Disziplin

Was sind Sie für ein Typ? Überschwenglich, können Sie so richtig ausflippen? Wenn Sie ein Geschenk bekommen z.B.? Mir fällt das meist schwer. Ich habe mich an meinem Geburtstag über so manches Geschenk gefreut, weil ich merkte: Da haben sich die Leute Gedanken gemacht und wollten mir eine Freude bereiten. Ich kann nur hoffen, dass ich meine mehr oder weniger wohltemperierte Freude auch rüberwachsen lassen habe.

Nun wohnen wir ja in der Nähe von Westfalen und ich denke, von der trockenen Art, die den Westfalen oft eigen ist, habe ich auch etwas. Ich trage das Herz nicht auf der Zunge und die Freude geht bei mir durch einen unsichtbaren Filter. Das ist aber auch zum Glück mit unangenehmen Dingen so. Ich reagiere darauf eher mit relativer Gelassenheit
und versuche das Nötige zu tun. Dabei kann ich sehr diszipliniert arbeiten. Mein Examen hätte ich anders wohl kaum bestanden. Eine endlose Paukerei, die trotz des interessanten Stoffes tierisch, also unmenschlich, war. Als ich bestanden hatte, war ich froh – was man mir kaum anmerkte.

Das ist auch Menschen, die mich kennen,
manchmal unheimlich. Das finde ich aber nicht so schlimm. Mir sind auch Menschen, lieber, die nicht so freundlich und fröhlich auftreten, auf die man sich dafür aber verlassen kann. Dank kann sich ja auf ganz verschiedene Weise zeigen: Durch Worte und durch Taten. Ich möchte einmal der Frage nachgehen,
warum es so vielen Menschen unendlich schwerfällt, überhaupt Dank zu empfinden. Nicht, dass wir wie der Kornbauer so leben, als ob es Gott nicht gäbe. Wir sind vielleicht offen für Gott, beten und hören sein Wort.

Ich hoffe, es sind einige hier, die nicht auch mein Problem haben: dass sie öfter denken: Meine Güte, eigentlich müsste ich doch viel dankbarer sein. Müsste uns nicht das Herz vor Freude über einen so gütigen Gott hüpfen, wenn wir an so viele schöne Dinge denken, mit denen er uns segnet? Familien, Freunde, Arbeit, Rente und was da alles in Frage kommt? Aber seit dem Sündenfall oder ggf. schon davor gilt: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir verlernen die Dankbarkeit für Dinge, die wir irgendwann als selbstverständlich ansehen.

Jeder von uns hat sich da an einiges gewöhnt: Die gut funktionierende Ehe, die gesunden Kinder, das schöne Haus … Aber stellen wir uns einmal vor: Da hat ein Kind aus der Familie Geburtstag, wir haben keine Kosten und Mühen gescheut und ihm etwas ganz besonderes eingepackt. Das Kind zerreißt das Geschenkpapier,
würdigt die Überraschung eines flüchtigen Blickes und begibt sich ohne ein Wort des Dankes daran, die nächsten Geschenke auszupacken. So muss sich Gott doch dauernd fühlen. Wir empfangen leider vieles aus Gottes Hand und vergessen den Geber der Gaben. Wir sehen es als normal an und bemerken vieles erst, wenn es uns wieder genommen wird. Ja, wie der Kornbauer versuchen wir das, was uns wichtig ist, zu sichern. Wir fühlen uns erst wohl, wenn wir die materiellen Dinge abgesichert haben: Arbeitstelle, Rente usw. müssen Zukunft haben.

Das ist so menschlich, ich kann das gut nachvollziehen. Ich hing auch schon ein paar Mal in der Luft, gesundheitlich und beruflich. Ich fühlte mich außerordentlich unwohl, weil ich kein ausreichendes Gottvertrauen hatte. Ich hoffe, ich werde aufgrund der guten Erfahrungen mit Gott als Krisenmanager tapferer durchstehen. Eines ist mir jedoch schleierhaft: Wie können andere mit richtigen Krisen fertigwerden, die gar kein Gottvertrauen haben? Ich wunder mich nicht über die,
die sich in echten Krisen dann das Leben nehmen. Aber ich wundere mich stark über die, die das mit ein wenig positivem Denken aus eigener Kraft schaffen. So leben, als ob es Gott nicht gäbe. Sammeln, für sich alleine ausgeben und behüten – und das ohne das kleinste bisschen Dank gegenüber Gott.

Die Frage ist: Wie können wir durchbrechen zu einem großen Dank, zu einem Lebensgefühl, das von innen kommt und uns sagt: Wow, super, dass ich einen so tollen und großzügigen Herrn habe? Denn wir sind uns ja darüber einig, dass wir uns nicht nur besser fühlen, wenn wir dankbar sind. Wir wissen auch, dass es dem Glauben nicht angemessen ist, wenn wir wie die Heiden alles als normal ansehen. Ich kenne Menschen, denen ich es abspüren kann, dass sie dankbar sind. Die haben echt das innere Bedürfnis, für Gott da zu sein und auch für andere. Die nehmen das nicht nur so hin, dass Gott sie in vielem segnet mit tollen Gaben,
sondern die sind auch bereit, sich aus dieser Motivation voller Freude für Gott einzusetzen.

Zum Danken gehört eben auch Denken, von Nix kommt Nix. Zu diesem Denken gehört auch das Nachdenken über Gottes Wort. Und dies verlangt uns auch etwas ab, was die meisten Menschen nur sehr ungern auf sich nehmen: Dieses Zauberwort heißt Disziplin. Unser Gleichnis fordert nur indirekt zum Danken auf. Es will mehr warnen, so zu leben wie der Kornbauer. Der verwendet wie die meisten Menschen heute seine Zeit nicht für Gott. Keine Zeit, Gott, ich muss arbeiten, Karriere machen, Vorsorge treffen, hab noch viel im Garten und am Haus zu erledigen.

Gott hat uns unsere Lebenszeit geschenkt. Wieviel geben wir ihm davon zurück? Beziehen wir ihn in unsere Pläne mit ein? Hier ist Disziplin gefragt. Zur Schule und zur Arbeit gehen wir doch auch pünktlich
und reißen uns mal zusammen. Wenn wir das Gott gegenüber öfter mal täten,
wäre das bestimmt nicht zu unserem Schaden. Sonst geht es uns eines Tages so wie dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

Der Traum
Ein junger Mann hatte einen Traum. Er träumte, dass er gestorben sei und im Himmel bei Gott angekommen. Als er schon beginnen wollte, sich über die Herrlichkeit des Himmels zu freuen, nahm ihn Gott an der Hand und führte ihn in ein großes Zimmer. Es war bestens eingerichtet in üppigem Luxus, von allem gab es im Überfluss. Und in einer großen Truhe entdeckte er eine solche Menge Geld,
dass ihm schwindelig wurde. Während er sich noch fragte, was es mit diesem Zimmer auf sich hatte, führte Gott ihn weiter in ein anderes Zimmer, das zwar ebenso groß war, aber äußerst kärglich eingerichtet. Auch hier gab es eine Truhe, aber in der lag nur in einer Ecke ein wenig Geld, so wenig, dass man kaum hinschaute. Der junge Mann konnte sich auf die beiden Zimmer keinen Reim machen, doch Gott begann zu sprechen: „Du fragst dich, was es mit den beiden Zimmern auf sich hat. Das ist ganz einfach: Hier in diesem Raum siehst du das Geld, das du bisher für die Armen und Notleidenden ausgegeben hast. Es ist, wie du erkennst, nicht sehr viel. Im anderen Zimmer aber hast du das Geld gesehen, das du für dein eigenes Wohl ausgegeben hast, für den Luxus, mit dem du dich umgeben hast,
für so viele unnütze Dinge, denen du nicht widerstehen konntest." Bei diesen Worten erwachte der junge Mann aus seinem Traum, erschrocken über das Geträumte und zugleich nachdenklich.
Und es wird erzählt, dass er seitdem in anderer Weise als bisher mit seinem Geld umgegangen ist.

Es ist unumstritten, dass die beste Motivation für christliches Handeln der Dank ist. Jeder von uns muss sich selber fragen,
ob er den Dank nicht vergisst und dann genauso handelt wie der Mann im Traum. Zum Danken gehört auch denken.
Nachdenken über GOTT UND SEIN WORT. Wie werden wir vor Gott dastehen? Wieviel Zeit haben wir für uns verbraucht und wie viel haben wir Gott mit sinnvollen Tätigkeiten zurückgeschenkt? Haben wir immer nur an dem Lebensstandart um uns herum Maß genommen oder haben wir aus der Perspektive der Armen überlegt, was wir alles für unbedingt nötig erachtet haben?

Wir können uns später nicht damit entschuldigen, dass wir nur so oder so ähnlich gelebt haben, wie andere um uns herum. Jeder prüfe sich selber, ob er Sachen Glauben wenigstens eine ähnliche Disziplin an den Tag legt, wie bei den zweitrangigen Sachen. Ein Beispiel: In vielen Gemeinden werden jetzt wieder KandidatInnen für das Presbyteramt gesucht. Gott hat sich bestimmt Menschen ausgeguckt, die eigentlich geeignet sind. Nur Freude und Disziplin fehlen. Gott ist nicht auf uns angewiesen, er kann sein Reich zur Not auch gegen uns bauen. Aber wie beschämend muss es für viele sein,
wenn sie im Himmel den Raum sehen, der die Ergebnisse ihrer eigenmächtigen Pläne zeigt – doppelter Verdienst, zwei Autos usw. und im anderen Raum sehen sie vielleicht liegengebliebene Aufgaben: ihre Kinder, Eltern, ihre Mitarbeit im Kinderhospiz oder der Gemeinde …

Gott wird uns vor allem auch den Segen zeigen, auf den wir verzichtet haben, wo wir die Rechnung ohne ihn gemacht haben. Gott schenke jedem von uns den Traum, den er nötig hat. Wenn wir planen, dürfen wir in einem gewiss sein: Gott kann das besser, und zwar zu unserem Vorteil. Bei Gott geht es nicht darum, was die anderen tun, sondern um mein persönliches Verhältnis zu ihm. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbar machen; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren – oder nicht.

Lasst uns mit seiner Hilfe dankbar und auch mit einem Schuss Disziplin leben! Am Ende aller Welt- und Gottesgeschichte wird sein großer und endgültiger Erntedanktag gefeiert. Es wäre schön, festzustellen: Wir haben uns Schätze im Himmel gesammelt, die Bestand haben. Ich wünsche uns allen, dass wir frohen Herzens dabei sind und auch die wiedertreffen, die wir auf Gott hingewiesen haben.

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