Eine Mutmachgeschichte

Liebe Schwestern und Brüder!

"Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen", so lautet das alte Sprichwort. Man kennt die heilsame Wirkung des Essens auf die Seele nicht erst durch das Kaffeetrinken, den Leichenschmaus oder den "Tröster" wie es in meiner Heimat heißt nach der Beerdigung eines Menschen. Essen stabilisiert die Psyche und viele Bestandteile (Kohlenhydrate, Vitamine und Fett) des Essens sind notwendig für das seelische Wohlbefinden von uns Menschen. Auch stabilisiert das gemeinsame Mahl die familiäre Seele, das Miteinander von uns Menschen. Und der Prophet Elia, einer der ersten und ältesten Gottesmänner des AT, fühlte sich zum Zeitpunkt unseres heutigen Predigttextes wie ein Mensch der vor Frustration und Depression sterben wollte. Er sagte zu Gott: "Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter." Er wollte sterben, denn der König Ahab und die Königin Isebel trachteten im nach dem Leben. Sie wollten ihn fertig machen, weil er gegen ihre heidnische und gotteslästerliche Vorgehensweise vorging. Aus Angst, Frustration und innerlicher Depression wollte Elia in der Wüste unter einem Wacholderbaum sterben.

Wir haben gehört, was geschah. Ein Engel sprach im Traum zu ihm und befahl ihm sich an Leib und Seele durch Essen und Trinken zu stärken. "Steh auf und iss" heißt der Befehl. Und Elia gehorchte und aß. Als er gegessen hatte, ging es ihm wieder besser, er schöpfte neue Kraft und machte sich auf zum Gottesberg Horeb. Soweit und kurz unsere heutige Geschichte. Aber was hat die Situation des Elia mit uns zu tun? Und was sollen wir daraus hören und vielleicht lernen?

Auch wir kennen die Reaktion: Es ist genug! Es reicht Herr, ich habe genug gelitten mit meiner Krankheit. Die Krankheit hat mich verändert, sie beherrscht mich und sie hat mich ganz klein und wehrlos gemacht. Sie hat nicht nur meinen Körper tyrannisiert, sondern sie scheint auch meinen Geist zu brechen, meine Seele, mein Innerstes, das, was mich zur einmaligen Person macht. Die Angst und Not in mir ist groß und die Angst und Not nimmt mir jeglichen Lebensmut. Viele die mit ansehen mussten wie ein schwer krankes Familienmitglied sterben musste, können das nachvollziehen. Die Hoffnung wird immer kleiner und die Not wird immer größer.

Es ist genug! Ich bin alt und einsam und liege bettlägerig in einem Altenpflegeheim. Keiner von meinen Angehörigen kümmert sich um mich. Und die Tage vergehen im ewigen Gleichklang. Es ist genug Herr, lass mich sterben und in dein ewiges Reich eingehen. Nimm mich zu dir und erlöse mich von dieser irdischen Trübsal.
Es ist genug! Damit resignieren viele Kinder und Jugendliche in der Schule, wenn sie bis dahin eine schlechte Schulkarriere hinter sich gebracht haben. Lassen Sie es Herr Marnach: Ich bin eben dumm und kann es nicht anders!, sagte einmal ein Schüler! Sie sind schulisch ausgebrannt, niedergeschlagen, deprimiert und resignieren. Sie geben sich auf, weil sie selten ein Erfolgserlebnis hatten und weil sie erbarmungslose Eltern haben, die durch den Druck der Ellbogengesellschaft schon früh zu viel von ihnen abverlangten. Und dann sterben sie schon in jungen Jahren den sozialen Tod. Es ist genug! Wir kennen noch viele drastische Beispiele für die Resignation und Frustration des Elia. Ein Mensch gibt sich auf und will nur noch sterben. Und wenn er nicht wirklich sterben will, dann ist er vielleicht schon innerlich gestorben.

Und doch geschieht in solchen schlimmen Situationen, dass ein Engel zu diesen Menschen kommt und Gott sich durch einen Mitmenschen gegenüber diesen offenbart und ihnen wieder neuen Lebensmut macht: Steh auf und iss! Diese Erfahrung machen nicht nur fromme und gläubige Menschen. Diese Erfahrung machen viele Menschen, die darauf vertrauen, dass Gott einen Engel zu uns schickt, der uns von unserer Angst, den Selbstzweifeln und der Resignation erlöst. Gott antwortet uns. Nicht immer so, wie wir es erwarten. Gott antwortet mit der Verheißung neuen Lebens. Mit der Verheißung seiner Nähe und Barmherzigkeit, mit der Liebe und Hilfe durch Mitmenschen.

Der Elia unseres heutigen Predigttextes stirbt nicht. Er bekommt, was er braucht: einen gesunden Schlaf, eine Hand auf seine Schulter, Brot gegen den Hunger und das Wasser des Lebens. Und verbirgt sich in diesen Augenblicken nicht alles, was wir füreinander tun können: den Boden, das Fundament dafür bereiten, dass ein anderer darauf fallen lassen kann, das Lächeln, das Mut macht, die Geste, die aufmuntert, der Besuch, die Anteilnahme signalisiert, die Blumen, die erfreuen? Und dann geschieht noch etwas Elementares, etwas Lebensnotwendiges:Stärkung durch Wasser und Brot: Das erinnert an Jesu Worte für uns das Brot des Lebens zu sein. Das Brot, das wir im Glauben an ihn im Angesicht miteinander teilen. Das Brot, das wir teilen, um dadurch neue Kraft zu schöpfen. Dadurch geschieht wider neues Leben unter der Verheißung dessen, der von sich gesagt hat: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Ich schenke dir Leben, auch wenn du stirbst und du wirst nicht sterben, wenn du an mich glaubst. Ich schenke dir ewiges, neues Leben. Vertraue darauf, hoffe darauf und glaube daran, wenn es dir schlecht geht und dein Lebenswille zerbricht.

An diese Worte und an die Mutmachgeschichte des Elia wollen wir uns erinnern, wenn wir meinen: Es ist genug! Und immer wenn wir sagen Es ist genug! können wir mit Dietrich Bonhoeffer beten:

In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede;
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld;
ich verstehe Deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.

drucken