Dreieinigkeit

Liebe Gemeinde,

heutzutage wird immer häufiger in christlichen bzw. evangelischen Kirchen zu gemeinsamen Gottesdiensten mit anderen Religionen eingeladen. Der letzte öffentlichkeitswirksame Schulterschluss geschah erst jüngst auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin mit dem Dalai Lama. Diese gemeinsamen Veranstaltungen finden in Presse, Rundfunk und Fernsehen ein positives Echo. Die Veranstalter genießen den Beifall von allen Seiten. Können sie doch darauf hinweisen, dass man sich so der Flut der angeblich wachsenden Fremdenfeindlichkeit in unserem Lande entgegen wirft, dass man die anderen Religionen und andere in unsere Gesellschaft »integriere«, Vorurteile abbaue und zur Völkerverständigung beitrage.

Gerade deshalb muss heute am Sonntag der Dreieinigkeit die dringende Frage erlaubt sein, ob es denn den Verantwortlichen klar ist, was sie da machen und worauf sie sich einlassen. Es könnte ja sein, dass jene Schulterschlüsse auf lange Sicht gar nicht die Verständigung herbei führen, sondern wachsende Missverständnisse und damit auch Feindschaften schüren. Wenn alles gleich gültig ist, dann wird alles gleichgültig. Nichts ist nämlich fataler und dämlicher und zeugt von erschreckender Unkenntnis, wenn scheinbar »aufgeklärt« behauptet wird, wir hätten doch alle nur einen Gott. Christen, Juden, Moslems und Buddhisten suchten in ihren Gebeten überall den göttlichen Urgrund aller Dinge. Doch gerade dies ist Selbstbetrug! Gerade dies ist die große Lüge! Den anderen ernst nehmen, heißt ihn mit seine Unterscheiden zu uns ernst nehmen.

Machen wir uns deutlich, dass wir heute ein Kind. im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes getauft haben. Und das ist auch gut so, denn niemand anders kann ihm zusprechen, was im Taufspruch ausgedrückt ist: ?Fürchte dich nicht, ich bin mit dir und will dich segnen.? Das kann nur ein Gott, der sich nicht zu schade war, in Jesus Christus Mensch werden. Der kann nur ein Gott, der hier und heute in dieser Welt durch seinen Heiligen Geist glauben weckt und uns tröstet. Ich jedenfalls möchte keinen anderen Gott als den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, alles andere ist eine Mogelpackung.

Unsere Gottesdienste beginnen im Namen von Gott, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Unsere Brautpaare, unsere Konfirmanden werden in diesem dreifachen Namen eingesegnet, und unsere Verstorbenen werden der Gnade unseres Herrn Jesus Christus und der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes anbefohlen. Gott, der Dein Vater sein will; Gott, der in Christus für Dich am Kreuz starb und vom Tod auferstand; Gott der als Heiliger Geist einen anderen, einen neuen Menschen, den Menschen des Glaubens und der Liebe schaffen wird, der zum Erben des ewigen Lebens bestimmt ist.

Ganz anders dagegen wird im Koran, dem heiligen Buch des Moslems, unser Gott verworfen und abgelehnt. Ausdrücklich wird betont, Allah sei nicht der Vater Jesu Christi. In der 112. Sure des Korans heißt es deshalb von Allah: »Er hat weder gezeugt noch ist er gezeugt worden. Und keiner ist ihm ebenbürtig! « Jesus als Sohn Gottes kann und darf es nicht geben. Mit anderen Worten: Die Einheit Gottes verträgt angeblich keine Dreieinigkeit. Die Größe Gottes vertrage es nicht, dass Allah Mensch wird und eintaucht in den Sündensumpf der Welt. Allahs Ehre dulde es nicht, dass Gottes Liebe an unserer Statt Tod und Hölle durchleidet, damit wir gerettet werden. Zwar nennt der Koran Allah nicht nur den Allmächtigen, sondern auch den Gütigen und Allbarmherzigen, aber das alles bleibt merkwürdig fern und fremd. Das Erbarmen Allahs findet nicht zu den Menschen in ihrer Angst und Gewissensnot. Das Erbarmen muss erst erkämpft und verdient werden. Im Grunde bleibt ein Moslem sich selber überlassen in seiner tiefsten Not. Dieser Allah, wie ihn der Koran verkündigt, ist ein Gott des Gesetzes. Deshalb ist’s kein Zufall, dass der Koran über weite Strecken ein Gesetzbuch ist, dem sich der gehorsame Moslem unterwirft. Das alles freilich scheint überaus klug und vernünftig zu sein; kommt doch alles auf Dich und mich an, auf unseren Einsatz, auf Deinen Gehorsam, auf meine Gesetzestreue. Da steht und fällt alles mit dem Menschen. Allah belohnt den Gerechten. Allah erkennt an, was Du zum Gelingen Deines Lebens selbst beigetragen hast, was Du zur Herrschaft Allahs in der Welt erkämpft hast!

Mit Mohammed hätte sich der Pharisäer Nikodemus sehr wohl verständigen können. Beide sind Meister, der eine »ein Meister in Israel«, der andere ein Meister unter den Moslems. Jesus dagegen steht zu beiden religiösen Haltungen in vollem Gegensatz! Da sucht Nikodemus ein Nachtgespräch mit diesem geheimnisvollen Christus. Bei aller Achtung vor Jesus – »wir wissen, dass Gott dich als Lehrer zu uns gesandt hat. Deine Taten beweisen: Gott ist mit dir « -, bei aller Hochachtung meint Nikodemus, er könne mit Jesus auf gleicher Ebene diskutieren. Sie könnten sich auf dem Boden der vernünftigen Lebensführung treffen. Doch Jesus zieht uns, dem Nikodemus und dem Mohammed den Boden unter den Füßen weg: »Wer nicht neu geboren wird, kann nicht in Gottes Reich kommen. « Weißt Du nicht, dass Du Nikodemus mit Deinem ganzen Leben, Sinnen, Trachten und Tun, vor dem allmächtigen Gott gar nicht bestehen kannst? Deine ganze Gerechtigkeit ist vor diesem Gott wie ein Bündelchen Heu in der Glut. Vor diesem Gott bist Du was deine Verdienste angeht immer schon ein toter Mann. » Wer nicht neu geboren wird, kann nicht in Gottes Reich kommen. « Du bist zwar Gottes Geschöpf. Aber Du hast durch deine Sünde das alles schon längst verspielt und verloren! Du selbst kannst Deinem Leben keinen Sinn geben. Du selbst bist nicht nur zu schwach dazu. Du musst von Grund auf von neuem geschaffen werden. So wie Gott in der Morgenröte der Schöpfung rief: »Es werde«, so musst Gott noch einmal rufen und sprechen: »Kommt wieder, Menschenkinder«, damit Du aus Tod und Verzweiflung gerettet wirst. Du selbst kannst es nicht. Genau hier bäumt sich unser innerstes Gefühl auf. Genau hier streikt unsere Vernunft: » Wie kann ein Erwachsener neu geboren werden? Er kann doch nicht wieder in den Mutterleib zurück und noch einmal auf die Welt kommen! «

Gelte ich denn überhaupt nichts? – So ist es! – Genau deshalb wird Christus damals wie heute oft so leidenschaftlich abgelehnt. Als »Meister in Israel« oder als letzter Prophet vor Mohammed kann ihn die Vernunft noch gelten lassen. Aber wehe, wenn er uns unsere ganze Verlorenheit, unsere Halt- und Sinnlosigkeit aufdeckt. Dann schreit die Welt auf: »Kreuzige! Kreuzige! « Dann müssen Kreuze aus Gerichtssälen, Schulen und öffentlichen Gebäuden verschwinden. Deshalb duldet Mohammeds Halbmond auf Moscheen in den islamischen Ländern kein Kreuz neben sich. Da bricht Hass auf und Verfolgung! Da sagt meine Vernunft »Nein«, und mein Selbstwertgefühl bäumt sich zornig und gedemütigt auf. Da stehe ich auf einmal vor einem Entweder-Oder: » Ein Mensch kann immer nur menschliches, vergängliches Leben zeugen; aber der Geist Gottes gibt das neue, das ewige Leben. « Du musst von neuem geboren werden! Du solltest eigentlich wählen, und Du kannst gar nicht wählen. Dir geht’s wie einem Ertrinkenden. Der kämpft und strampelt und schlägt um sich und versinkt doch im Dunkel des Todes. Da muss schon eine andere Hand sich nach Dir ausstrecken, dich am Schopf fassen und Dich herausziehen ans rettende Ufer. Sich am eigenen Schöpf herausziehen wie Münchhausen, das geht nicht. Du musst von neuem geboren werden! » der Geist Gottes gibt das neue, das ewige Leben « Bei Wiederbelebungsversuchen wird dem Ertrunkenen wieder Atem eingehaucht. Immer wieder, bis das Herz wieder schlägt und die Brust sich wieder hebt und senkt. So auch wir. Gott muss Dir seinen Geist einhauchen! Gottes Geist schafft in Dir neues Leben; ein Leben in Vertrauen und Hoffnung, ein Leben, das frei von Angst wieder atmen kann, ein Leben, das, von der Liebe Gottes erfasst, Gott lieben kann und den Nächsten wie sich selbst! Siehe! Das ist das eigentliche Wunder des christlichen Glaubens! Von neuem geboren! Der ewige Gott wird Dein Vater und Dein Neuschöpfer. Gott bläst Dir von neuem seinen lebendigen Atem ein – und Du wirst ein anderer Mensch. Die Fesseln Deiner Schuld fallen von Dir ab – und Du bist frei!

Du kannst so wenig tun dafür, wie das kleine Kind, das wir heute getan haben. Du kannst das Geschenk des christlichen Glaubens nur annehmen und tauchst ein in das Geheimnis des dreieinigen Gottes: Des Vaters, der dich unendlich lieb hat. Des Sohnes, der sein Leben für deine Schuld gegeben hat. Des Heiligen Geistes, dicht tröstet und des Glaubens gewiss macht.

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