Die Taufe macht fröhlich!

„Er aber zog seine Straße fröhlich!“

Liebe Gemeinde, die Taufe macht fröhlich – das ist die Quintessenz aus der Erzählung vom Kämmerer aus Äthiopien, die wir vorhin hörten. Die Taufe macht fröhlich.

Im Taufseminar mit den beiden Täuflingen und der Konfirmandin haben wir am Freitag über diesen Text gesprochen. Dass die Taufe fröhlich macht, hat uns gefreut – aber es erschien uns auch merkwürdig: jedenfalls im Blick auf unser eigenes Leben und unsere Gemeinde. Natürlich sind wir Christinnen und Christen fröhlich, aber eben nicht die ganze Zeit und auch nicht unentwegt – auch uns drücken Sorgen und Zweifel. Die Erzählung vom Kämmerer endet aber mit der schlichten Feststellung, dass die Taufe fröhlich macht: „Er zog aber seine Straße fröhlich.“ Insofern ist also diese Erzählung durchaus eine Anfrage für mich: Wo ist denn deine Tauffröhlichkeit geblieben? Sorge dich doch nicht, gräme dich nicht! Zieh doch fröhlich deine Straße!

Liebe Gemeinde! Die Taufe macht fröhlich. – Ich möchte von hier aus weiterfragen, und zwar zum einen: „Was kommt danach?“ – dazu werde ich den Weg des Kämmerers später ein wenig weiterverfolgen; zum anderen: „Wie kommt es dazu?“ – dazu werde ich die Erzählung, wie es zur Taufe des Kämmerers kommt, ausdeuten. Und damit fange ich an. Also: „Wie kommt es dazu?“

[1.] Stellen Sie sich einmal den Kämmerer vor, wie er da auf seinem Wagen sitzt. Wahrscheinlich ist es ein prachtvolles Vehikel, schließlich ist er ein reicher und mächtiger Mann. Er ist auf dem Rückweg von Jerusalem zurück in sein Heimatland Äthiopien. Ob er den Zweck seiner Reise erfüllt hat – in Jerusalem anzubeten – das wird nicht berichtet. Aber er hat eine Schriftrolle des Propheten Jesaja dabei, in der er liest. Plötzlich taucht da neben dem Wagen ein Mensch auf, läuft vielleicht einige Zeit nebenher – und fragt dann auf einmal: „Verstehst Du eigentlich auch, was Du da liest?“ „Dich schickt der Himmel“, hat der Kämmerer vielleicht gesagt. Denn in der Tat hat er Fragen. So ganz versteht er nämlich nicht, was Jesaja meint. Und deswegen holt er den Menschen, der da plötzlich neben dem Wagen auftaucht, zu sich herauf, und sie kommen ins Gespräch.

Liebe Gemeinde, was der Kämmerer nicht weiß, sondern was nur wir wissen: Philippus – um ihn handelt es sich bei dem, der da plötzlich auftaucht – ist wirklich vom Himmel geschickt! Dem Kämmerer erscheint es als Zufall, aber von Gott her gesehen ist alles Absicht. Und auch Philippus weiß, dass Gott ihn gesandt hat: Zweimal hat Gott zu ihm gesprochen und ihm den Weg zum Kämmerer gezeigt. Es ist also Gottes Plan und Wille, dass der Kämmerer die Begegnung mit Philippus hat.

[2.] „Verstehst Du eigentlich, was Du da liest?“, fragt Philippus den Kämmerer. „Nein, wie kann ich denn?“, antwortet der Kämmerer, „Es ist ja niemand da, der mich anleitet!“ „Es ist ja niemand da, der mich anleitet“ – Vordergründig geht es um die Frage, wer mit dem Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, gemeint ist. – Philippus antwortet tiefgründig: Er „tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus“ – so sagt es die Bibel. – Das ist mehr, als der Kämmerer je hätte allein herauslesen können aus den Worten des Propheten. Dieses Verständnis der Heiligen Schrift musste ihm von außen erschlossen, musste ihm aufgetan werden. Philippus, ein Anhänger Jesu, verkündigt ihm die Gute Nachricht von Jesus dem Christus, dem Heiland: „gekreuzigt, gestorben und begraben, und am dritten Tage auferstanden von den Toten.“

Liebe Gemeinde, dieses Verständnis der Bibel muss uns aufgetan werden. Es muss jemand da sein, der uns sagt, was die Bibel bedeutet; es braucht jemanden, der uns die Gute Nachricht zuspricht, der vom Heiligen Geist zu uns geführt wird. Nur so kommen wir über das Lesen hinaus zum Verstehen.

[3.] „Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert’s daß ich mich taufen lassen?“ Als der Kämmerer versteht, als die Gute Nachricht sein Herz erreicht – da steht der Taufe nichts mehr im Wege. Taufe und Verstehen sind eins; als eine Erleuchtung kommen sie über ihn. Und das ist der Wendepunkt: Der Kämmerer hält an, steigt herab und lässt sich taufen.

Liebe Gemeinde, Taufe hat etwas mit Herabsteigen zu tun. Wenn wir umkehren wollen in unserem Leben, dann müssen wir anhalten auf unserem Weg. Verstehen gibt es im Vorübergehen, Taufe aber nur, wenn wir absteigen von unserem Wagen. Dann hindert nichts mehr, dass ich mich taufen lasse.

„Und er zog seine Straße fröhlich.“ Meine zweite Frage war: „Was kommt danach?“

[1.] Der Kämmerer kehrt zurück – und hat wohl eigentlich keinen Grund zur Freude. Denn anders als wir ist er zunächst allein, ohne eine Gemeinde, die ihn trägt und ihm Gemeinschaft ist. Er ist zwar nun eingefügt in die Gemeinde Gottes, die Gott sich von Anbeginn der Welt auserwählt – aber eine Gemeinde vor Ort wird ihm fehlen. Bei uns ist es – Gott sei Dank – anders: Wer hier getauft wird, wird eingefügt in die Gemeinde Gottes, und wird zugleich Glied der Gemeinde vor Ort. In der Gemeinde sprechen wir uns die Gute Nachricht zu; hier reden wir über unseren Glauben, und lassen uns in der Gemeinschaft des Abendmahls weiterhin für unseren Weg stärken.

[2.] „Er aber zog seine Straße fröhlich.“ – Die Fröhlichkeit der Taufe, die dem Kämmerer nun eigen ist, lässt ihn nach seiner Rückkehr nach Äthiopien erzählen von dem, was ihm passierte: Wie ein Mensch an seine Seite trat und ihm den Sinn der Schrift eröffnete. Und so wird er nun selbst zu einem, der die Gute Nachricht verkündigt. Auch das gehört dazu: Dass wir in der Fröhlichkeit der Taufe weitererzählen von dem, was uns selig macht. Dass wir reden von dem Wendepunkt in unserem Leben. Dass wir andere anstecken mit unserer Freude. So dass sie sagen: „Was hindert’s, daß ich mich taufen lasse?“

[3.] „Er aber zog seine Straße fröhlich.“ – Denn für den Kämmerer auf dem Weg des Glaubens hat die Zukunft einen Namen bekommen. Mein Leben, das bisher recht angenehm war, bekommt nun auch einen Sinn. Es wird hineingestellt in einen neuen Horizont: Jesus ist der Christus, der Heiland Gottes. In Christus nimmt Gott weg, was mich von ihm trennt. Ich glaube.

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