Ein unerträglicher Gedanke

Liebe Gemeinde,

das ist ein schwieriger, wenn nicht sogar unerträglicher Gedanke, dass jemand durch unsere Schuld gestorben ist. Schuld weisen wir immer schnell von uns. Niemand will schuld sein an irgend etwas. Wir möchten nicht schuldig sein am Leiden und Unglück anderer. Es macht uns zu schaffen, wenn andere durch unsere Schuld zu Schaden gekommen sind. Wir wissen aber auch, dass wir immer aneinander schuldig werden.

Die vielfältigen Redewendungen sind uns durch unseren eigenen Gebraucht geläufig: "Du bist schuld! Selbst schuld! Die kleinen Sünden bestraft der liebe Gott sofort! Ich habe keine Schuld daran!" Pontius Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld.

Schuld verdrängen wir eher in unserem Leben. Wir wollen sie uns auch nicht anrechnen lassen. Der Beter im Ps 130.3 sagt: "Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst Herr, wer wird bestehen?" Niemand! Kein Mensch kann vor Gott bestehen. Gott hat vielmehr unsere Schuld und Sünde auf Jesus Christus gelegt, damit wir mit ihm Frieden haben. So hörten wir es auch gerade im Gottesknechtslied aus dem Propheten Jesaja.

Jesus leidvolle Sterben, sein qualvoller Tod unterscheidet sich von allem leidvollen und sinnlosen Sterben in der Welt. Der Grund liegt darin, dass Gott ihn aus dem Tod gerufen hat und Christus von den Toten auferstanden ist. Das eine ist ohne das andere nicht zu sagen und zu denken.

Schuld an Jesu Tod kann ich nur sein, wenn sein Tod mehr bedeutet, als jeder andere Tod in dieser Welt. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir in einem Atemzug: "Gekreuzigt, gestorben und begraben, zu den Toten gegangen und auferstanden von den Toten".

Indem Gott Christus von den Toten auferweckt hat, bestätigt er ihn als denjenigen, der ohne Schuld gewesen ist. Auf den Schuld- und Sündlosen konnte Gott alle unsere Schuld und Sünden legen. Gott hat gewissermaßen unsere Schuld und Sünde auf Jesus Christus umgeschichtet und uns den Weg zum ewigen Leben freigemacht. So sind wir schuld am Tod Jesu.

Der Weg zum ewigen Leben, damit auch aus der Schuld und Sünde vor Gott, ist einzig und allein nur durch Jesus Christus möglich. Wie sich in einem Brennglas alles Licht auf einen Punkt hin bündelt, so fällt alle Schuld und Sünde der Menschheit auf Jesus Christus. Aber auch alles Leiden und Sterben in der Welt läuft in seinem Leiden und Sterben zusammen. Es wird so aus der Sinnlosigkeit und dem Vergessen herausgehoben ins Licht Gottes. Wo von nun an Menschen leiden und sterben, leidet und stirbt Gott an ihrer Seite mit ihnen, wie er durch Jesus Christus mitlitt und mitstarb.

Gott hat es nicht beim Leiden und Sterben Jesu belassen, sondern er hat Christus von den Toten auferweckt. Weil Christus von den Toten auferstanden ist, sind auch wir mit Christus von den Toten auferstanden und werden wir durch Christus von den Toten zum ewigen Leben auferstehen.

Das ist aber an klare Bedingungen geknüpft. Auferstehen zum ewigen Leben werden wir nur, indem wir uns ausschließlich und allein an Jesus Christus halten. Christus ist der Vertrag, den Gott ein für allemal und unwiderruflich mit uns geschlossen hat. Ganz allein der Glaube an Jesus Christus erfüllt den Vertrag und gibt uns, was Christus uns zugesagt hat. Er sagt: "Ich lebe und ihr sollt auch leben." (Joh 14,19)

Alles, was unser Leben jetzt ausmacht, was oder wer wir sind, unsere Schuld und Sünde, unsere Not und unser Leiden, unser Glück und unsere Freude, unsere All- und unsere Festtage, eben unser ganzes Leben gehört von nun an auf Jesus Christus ausgerichtet, wie das gebündelte Licht im Brennglas auf einen Punkt ausgerichtet ist.

Gehen wir dann aus dieser Welt, wird unser Leben vor Gott ausgebreitet sein. Jeder Gedanke, jedes Wort, jedes Lachen, jede Träne, unser Leiden und Sterben, unser Glaube und unser Unglaube, unsere Zweifel und Ängste, unsere Schuld und unsere Sünde sind vor ihm aufgedeckt.

Wir dürfen das auch als Trost für uns wissen, dass Gott weiß, wie es um uns steht und er uns mit seiner Liebe umgibt. Davon spricht der Psalm 139.

Gottes Urteil über unser Leben wird heißen: "Schuldig!". Aber durch das bittere Leiden und Sterben Christi und seiner Auferstehung von den Toten willen, werden mit Christus leben. Aber nur dann, wenn wir es wollen und damit in Gottes Vertrag einstimmen.

Karfreitag lassen wir uns erneut auf den Weg des ewigen Lebens stellen. Wir besinnen uns auf die wenigen entscheidenden Grundlagen unseres Glaubens. Im Bekenntnis unserer Schuld, im Mahl der Versöhnung und im Gebet bekommen wir die Kraft, uns mit unserem ganzen Leben bei Gott festzumachen. Das hat nur gute Folgen in diesem Leben und in der Ewigkeit.

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