Einfach himmlisch – aber nicht kostenlos!

Liebe Gemeinde,

heute entführt uns die Bibel in die Welt von „Tausend und einer Nacht“, der Orient mit seinen geheimnisvollen Kostbarkeiten leuchtet uns entgegen. Die Welt der Düfte, das Reich von Gold und Damast, wertvollen Steinen und Perlen nimmt für einen winzigen Augenblick unsere Gedanken gefangen. Von einem Schatz ist die Rede, von einer kostbaren Perle. Stammt sie aus Ceylon, ist sie vom persischen Golf nach Palästina gekommen? Erst in Hellenistischer Zeit findet sie ihren Weg ins Heilige Land; früher kannte man nur die roten Korallen, nannte sie Perlen, aber gegen die Schönheit, die mit den echten Perlen daherkam, konnten diese schwer mithalten. Die Schönheit der Perlen ist überwältigend, ihr matter edler Glanz trägt den Nimbus des Luxus, des Exotischen, ja des Überweltlichen und man erzählte sich, dass sie ihr Entstehen dem Tau des Himmels zu verdanken haben. Echte Perlen waren einfach himmlisch.

Ist es ein Wunder, wenn man beim Anblick der Perle, des Schatzes alles andere vergisst?! Wenn einer findet, was Herz, Sinn und Verstand in Bann nimmt, dann gibt es nur eines: er muss in Besitz der Kostbarkeit kommen. Er muss den Schatz, muss die Perle haben. So führt uns die Bibel vor Augen, wie das ist, wenn einer gefunden hat, wonach er sich ein Leben lang gesehnt hat. Die Bibel nennt es „Himmelreich“. Nun: der Himmel darf ruhig noch ein wenig warten, wir wollen diese Erde genießen: ihre Schönheit, ihren Glanz. Aber das Himmelreich ist ja etwas anderes als ein fernes Land hinterm Horizont, es ist kein Land der Träume, es ist nicht nur das Jenseits, von dem keiner so recht wissen kann wie es sein wird. Mit dem Himmel kommt ein Geheimnis daher. Jesus sagt: Das Himmelreich ist mitten unter euch: hier, jetzt, heute, kann der Himmel, kann Gottes Ewigkeit gespürt, geschaut, erlebt werden. Manchmal kann es geschehen, dass der Himmel plötzlich ganz nahe ist, wir sind uns mit allen Fasern unseres Herzens bewusst, dass wir geliebte Kinder Gottes sind: hier und heute. Dann geht es uns wie jenem Mann, der plötzlich mitten in einem Alltag auf den Schatz stößt, der ihm keine Ruhe lässt, bis er ihn auch wirklich hat. Das Himmelreich kann offenbar aber auch gesucht werden, das sagt Jesus jedenfalls. Wie ein Juwelier, der es zu etwas bringen will, immer auf der Jagd nach begehrter, kostbarer, erlesener Ware ist, so dürfen wir Menschen den Himmel suchen und auch finden. Nur kostenlos geht das offenbar nicht. Und das ist wohl der Haken an der Geschichte. Gerade wir Menschen im Westen möchten doch am liebsten alles haben: Reichtum, Glück, Geld und auch noch Seelenfrieden, Frieden mit Gott.

Nichts möchten wir davon missen, nichts davon hergeben.

Verzicht ist für uns ein Fremdwort, wir verzichten in der Regel nur dann, wenn uns nichts anders übrig bleibt. Wir verzichten auf üppige Nahrung, wenn der Cholesterinspiegel in bedenkliche Höhe steigt. Wir verzichten nur, wenn der Arzt uns verordnet, ein wenig den Gang zurückzuschalten. Wir verzichten, wenn die Kasse am Monatsende ebbe ist oder die Telefonkarte wieder einmal abgelaufen ist.

Und nun kommt Jesus mit seinem schillernden, doch reichlich unbequemen Gleichnis …

Freilich möchte ich die Perle haben, von der Jesus spricht, ich will Frieden, Harmonie, Ausgeglichenheit, ich will Gottes Nähe spüren, mich gehalten und getragen wissen; aber mein normales Leben aufgeben – nein, das möchte ich nicht. Ich möchte Angenehmes und Nützliches verbinden.

Doch im Geheimen befürchte ich, meine Rechnung geht nicht auf. Die Perle, Gott, zu finden, bedarf es einen freien Blickes und leichten Gepäcks. Ich kann nicht Gott und dem Mammon dienen, wenn mein wahrer Schatz nicht auf der Strecke bleiben soll. Das Reich Gottes gibt es nicht zum Nulltarif. Ich muss Ballast abwerfen, ich muss mir Zeit nehmen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ich muss wieder auf die Stimme in mir hören, auf den Hauch des Atems, mit dem Gott mich geschaffen hat, erst dann werde ich Entdeckungen mache, Schätze bergen, von denen ich bislang nichts ahnte.

So fange ich zu träumen an: Es war einmal ein Mensch, der hatte Wohnung, Familie und auch ein paar Euro auf der Kasse und er ging hin und suchte nach Gott, und er nahm sich Zeit, spürte seinen Atem kommen und gehen, lauschte den Vögeln, wenn sie am Morgen ihr Lied anstimmten, legte Dinge, die warten konnten, zur Seite, wenn einer mit Sorgen zu ihm kam. Er ließ sich von der Not anderer anrühren, verschenkte Zeit und Geld. Er brauste nicht gleich auf, wenn etwas nicht nach Plan ging.

Und er fand und sie fand: Gott – das Himmelreich – das Glück.

drucken