Er ist wahrhaftig auferstanden!

Liebe Schwestern und Brüder!

"Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!" Das ist von alters her der Ruf und die Botschaft von Ostern und bedeutet: Ostern: das Fest der Auferstehung. Ostern: das Fest des Lebens. Ostern: das Fest bzw. der Sieg des Lebens über den Tod. Ostern: die Erinnerung an die Auferweckung Jesu und die Hoffnung auf die eigene Auferstehung von den Toten. Ostern: das Fest der göttlichen Liebe und des universalen Heilsereignisses; Auferstehung von den Toten und der Hoffnung des ewigen Lebens. Ostern: der Anlass der gleichnamigen Ferien. Ostern: 35 km Stau zwischen Frankfurt und Würzburg. Ostern: die Chance zum Kurzurlaub und Osterspaziergang. Ostern: das Fest der Freude.

"Christus ist auferstanden!" Den Ruf der Frauen und die Mitteilung des Engels schienen die Jünger vergessen zu haben. Sie waren erschrocken und fürchteten sich, meinten sogar einen Geist vor sich zu sehen, wie der Evangelist Lukas schreibt. Erst langsam konnte Jesus die Jünger gegen alle Skepsis, Angst und Befürchtungen davon überzeugen: dass er es ist. Der Gekreuzigte und Auferstandene in einer Person; leiblich gegenwärtig, was die Jünger buchstäblich "begreifen" können. Ein Mensch stand vor ihnen mit "Fleisch und Knochen", der Gekreuzigte und der Auferstandene in ein und derselben Person und mit ein und derselben Identität. Die Jünger zögerten bevor sie begriffen, wer vor ihnen stand. Sie können sich denken, dass darüber, über diesem ganzen Heilsgeschehen Skepsis lag. Und wir lernen auch damals gab es sie schon: die Zweifel an der Auferstehung und den Gesichtsausdruck des zeitlosen ungläubigen Thomas, der immer das gleiche wiederholt: "Ich glaube nur, was ich sehe", so oder so ähnlich antworten viele Menschen auf die Frage, ob sie an einen Gott oder an ein höheres Wesen glauben würden. Und weil sie ihn nicht sehen, können sie natürlich nicht an in glauben.

Andere -weniger skeptische Menschen- sind der Meinung, dass es einen Gott geben könnte, allerdings habe der nichts mit dem Christentum zutun; aber Buddha oder die jüdische Kabbala seien ziemlich interessant, vor allem für Schauspieler und Popstars, weil die wissen ja auch, was für uns gut ist.

Wieder andere -philosophische belesene und gebildete Menschen, manchmal auch die Gebildeten unter den Verächtern der Religion- sind der Ansicht, dass ein Glaube an Gott nur eine Projektion des menschlichen Geistes sei, um übersinnliche Phänomene zu erklären. Der Philosoph Feuerbach lässt grüßen. Und die ganz kritischen verneinen grundsätzlich eine Existenz Gottes, weil es keinen Beweis für ein höheres allmächtiges Wesen gebe. Für sie ist der einzige Gott der Menschen der Mensch selbst , was dabei rauskommt sieht man täglich im Fernsehen, in den Nachrichten …

Noch eine andere Gruppe von Menschen vertritt die Auffassung, dass der christliche Gott nicht existiere, aber es gäbe so etwas wie ein höheres Wesen, was man in der Natur oder durch eine intensive Beobachtung des Lebens erkennen könne. Und dann gibt es noch die Opportunisten, die Gott nur in den schlechten Zeiten des Lebens für alles mögliche verantwortlich machen. In den guten Zeiten benötigen sie selbstverständlich keinen Gott. Und schließlich gibt es – Gott sei dank- auch noch diejenigen, die an Gott und seine Existenz in Jesus Christus in der Gemeinschaft des Hl. Geistes glauben. Und die auch an die Auferstehung von den Toten glauben.

Die Frage nach Glauben, Unglauben und Zweifel ist fast so alt, wie die Menschheit. Und der Evangelist Lukas setzt gegen diese Skeptiker und Schwärmer, die sich gegen eine leibliche Auferstehung wehren, diesen massiven Auferstehungsrealismus: der Auferstandene zeigte seine Hände und Füße, er war zu "begreifen" und er aß einen Fisch. Der Evangelist schrieb diesen Text nicht für mehr oder weniger aufgeklärte Menschen am Ende des 20. Jahrhunderts, sondern an griechische Gläubige am Ende des 1. Jahrhunderts.

Und wer sich heutzutage hinstellt und aufklärerisch prahlt, Christen, die an die Auferstehung von den Toten und den göttlichen Sieg über den Tod glaubten, seien womöglich über Jahrhunderte von der ach so bösen Kirche und ihren auf Herrschaft über die Gläubigen aus seienden Theologen für dumm verkauft worden, der bewegt sich auf einer beliebten und medienwirksamen Spielwiese für die Kritik. Der Göttinger Theologe Lüdemann wiederholt doch nur sehr medienwirksam, was andere schon viel früher und besser getan haben. Er wiederholt die Zweifel an der leiblichen Auferstehung, er beschwört den kritischen Geist der Wissenschaft zu Skepsis beim "leeren Grab" und kommt zu der vermeintlich logischen, rationalen und wissenschaftlich durchdachten Erkenntnis: Christus könne nicht auferweckt worden sein von den Toten.

Unverschämt und höhnend wird er allerdings dann, wenn er der Kirche und ihren Vertretern unterstellt, sie verbreite Lügen und massive theologische Irrtümer. Wir verkünden keine Irrtümer und auch keine Lügen! Wir verkünden Glaubenssätze und Glaubenswahrheiten. Und dass Christus auferstanden ist von den Toten, dass ist in erster Linie ein Bekenntnis, ein Glaubenssatz. Glauben heißt bekanntlich nicht wissen. Wir beweisen nicht die Existenz Gottes. Wir glauben an die Existenz Gottes, der aus dem Tod neues Leben schafft und Christus von den Toten auferweckte.

Liebe Schwestern und Brüder! Glauben ist immer mehr als Wissen. Glauben ist immer mehr als wissen und pure logische, rationale und wissenschaftliche Erkenntnis, weil im Glauben eine Dimension der Wirklichkeit beschritten wird, die nicht auf Beweise und Logik aus ist, sondern alles daransetzt, dass Gott unsere Wirklichkeit mit seinem Wort und seiner Tat durchdringt. Und wieso steht denn fest, dass das, was wir für wirklich halten, die einzige mögliche Wirklichkeit ist? Wirklichkeit ist immer eine Sache der Interpretation. Unsere Interpretation der Wirklichkeit ist: Es gibt einen Gott wie in die Bibel und Geschichte bezeugen, der seinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser, auferweckte von den Toten und uns durch den Glauben an ihn die Gewissheit der Auferstehung und des ewigen Lebens schenkte. Und zu diesem Jesus Christus bekennen wir uns, mit unserer Stärke und unserer Schwäche, mit unserem Glauben, aber auch hin und wieder mit unseren Zweifeln. Wir glauben, dass sein Geist, der Heilige Geist mitten unter uns lebt und uns Menschen zu Liebe, Nächstenliebe und immerwährender Hoffnung anspornt. Wir bekennen, dass er auferstanden ist von den Toten und dass er lebt. Das ist das Bekenntnis und die Verheißung von Ostern. Bloß wir zeigen leider viel zu wenig von der österlichen Freude, von der Macht der Erlösung, die uns ins Gesicht geschrieben sein müsste, die man nicht sieht und den Philosophen Nietzsche zum Hohn über das Christentum bewog. Und wenn Jesus auch uns zuspricht: "Friede sei mit dir" und es nicht zur Floskel werden soll, dann müssen wir dafür Sorge tragen, dass Friede in die Welt kommt im privaten, familiären und gesellschaftlichen Rahmen, durch Wort und Beispiel, durch Liebe und Tat der Liebe. Auch im Kosovo und für die Menschen des Kosovo.

Wo sagen wir in unserem Leben: Jesus lebt, mit ihm auch ich? Wie nimmt der Glaube an ihn, den Gekreuzigten und Auferstandenen, bei uns sozusagen "Fleisch und Knochen", Kontur an? Wie und wo "begreifen" wir ihn im wörtlichen Sinn, den lebendigen Gott.

Am Ende des Predigttextes heißt es: "Und siehe, ich will euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt … ausgerüstet werden mit der Kraft aus der Höhe": "Ausgerüstet mit der Kraft aus der Höhe" begegnen mir im Leben immer wieder Menschen oder Situationen, in denen mir der lebendige Jesus bezeugt wurde.

Und wenn ich begreife und glaube, dass die Auferweckung nicht nur ein "Symbol" ist, sondern ein Heilsereignis Gottes, dass Veränderung in mir bewirkt, dann kann ich jeden Tag neu ‚aufstehen‘ mit der Gewissheit der Gnade und Treue Gottes. Dann schenkt Gott mir auch die Kraft um einen Neuanfang zu beschreiten, wenn es mich in die Irre führen sollte. Verkrustete Beziehungen können sich verändern. Menschen werden durch die Macht der göttlichen Kraft und Liebe erneuert. Und weil Gott ein lebendiger Gott ist, der die Macht des Todes ein für allemal besiegte und ewiges Leben verheißt, weil er uns Menschen als seine Kinder kennt, will er, dass wir seine Lebendigkeit, seine Kraft und Dynamik als Auftrag im eigenen Leben umsetzen. Und das geschieht durch die Auferstehung mitten in unserem Leben und dabei ist sein Reich dann auch punktuell zu sehen. Da blitzt es es auf, das Reich Gottes, vielleicht unscheinbar, aber im Effekt für viele Menschen gewaltig. Der Glaube an die Auferstehung ist kein statisches und leeres Dogma, sondern eine wunderschöne verändernde Tat Gottes für uns Menschen. Gott will, dass wir mit Ostern leben. Und die österliche Lebenspraxis, die Verkündigung des lebendigen Gottes Sohnes, unser Auftrag, kann im eigenen Leben vielfältig geschehen. Es bedeutet sowohl Freude über die Liebe der Nächsten, das Glück des wortlosen Verstehens in der Familie oder Partnerschaft, das Einssein und die Fülle als auch das Wissen über den Schmerz, das Nichtverstehen, die Fremdheit und das Entbehren. Beides gehört zum Glauben und zur Liebe, beides kommt aus Gottes Hand, beides gehört zur Verkündigung des lebendigen Gottes. Und Jesus Christus verkündigen heißt dem lebendigen Gott Vertrauen zu schenken und zu folgen und davon auszugehen, dass Jesus mitten unter uns aufersteht. Gleichwie der Osterruf gilt: "Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!"

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