Einblick in das Reich Gottes

Liebe Gemeinde,

wie war das bei Ihnen zu Hause üblich – in Ihrer Kindheit, mit Ihren Kindern – Gab es ein Weihnachtszimmer?

<i>[- evtl. aus der eigenen Kindheit oder Familie erzählen]</i>

Warum versuchen Kinder das? Warum versuchen sie manchmal herauszubekommen, was sie als Geschenk bekommen? Ist es der Zweifel, dass Weihnachten ausfallen könnte?

Ich denke nicht. Eher zweifeln sie nach so langer Wartezeit, dass es heute so weit ist. Und so lange es nicht mit eigenen Augen gesehen wird, bleibt immer noch ein Rest Zweifel. Vielleicht muss man doch erst ins Bett und es heißt wieder: Einmal werden wir noch wach.

Weihnachten kämen wir nicht mehr auf den Gedanken, durchs Schlüsselloch zu sehen, selbst wenn es noch ein Weihnachtzimmer geben würde und wir erst Heiligabend Zutritt hätten. Wir kämen auch nicht auf den Gedanken, Geschenke aufzuspüren – wir freuen uns auf die Überraschung oder würden uns gerne darauf freuen. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir auf Weihnachten nicht mehr warten – im Gegenteil meistens kommt es uns viel zu schnell.

Aber Wartezeiten kennen wir auch, Wartezeiten, die mit Hoffnungen verbunden sind.

– Denken Sie nur daran, als Ihre Kinder geboren wurden, welche Hoffnungen sich mit dem neuen, kleinen Leben verbanden. Hoffnungen, dass der Sohn oder die Tochter den Lebensweg meistern werden und einmal etwas Gutes aus ihnen wird. Nun ist man für die Zukunft blind, man kann nicht in die Zukunft sehen, auch wenn wir es uns wünschen. Gerne würden wir durchs Schlüsselloch sehen, ob unsere Hoffnungen erfüllt werden. Sie hoffen jetzt schon zum größten Teil für Enkel (Urenkel, für die eigene Zukunft). Was wird die Zukunft bringen, werden sie einmal eine Lehrstelle und eine Arbeit finden, wird das Leben und die Gesundheit zu teuer, wird man unsere Renten in Zukunft auch noch bezahlen können.

Aber wir sind in der Gegenwart gefangen – wir können nicht mal schnell einen Blick in die Zukunft tun, um zu sehen, dass schon alles gut gehen wird – um dann beruhigt weiterzuleben. Oder wissen Sie, ob dass was Sie in ihrem Leben alles getan haben bestehen bleiben wird – ob Ihr Leben, mit dem was Sie gesagt oder getan haben sinnvoll war – ob Ihre Lebenseinstellung, mit Glauben und Vertrauen auf Gott richtig war und die Hoffnung auf Gottes Reich in Erfüllung geht?

Für Johannes den Täufer, von dem wir eben im Evangelium gehört haben, waren diese Fragen sehr drängend und bedrängend geworden. Er wusste nicht viel von der Zukunft – aber eins wusste er für seine Zukunft sicher: Er war im Gefängnis und zum Tode verurteilt – und wartete nur noch auf die Vollstreckung.

So kurz vor dem Tod, sagt man, ziehe das Leben noch einmal vorüber. Nirgends sonst im Leben steht die Frage drängender – War mein Leben sinnvoll? Hinterlasse ich gute Spuren, die in die Zukunft weisen?

Johannes hatte sein ganzes Leben auf Gott ausgerichtet. Alles aufgegeben – lebte ohne Wohnung, ohne festes Einkommen, ohne festen Arbeitsplatz, hatte keinen Besitz, verzichtete auf alle Annehmlichkeiten des Lebens, damit er ganz dem Auftrag Gottes entsprechen konnte.

Ohne Kompromisse, sagte er allen die Wahrheit – den Armen und den Reichen, den Frommen und den Heiden, den Guten und den Bösen, den Kranken und den Gesunden. Denn vor Gott sind alle gleich blind und taub für Gottes Wort und Taten und lahm Gottes Reich zu bauen. Johannes kämpfte gegen die Blindheit und Taubheit für Gottes Wort – er kämpfte gegen die Lähmung die das Kommen des Reiches Gottes verhindert.

Im Gefängnis, den Tod vor Augen kommen ihm Zweifel: War das was ich sagte und tat richtig, war es sinnvoll, hat es Auswirkungen – waren nicht schon viele vor mir, die ebenfalls versuchten die Welt zu verändern und dann feststellen musste, dass alles beim alten geblieben ist. Die Menschen sind und bleiben blind und taub für Gott und deswegen bewegungsunfähig Gottes Reich zu bauen.

Deswegen denken zu viele nur an sich, deshalb reden zu viele schlecht über andere, deswegen teilen zu wenige mit anderen, deswegen werden zu viele allein gelassen – weil sie blind und taub sind, sehen sie nicht, dass alle Menschen zum Reich Gottes gehören, dass Gott alle Menschen liebt.

Zweifel können einem da schon kommen. Überlegen Sie einmal – kann ein Blinder sehen? – kann ein Tauber hören? – kann sich ein Gelähmter bewegen?

Die Zweifel des Johannes sind berechtigt. Was kann sich ändern? Einem Blinden kann man noch so viel zeigen – er sieht es nicht, einem Tauben kann man noch so viel erzählen – er hört es nicht, einem Gelähmten kann man noch so oft auffordern, sich zu bewegen – er kann es nicht.

Deshalb hat Johannes nicht nur von Umkehr und Buße gepredigt – er wusste, dass das kein Mensch von sich aus kann. Johannes hat den Retter angekündigt. Weil Gott gnädig ist – Johannes bedeutet auf deutsch = Gott ist gnädig – wird Gott selbst die Veränderung bringen zu der kein Mensch von sich aus fähig ist.

Vor seinem Tod, möchte Johannes auch gerne durch das Schlüsselloch sehen und wissen, ob es endlich soweit ist, oder ob weiter gewartet werden muss. So schickt Johannes zu Jesus und lässt fragen: Bist du, der von Gott kommen soll, oder müssen wir weiter warten.

Jesus sagt den Boten: Sagt Johannes, was ihr hört und seht. Und den Boten werden Augen und Ohren aufgetan und sie gehen froh zu Johannes um ihm zu sagen: Das Wunder Gottes ist geschehen: Die egoistischen Menschen, die blind sind für andere – sie sehen ihre Mitmenschen und behandeln sie nicht mehr wie Aussätzige, sie stoßen niemanden mehr weg, sondern sie achten aufeinander und stiften Freundschaften und lassen niemanden allein.

Die hoffnungslos Gelähmten, die sich vor lauter Sinnlosigkeit des Lebens nicht mehr bewegen konnten – sie gehen auf andere zu, die wie tot sind und richten sie auf – neues Leben entsteht – von Gott geschenkt. Die Tauben, die schon gar nicht mehr hinhören, weil sie für sich keine Gute Nachricht erwarten – sie hören wir gut es Gott gerade mit ihnen, den Hoffnungslosen meint und sie sagen es den Armen und Unterdrückten weiter.

Sie alle haben durch Jesus einen Blick in das Reich Gottes tun dürfen – wie durchs Schlüsselloch haben sie gesehen – nun wissen Sie Gottes Reich ist da – mitten unter uns – noch sind wir nicht drin, aber wir stehen vor der Tür und können immer mal schon einen Blick hineintun. Das Vertrauen auf Gott durch Jesus Christus lässt uns anders sehen, lässt uns anders hören und bringt uns in erwartungsvolle Bewegung.

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