Die Welt braucht dankbare Menschen

Liebe Gemeinde,

wenn ich so an die christliche Gemeinde in Thessalonike denke, dann frage ich mich, hat Gottes Zuwendung zu uns und seiner Welt, immerhin hat es seinen einzigen Sohn gekostet, überhaupt noch eine Chance? Warum ist der Frust so groß, wenn wir das Wort Kirche hören? Warum werden die Kirchen, außer an Weihnachten, immer leerer? Warum haben wir nicht den Mut unseren Glauben aus unserer Gemeinde heraus zu tragen? Worauf kommt es mir im Glauben an? Was ist das Zentrum unseres Glaubens? Worauf verlasse ich mich? Und was trägt uns als Gemeinde?

Ihre Antworten, liebe Gemeinde, werden mit Sicherheit ganz unterschiedlich sein, genauso, wie auch Paulus unterschiedliche Antworten in verschiedenen Situationen gegeben hat. So höre ich, dass Jesus das Zentrum unseres Glaubens ist, der sich für die Unterdrückten eingesetzt hat und das Lebensrecht derer will, die keine Rechte mehr haben.

Wer krank ist, findet das Zentrum des Glaubens in der Zuwendung, die Jesus den Gequälten gab. Leiden, Schmerzen und Schreie vernahm Jesus und er heilte. Jesus, der selbst am Kreuz litt, leidet mit denen, die auch leiden und überwindet, damit auch wir überwinden können. Wer im Leben erfolgreich ist, wird vielleicht in der Ermahnung das Zentrum des Glaubens finden, sich nicht über andere zu erheben und die Gaben Gottes zum Wohl aller Menschen einzusetzen. Wenn einer von uns einen lieben Menschen verliert, wird er oder sie vielleicht sagen, dass die Liebe Gottes über den Tod hinaus reicht, das ist für mich wichtig. Es wird neues, verwandeltes Leben geben. Gott wird die Tränen abwischen und das gibt mir bei aller Zerrissenheit neue Lebenskraft.

Ja, liebe Gemeinde, unsere Antworten werden unterschiedlich sein. Und doch ist überall eines gleich: das hilfreiche Wort Gottes, von dem wir Christinnen und Christen leben. Und das ist auch das Geheimnis der Gemeinde in Thesslonike. Wir Menschen sehen die unterschiedlichsten Fassetten unseres Glaubens. Wir suchen neue Lebenswege des Glaubens. Und die Vielfalt des Glaubens lebt in unserer Gemeinde, genau so wie in der Gemeinde von Thessalonike. Hier begegnet uns das Wort, welches uns zum eigenen Glaubenszentrum führt. Dafür dankt Paulus Gott. Und weil Gottes Handeln unaufhörlich weitergeht, bis zum Ende aller menschlichen Tage, können und dürfen wir nicht aufhören, Gott zu danken, indem wir durch unser Gebet und unser Leben, als Vorbilder, das Wirken Gottes unter uns bestätigen und außerhalb unserer Gemeinde der Welt da draußen glaubhaft machen. Aus der Fülle unseres Lebens dürfen wir von Gott sprechen. Und wir sollten ihn nicht erst in kritischen Situationen unseres Lebens und der Welt in Anspruch nehmen oder ihn verantwortlich machen.

Liebe Gemeinde, die Welt braucht dankbare Menschen. Wo wir nicht mehr miteinander und füreinander danken können, da wird der Verlust an Menschlichkeit die Folge sein. Dann wird sich aus Nächstenliebe Fremdenhass entwickeln. Dann macht es mir nichts mehr aus, trotz aller Kenntnis der Unterschiede zwischen weiß und schwarz, dass brutale Skinhats ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger misshandeln, ja sogar töten. Dann macht es mir nichts mehr aus, trotz aller Kenntnis der Unterschiede zwischen arm und reich, dass zwei Drittel der Menschheit verhungert, während ein Drittel der Welt im Überfluss lebt.

Ist es nicht so, dass wir miteinander unmenschlich umgehen und leben, wenn wir das Danken verlernt haben? Der Text mahnt uns, dem Wirken Gottes nicht im Wege zu stehen. Er mahnt uns mit unseren Sinnen und mit unserem Herzen offen zu sein, dass Gott sein Werk unter uns immer wieder neu beginnen kann, damit wir selbst auf dem Wege Jesu bleiben. Allerdings macht Gottes Wirken den Einsatz von uns nicht überflüssig. Der Glaube will durch uns aktiviert werden, die Liebe fordert unsere Mühe heraus und die Hoffnung verlangt von uns, dass wir durchhalten. Dass ein solcher Einsatz möglich ist, das zeigt uns das Leben Jesu. Denn er bezeugt, dass ein neues Menschsein keine Zukunftsvisionen sind. Jesus vertrauen, sich ihm anvertrauen und nach seinem Willen handeln, das ist das Zentrum unseres Glaubens. Und wenn wir nach der Glaubensmitte suchen, dann richten wir uns aus auf Jesus.

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