Ein Geschenk für dich

Liebe Gemeinde!

Ich packe unheimlich gern Geschenke aus. Diese Vorfreude, wenn man so ein Päckchen in der Hand hält. Manchmal kann man ja schon ahnen, was drin ist. Die äußere Form verrät meist schon eine ganze Menge. Eine CD zum Beispiel errät man sofort. Oder ein Buch. Aber trotzdem bleibt ja bis zuletzt diese Spannung: was ist es genau?

Ich habe heute ein Geschenk mitgebracht, das ich zusammen mit ihnen und euch auspacken möchte. Sieht aus wie ein kleines Buch.

[Ein vorbereitetes Geschenk auspacken; Inhalt: Terminkalender von 2003]

Es ist auch ein Buch, allerdings ein besonderes. Es ist mein Kalender des Jahres 2003. Heute, am Silvestertag nehme ich ihn noch einmal in die Hand. 365 Tage liegen hinter uns. Wie unterschiedlich sind sie für jede und jeden von uns gewesen. Kaum lassen sie sich in so etwas wie eine Bilanz pressen. Zu unterschiedlich waren sie, zu wechselhaft, um daraus etwas Einheitliches zu machen. Die vielen Rückblicke in diesen Tagen, die sich im Fernsehen, in Zeitungen und im Radio häufen, sie haben zumeist sehr wenig mit uns und unserem Blick zurück zu tun. Die großen Ereignisse des letzten Jahres, sie liegen wahrscheinlich eher im persönlichen Bereich.

Heute nehmen wir die Tage des vergehenden Jahres und dürfen in ihnen so etwas wie ein Geschenk empfinden. Ein Geschenk Gottes, der uns Zeit gegeben hat, um sie zu gestalten, um in ihr zu leben und mit ihr umzugehen. Jeden Tag, immer wieder hat er uns neu geweckt und uns Zeit gegeben. Einfach so, geschenkt. Heute danken wir für dieses Jahr und was es uns gebracht hat. Auch wenn darin so Manches gewesen ist, das schwer war.

Wenn ich in meinem Kalender so blättere, dann fallen mir viele traurige Geschichten ein. Wo Menschen jemanden verloren haben, der lange an ihrer Seite gelebt hat. Wo Menschen sich getrennt haben, obwohl sie doch alles miteinander versucht hatten. Wo Menschen verzweifelt waren, weil sie für sich keine Zukunft mehr entdecken konnten. Auch mir ging es an manchen Tagen so, wo mir das Leben schwer war, schwer erträglich, weil so vieles auf mich einströmte und ich kaum wusste, wie alles zu schaffen ist. Wo so viele an mir zerrten und ich nicht wusste, wem ich es zuerst recht machen soll. Und Tage, an denen alles seinen grauen Trott ging und ich mich fragte, was ich da eigentlich mache.

Aber da waren auch ganz andere Tage: voller Sonnenschein und Glück. Tage mit wunderbaren Begegnungen und Gesprächen, mit Erfüllung in der Arbeit. Sonnige Urlaubstage in einer anderen Umgebung waren da und Stunden mit Musik. In ihrem und eurem Kalender wird es solche Tage auch gegeben haben. Sie besonders empfinden wir als ein Geschenk.

Da ist es gut und wichtig, den abgelaufenen Kalender noch einmal in die Hand zu nehmen und sich zu sagen: was war der 15 April doch für ein erfüllter Tag trotz all der Arbeit und wie habe ich mich am 20. August gefreut. Oder: wie gut, dass ich am 2. Februar Zeit für die Familie hatte. Diese Tage waren es, die mir auch Kraft gaben für die anderen, die dunklen Tage. Auch sie gehören in meinen Kalender, gehören zu der gelebten, mir geschenkten Zeit.

Ein Geschenk ist die Zeit, die mir gegeben wird. Ein Geschenk waren Begegnungen, die ich hatte, waren auch Worte, die mir gesagt wurden. Zu diesen Worten gehörten auch im er wieder Sätze aus der Bibel. Es ist mein Beruf, mit diesen besonderen Worten umzugehen. Dabei spüre ich immer wieder, wie wichtig diese besonderen Worte sind, die wir uns nicht ausdenken müssen. Sie sind so etwas wie Gottes Geschenk an uns. Vertraute und gute Worte, manchmal provokativ und aufrüttelnd, oft tröstlich und voller Hoffnung.

Auch am Jahresübergang hören wir auf einen biblischen Text. Er nimmt uns mit hinein in ein großes Danklied. Es ist ein festlicher Hymnus, den Paulus anstimmt.

Überschwänglicher Dank für Gottes Liebe, die unser Leben trägt, erhält und begleitet. Fast trotzig klingen diese Worte. Denn Gottes Liebe zeigt sich gerade gegen all die Widerstände unseres Lebens. Diese lebensfeindlichen Mächte werden nicht geringer, aber sie bekommen in Gottes Licht einen anderen Stellenwert. Hören wir diese Worte als Danklied für das Jahr 2003 und als Einstimmung auf das neue Jahr:

[TEXT]

Solche Worte, liebe Gemeinde, sind wie ein Licht. (Kerze anzünden) Ein Licht in mitten meiner Zweifel, meiner Angst um die Zukunft, in mitten aller Fragen. Gott hat uns alles geschenkt in Christus. Ich darf dieses Geschenk annehmen, es auspacken und mich freuen. Ich kann staunend „Danke" sagen. Das ist viel. Mehr als mir meistens gelingt. Paulus ist sich völlig sicher: nichts kann uns von Gott wegbringen. Keine noch so dunkle Macht, kein noch so finsterer Gedanke in mir. Es gibt Beständigkeit in meinem Leben. Nicht, weil ich so kräftig und tüchtig bin, nicht, weil ich so viel Disziplin aufbringe. Ich schaffe das nicht. Diese Beständigkeit wird mir geschenkt. Es ist die Verlässlichkeit Gottes. Er will sich nicht trennen von uns.

Weihnachten haben wir den Beginn dieser Verlässlichkeit gefeiert. So hat Gott sich auf uns Menschen eingelassen: er wurde Mensch. So ist er seinen Weg weitergegangen bis in den Tod. Durch all diese Niederungen des Lebens hindurch ist Gott da gewesen und an der Seite des Menschen. Über den Tod hinaus hat er die Würde des Lebens geachtet und stark sein lassen. „Ich bin gewiss, dass uns nichts von Gottes Liebe trennen kann."

Statt all der vielen guten Vorsätze könnte dies ein Satz sein, der über dem nächsten Jahr steht und einer, mit dem ich alle meine Erfahrungen aus dem zu Ende gehenden Jahr in Gottes Hand übergeben kann.

Gottes Wort an mich leuchtet mir entgegen. Es wird mir auch im kommenden Jahr Halt geben können. Mehr als alle Worte, die mir sonst gesagt werden.

„Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?" Schon Paulus wusste darauf keine Antwort. Nehmen wir dieses als Geschenk mit ins kommende Jahr, dass auch 2004 keine Macht der Welt es schaffen wird, uns vom Grund des Lebens zu trennen. Wir werden stark sein, aus seiner Kraft zu leben. In seinem Licht wird dann auch jeder künftige Tag wie ein Geschenk sein. Wir dürfen gespannt sein.

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