu denen wollte sie gehören. So brach sie die Zelte in Magdala ab, und begann ein neues Leben. Eine grundlegende Veränderung, war in ihrem Leben vorgegangen. Für sie war es als ändert sich mit einem Mal die ganze Welt. Wenn später einer mal die Geschichte dieses Mannes aus Nazareth aufschreiben würde, dann wäre diese Veränderung ihres Lebens sicher nur eine Randnotiz wert. Aber für sie war es ein Meilenstein. Das Ereignis in ihrem Leben. Bis dahin jedenfalls. (Lk 8,2) Sie ahnte schon, das Sie mit diesem Mann noch einiges erleben würde. Sie ließ sich darauf ein. Er konnte sanft sein, zu Kranken und zu Kindern. Aber erkonnte auch auf den Tisch hauen, wenn es nötig war und wurde laut, wenn er merkte, dass Gottes Ehre mit Füßen getreten wurde. Er ging auf Menschen zu, die andere schon längst abgeschrieben hatten, deshalb zog sie mit ihm und den anderen über die Dörfer.

Das Leben bot Überraschungen Schlag auf Schlag. Sein Ruhm hatte sich bis in die Hauptstadt herum gesprochen. Die Menschen jubelten ihm zu. Und mit ihm in diese Stadt voller gelöster und freudiger Menschen einzuziehen, das war fast das schönste Erlebnis in ihrem Leben. Doch auf einmal schien wieder alles so zu werden wie früher. Von einem Tag auf den anderen änderte sich die Stimmung. Es war als ob die Geister sie wieder gefangen hielten. Man war zwar noch unter sich, aber er sprach von Tod, von seinem Tod. Die Männer um ihn herum waren auch nicht mehr die selben und ehe man es sich versah, fand sie sich an dieser schrecklichen Städte wieder. Sie stand wie gelähmt daneben, ein Gefühl wie sie es noch nie hatte. Nicht wie die bösen Geister, die sie gefangen hielten nein, anders: es war als ob sie außerhalb ihres eigenen Körpers stand, sie musste mit ansehen, wie der geliebte Meister getötet wurde. Und er? Er nahm es wie immer ganz ruhig. Jedenfalls hatte sie den Eindruck, als sie sah, wie er an diesem Marterinstrument noch seine Familienverhältnisse regelte. Er sorgte dafür, dass seine Mutter versorgt war nach seinem Tod.

Doch dann sagte er diese Worte, seine letzten: "Es ist vollbracht!" Sie war nur von einem Gedanken bewegt, sie musste etwas für ihn tun, ihm die letzte Ehre erweisen, ihm einen würdiges Grab bereiten. Sie wunderte sich selbst wie gefasst sie war, ganz anders als vor der Begegnung mit ihm. Aber sie hatte eine Aufgabe, und die musste sie ausführen. Doch auf ein Mal war es wieder fast wie früher.

Das konnte doch nicht sein! Kann man denn nicht wenigstens die Toten ruhen lassen? Der Stein war von der Grabhöhle weggerollt! Waren schon Grabschänder da? Was suchten sie bei ihm? Er hatte doch nichts außer, seinen sanften Worten. Sie rannte zurück zu den anderen, sie mussten helfen. Und sie konnte nicht an sich halten und weinte. Doch es begann fast wieder so zu werden wie früher, sie konnte vor lauter Tränen nicht aus den Augen schauen. Da waren zwei Männer. Sie fragen sie, warum sie weint. Früher hatte sich nie jemand um sie gekümmert, wenn sie Tränen vergoss. Doch die Zeit war vor bei, sie antwortete: "Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben." Und sie hörte die Frage noch mal, von der anderen Seite. Was war heute nur los? Langsam fasste sie sich wieder und dachte, du musst jede Chance ergreifen, seinen Leichnam zu finden, das ist das einzige was du für ihn noch tun kannst.

Wer fragt da, vielleicht ist es ein Gärtner, soll er doch helfen, sie überwandt ihre Angst und sprach ihn an: "Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen." Die Tränen hatten sich inzwischen gelegt. Sie konnte klar erkennen, was vor ihren Augen geschah. Sie nahm war, dass der Mann hinter ihr stand, der wohl der Gärtner sein musste, sie sah das leere Grab, jetzt hieß es alle Sinne beisammen zu halten, jetzt hieß es richtig handeln. Jetzt durfte nichts ihren Sinnen entgehen. Und wenn es das einzige war, was sie noch tun konnte. Wenigstens ein würdiges Grab sollte er haben. Doch da geschah, etwas wunderbares, sie hörte ihren eigenen Namen. Maria! So hat er sie damals angesprochen! Als die Geister von ihr wichen, als sie wieder klar denken konnte. Sie hörte ihren Namen und wandte sich um. Was jetzt geschah ging alles so schnell, dabei war es das größte, was ein Mensch erleben kann. Sie wusste, er war da. So sprach nur er ihren Namen aus. Sie blickte sich um. Es war nicht einmal die Stimme, an der sie ihn erkannte, es war nicht das Gesicht, das sie wiedererkannte. Es war die Tatsache, dass in ihrer schlimmsten Stunde, die sie seit langem erlebt hatte, ihr Name erklang. Wer hätte sie hier gekannt in der fremden Großen Stadt. Sie hörte ihren Namen, es ging alles so schnell, das konnte nur eines bedeuten. Er lebt! Sie fasst allen Mut zusammen und spricht: Meister!

Und dann bricht es ihr heraus und sie will ihn berühren, will ihn umarmen und ihn nie mehr weglassen! Er lebt! Es war so wie früher, wo man nie vor Überraschungen sicher war. Er lebt! Und zaghaft erinnerte sie sich an seine Worte. Hatte er nicht einmal gesagt, dass er den Tod überwinden wird. Doch damals hat man nicht an den Tod gedacht. Die Worte des Lebens hat man in sich aufgesogen. Doch was sie jetzt erlebte, war mehr als sie jemals erträumt hatte. Umarmen wollte sie ihn, nie mehr fort lassen wollte sie ihn. Doch er war wieder für Überraschungen gut. "Rühr mich nicht an!" Das hatte sie früher selbst gehört, wenn sie einem Menschen zu nahe kam, als sie noch krank war. Doch nun sagte er es: "Rühr mich nicht an!" Was sollte das bedeuten? Wenn er doch wieder lebt, dann ist doch alles wie früher, warum darf ich ihn nicht anfassen. Und seine Worte klangen nach in ihr: "Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater." Er ist da, er lebt, doch es ist anders als früher. Es wird auch niemals wieder so sein wie früher, aber er ist da, er lebt. Und sie hörte ihn sagen: "Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott."

Nun wusste sie, was sie zu tun hatte. Heute morgen dachte sie, das einzige, was sie für ihn tun könnte, wäre, das Grab würdig zu bereiten, doch jetzt wusste sie, sie musste jedem erzählen, dass er lebt. Doch wie? Wie sollte sie das tun? Wie sollte einer nachvollziehen, was sie erlebt hatte. Sie hatte ihn weder vom Ansehen erkannt, noch an der Stimme. Sie hatte ihn daran erkannt, dass er ihren Namen rief. Dass er sie aufrichtete, als sie niedergeschlagen war. Eigentlich hat er sie erkannt. Das ist ja das besondere an ihm, dass er das Leben eines Menschen verändern kann, dass er das Leben neu schenken kann, so hatte sie es ja selbst er lebt, als sie noch von allen guten Geistern verlassen war. Erlebt, das muss sie allen erzählen, aber begreifen kann sie es nicht. Begreifen durfte sie es ja auch wahrhaftig nicht. Sie durfte nicht nach seinen Händen greifen, und ihn umarmen. Er geht zu seinem Vater in den Himmel.

Vielleicht wird sie dann begreifen was geschehen ist. Doch auch jetzt war sie schon glücklich, er lebt. Sie musste es den anderen erzählen. Er lebt, aber nicht so wir ihr meint. Ihr könnt ihn nicht einfach sehen, so wie man einen alten Freund von weitem auf der Straße erkennt. Ihr müsst warten, bis er euch erkennt. Und das merkt ihr daran, dass euer Leben verwandelt wird, das eure Tränen versiegen, dass ihr überfließt voller Liebe. Ihr Merkt es daran, dass ihr euch erleichtert fühlt. Erleichtert von allen Lasten die auf euch lagen. Ihr fühlt euch wie neu geboren. Ja, das muss ich euch sagen: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt. Maria! Meinen Namen hat er zu mir gesagt. Und das er bei Gott sein wird. Dann können wir ihn begreifen, dann können wir ihn erkennen, wenn wir wissen, dass er uns meint, wenn wir erkennen, dass er mein Leben verändert, dann erkennen wir den Auferstandenen Herrn Jesus Christus. Der Glaubende wird sehen er ist auferstanden. Wer nur mit den Augen nach Sensationen giert, wird ihn nicht erkennen. Wer auf sein Herz hört, und weiß, dass er für ihn lebt, der lebt mit ihm. Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt. Maria! Er hat meinen Namen gesagt, er hat mich selbst angesprochen, so wie damals, als er mich befreit hat von den bösen Gedanken und Träumen. Er hat zu mir gesprochen. Das muss ich den anderen sagen, damit sie auch hören können, ob er sie anspricht, damit sie erfahren können, dass er lebt, dass er für sie lebt. Ich konnte ihn nicht berühren, aber ich konnte ihn begreifen! Ich konnte begreifen, dass er lebt mit Gott seinem Vater, der auch unser Vater ist.

So wie er mich angesprochen hat, wird er nun alle Menschen ansprechen können, die wissen das Gott da ist. So wie er mich befreit hat von dem, was mich bedrückt, wird er nun alle befreien, von ihren Lasten, alle die sich von ihm ansprechen lassen. Er lebt. Ich habe ihn gesehen. Ich habe erfahren, er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

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