Ein Mensch sieht, was vor Augen ist

Liebe Gemeinde,

manche sagen: "Die ersten Christen hatten es besser. Damals war alles noch viel einfacher. Es gab noch den Reiz des neuen. das Christentum war noch unverbraucht. Es gab noch keinen Namenschristen …" Abgesehen davon, dass ich diese Aussage nicht glaube, liegt der eigentliche Grund für diese Klage viel tiefer. Hören wir auf Paulus: „Denn als wir euch das Evangelium von Jesus Christus brachten, da habt ihr nicht nur das Wort gehört und aufgenommen. Nein, Gottes Macht ist unter euch wirksam geworden. Sein Heiliger Geist erfüllte euch und gab volle Gewissheit.“

Das ist eine Aussage, die mich erschreckt. Denn sie sagt nichts weniger, als dass du die gute Botschaft von Jesus Christus auf zweierlei Weise hören kannst: 1. nur das Wort gehört und aufgenommen: das heißt, du sitzt im Gottesdienst, hörst der Predigt zu, verstehst sie, stimmst ihr vielleicht sogar zu, aber dabei bleibt es. Sonntag mittags und montags gehst im alten Trott weiter. 2. Gottes Macht ist unter euch wirksam geworden: das heißt die Botschaft kann dort, wo du sie wirken lässt, eine so radikale Veränderung deines Lebens bewirken, dass man geradezu von einer neuen Schöpfung sprechen kann. Kommen wir zu unserer Ausgangsklage zurück. Diese beiden Weisen die gute Botschaft zu hören gab es damals und gibt es heute. Und so muss die Klage nicht lauten, dass früher alles besser war. Die Klage lautet vielmehr: es gibt Menschen, die hören es zwar, verstehen es auch, aber sie tun es nicht. Damit das bei dir und mir nicht passiert, dem gilt heute die Predigt.

„Denn als wir euch das Evangelium von Jesus Christus brachten, da habt ihr nicht nur das Wort gehört und aufgenommen. Nein, Gottes Macht ist unter euch wirksam geworden. Sein Heiliger Geist erfüllte euch und gab volle Gewissheit.“ Gottes Wort muss in dir wirken. Drei Dinge nennt Paulus hier, wie das Gottes Wort in dir wirken muss: mit Macht, im Heiligen Geist und in Gewissheit.

1) mit Macht und zwar mit Gottes Macht
Es kommt also nicht auf die Kraft des Predigers, sondern die verändernde Kraft Gottes an. Dieser verändernden Kraft musst du dich aussetzen, sonst tut sich nicht. Das kannst du dir an einer Waschmaschine verdeutlichen. Du kannst nicht meinen, eine Waschmaschine läuft, ohne dass du sie an den Stromkreis, Wasser und Abwasser angeschlossen hast. Und so ist es auch im Glauben, der Stromkreis des Glaubens ist das Bibellesen und das Gebet. Hier findest du das Wort und die Kraft vereint. Wenn du Wäsche in die Waschmaschine steckst und sie Betrieb setzt, dann bekommst du wieder saubere Wäsche. Das saubere Wasser reinigt zusammen mit dem Waschpulver die Wäsche und kommt als Abwasser unten wieder raus. Der Strom treibt das ganze an. Die Waschmaschine ist Gottes Wort. Denn das bewirkt den reinigenden Vorgang in deinem Leben. Der Stromkreis ist die Kraft Gottes, die in dir wirken will. Das Waschmittel ist die Vergebung der Sünden. Das Abwasser ist die Sünde. Sünde, das ist das, was durch die Trennung von Gott entsteht, davon später noch mehr. Das Waschprogramm ist der Heilige Geist, davon handelt der zweite Punkt:

2) Heiliger Geist, und zwar Gottes Heiliger Geist
Das ist nicht der Geist der Zeit, sondern Gottes Geist. Und als Christ besitzt du diesen Geist. Du musst auf ihn hören und ihm in deinen Leben Raum geben. Wenn du ihn nicht spürst, dann liegt das nicht an Gott. Und es liegt schon gar daran, dass er nicht da ist. Das Problem ist vielmehr, dass du ihn nicht die Aufgabe machen lässt, die Gott für ihn in deinem Leben vorgesehen hat. Du hast das Waschprogramm des heiligen Geistes angehalten. Die meisten Christen haben bei der Vorwäsche auf den Pausenknopf gedrückt. sie sind frustriert, dass die Lebens-Wäsche schmutzig und triefend vor Nässe aus der Maschine kommt und geben Gott die Schuld daran. Dabei müssten sie nur die Pausentaste rausnehmen und den Heiligen Geist in ihrem Leben wirken lassen. Das Problem dabei ist, dass der Geist dich dann auf deine Lieblingssünden anspricht und dich davon reinigen will. Aber deinen Waschmaschine hört ja auch nicht mittendrin auf und du sagt: 50% Sauberkeit, das reicht. Und jetzt kommt der dritte Punkt ins Spiel:

3) die Gewissheit, und zwar Gottes Gewissheit
Das ist nicht die Gewissheit der faulen Kompromisse, sondern die Gewissheit des Glaubens. Gott hat uns erwählt; Gottes Geist bezeugt uns, dass wir seine Kinder sind. Bei der Waschmaschine zweifelst du doch auch jedes Mal vor jedem Waschgang ihre Wirksamkeit an. So soll es auch im Glauben sein: Gott möchte dir die Gewissheit geben, dass du sein Kind bist. Startpunkt in diesem Wissen um die Gewissheit ist Taufe. Deshalb haben wir heute S. getauft. Die Taufe ist wie ein Samenkorn, dass dem Kind durch Gott geschenkt wird. Aber es ist wie mit den Samenkörnern hier in diesem Glas. Wenn ich sie in dem Glas lasse, dann verändern sie sich nicht. So ist es auch mit der Taufe: wenn sie nur auf dem Taufschein steht, dann verändert sie mich nicht und es hat keine Bedeutung, ob ich getauft bin oder nicht. Wenn ich dagegen ein Samenkorn herausnehme, in die Erde lege, mit Wasser gieße und ins Licht stelle, dann wächst daraus eine neue Pflanze, die wiederum selber Samenkörner trägt. Der Samen der Taufe muss in dein Herz fallen und in der Erde deines Herzens Wurzel schlagen. Er braucht das Wasser des Wortes Gottes und das Licht der Liebe Gottes, damit er wachsen, zur Pflanze und reif werden kann. Dann verändert die Taufe dein Leben und du erfährst Gottes Macht, Gottes Heiligen Geist und Gottes Gewissheit. Das spielt sich im Herzen ab und wirkt dann nach außen, darum heißt es auch im Taufspruch von S.: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. (1.Sam 16,7) Gott nur kann unser herz beurteilen, ob wir bereit sind, dass unser Herz der Nährboden für den Glauben an Jesus Christus wird. Damit ihr euch daran erinnert, will ich euch das Glas mit auf den Weg geben. Legt ruhig ein Samenkorn an jedem Tauftag an der Erde, damit sinnbildlich deutlich wird, dass der Same der Taufe zu einem reifen Glauben an Jesus Christus heranwachsen muss. Ich habe genug Samenkörner hineingelegt, damit sie für alle Tauftage im Leben von S. ausreichen.

Und Gottes Wort muss nicht nur in deinem Herzen wirken, es muss in dir weiterwirken. Als Christ leben fordert seinen Preis: dein Leben. Die andern schauen auf dich und prüfen deine Worte an deinem Vorbild und Beispiel. Ein Narr ist, der nicht aufgibt, was er eh verlieren wird, um zu gewinnen, was ihm niemand nehmen kann. Dein irdisches Leben wirst du eh verlieren. Stelle es Jesus Christus zur Verfügung, denn dann wirst du das ewige Leben bei Gott gewinnen, dass dir niemand nehmen kann. Paulus war da ein großes Vorbild, doch die Gemeinde in Thessalonich war so eifrig dabei, dass sie ein Vorbild für alle Gemeinden in Griechenland wurde. Die Reihenfolge ist wichtig: persönliche Erneuerung der Thessalonicher – du Erneuerung der Gemeinde – Hardheim Auswirkung auf die Umgegend – Dekanat Adelsheim-Boxberg Vielleicht ist uns das auch ein Ansporn, wenn ich den Vers in unsere Situation übertrage: „1:6 Nun seid ihr unserem Beispiel und dem unseres Herrn gefolgt. Und obwohl ihr deswegen viel leiden musstet, habt ihr Gottes Wort mit einer solchen Freude aufgenommen, wie sie nur der Heilige Geist schenken kann. 1:7 So seid ihr für die Christen [in ganz Mazedonien und in der Provinz Achaja] im ganzen Dekanat Adelsheim-Boxberg zum Vorbild geworden.“ Das können wir nicht machen, doch das ereignet sich da, wo du das Wort Gottes in der Kraft und im heiligen Geist und in der Gewissheit annimmst. Dann können andere für deinen Glauben, für deine Liebe und für deine Hoffnung danken.

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