Die Sonne, die mir lachet

Liebe Gemeinde,

Wer kennt das nicht: die Eltern wollen abends ausgehen, die Kinder protestieren energisch. Das Alleinsein im dunklen Kinderzimmer scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Meine Eltern mussten dann erst das Licht andrehen, in die Schränke und Kommoden schauen, in die Ecken und natürlich unter das Bett. Wenn dort nichts und niemand war, wurde das Licht im Flur angemacht , dieser durchsucht , alle anderen Türen geschlossen, das Kinderzimmerlicht gelöscht und die Tür einen Spalt zum Flur offen gelassen; das Ganglicht durfte nicht ausgemacht werden, dann erst durften die Eltern gehen. Meine Kinder brauchen zur Zeit jeder eine Weihnachts-Lichterkette zum Einschlafen schon ohne dass wir ausgehen wollten.

Dunkelheit hat schon immer Angst gemacht. So mancher geht abends nicht ins Bett aus Angst vor den Gespenstern die da kommen: Gedanken, die einen quälen, Einsamkeit, Trauer, Angst vor Einbrechern, Angst zu Sterben. So wie man oft Angst hat in einen dunklen Keller zu gehen, im Dunklen Treppen zu steigen, oder abends allein spazieren zu gehen. Die Nacht ist unheimlich und schon immer haben sich Menschen überlegt, wie sie ihr begegnen: Feuer, Knoblauchzehen, Körner, Rasseln u.v.a. sollen die Mächte der Dunkelheit fernhalten.

In fast allen alten Religionen, von Afrika über Persien, über das Römische Reich war darum die Sonne das wichtigste, was es im Leben gab. Die Sonne bringt Wärme und Helligkeit, die Häuser werden erhellt, Pflanzen wachsen, alles wird lebendig. Heute weiß man um den Einfluss der Sonne auf`s Gemüt und die Wichtigkeit des Sonnenlichts für Gesundheit und richtiges Wachstum – dafür werden in Schweden sogar extra Sonnenlicht-Speziallampen hergestellt. Kein Wunder also, dass die Sonne als Gott verehrt wurde. Die Feste der Sonne waren die Höhepunkte des Jahresablaufes. Am 25. Dez. war im Römischen Reich das Fest des Sol invictus, am 6. Januar in Ägyten das Fest des Sonnengottes Aion, der aus der Junfgrau Kore geboren wurde.

Die Daten sind uns bekannt, aber die Feste heißen heute anders. Den Rang der Sonne hat jemand streitig gemacht. Davon erzählt das heutige Evangelium.

Aus dem Morgenland machen sich Weise auf, um einem Stern zu folgen. Astronomie und Astrologie sind weiter Gefährten des Glaubens an die Weltbestimmung durch Sternengötter. Ein wandernder Stern, ein Komet war und ist auch heute noch oftein Faszinosum , das man einfach beobachten muss. Von so einer Erscheinung erwartetet man sich eine Veränderung im Weltgeschehen, wie manche auch heute noch in einem Komet das Zeichen zum Weltuntergang sehen. Die Weisen folgen der Erscheinung und suchen zumindest einen neugeborenen Herrscher zu finden. Sie sind enttäuscht, als sie in Jerusalem nicht fündig werden. Aber sie geben nicht auf und schließlich landen sie in einem Stall in Bethlehem und finden dort das Kinder einer armen Familie. Doch ihr Glauben an die Sterne ist stark . Sie verehren das Kind und geben ihm Geschenke. So verbindet sich für sie Vertrautes mit Neuem: die Sterne weisen auf ein viel größerers, geheimnisvolleres Geschehen hin.

Hier auf der Erde geschieht etwas ganz Besonderes. Das Licht der Sonne allein reicht nicht aus, um der Finsternis Herr zu werden. Finsternis gibt es selbst unter der hellsten Halogenlampe und bei schönsten Sonnenschein. Nichts hilft gegen finstere Gedanken, finsteren Blick , den Schleier der Trauer, Blindheit durch Hass und Zorn, Schwarzsehen, ein düsteres Leben, den grauen Alltag. Oder?

Finsternis ist eine Vorfindlichkeit. Schon in der Schöpfung war sie da: "die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war."

Gott, erzählt uns das Volk Israel, ist derjenige, der gegen die Finsternis ankommt. Er setzte Sonne und Mond an den Himmel. Er und nicht die Sonne ist der Gott. Die Verbindung mit diesem Gott war es, die dem Volk Israel das Leben schenkte. Gottes Licht ist mehr als die Helligkeit. Es ist Leitung und Halt für`s Leben. Er hat das Volk Israel als Feuersäule durch die Wüste geführtund er war in allen Nöten und Ängsten ansprechbar. So singt auch der Psalmist in Ps 23, 4: "Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich." Dieses" fürchte dich nicht", geben auch die Engel an die Hirten weiter, die sie aus dem Schlaf schrecken."Der Heiland ist geboren, eine Freude die dem ganzen Volk widerfahren wird." Und so war es auch vorausgesagt,"Dem Volk, das im Finstern wandelt erscheint ein großes Licht."

Freiheit von der Angst vor bösen Mächten, Freiheit von der Angst falsch zu handeln, Freiheit von der Angst vor der Einsamkeit, die ist uns geschenkt, wenn wir uns durch Christus erinnern und versichern lassen, dass auch wir zu Gott gehören und geliebt werden, wie sein Volk Israel. Nicht an Stelle seines Volkes, das ja – wie man früher oft in Unkenntnis sagte – den Christus ermorden ließ, sondern wie Paulus schreibt mit seinem Volk , als Miterben der göttlichen Verheißung als Teil des gemeinsamen Leibes, des Gegenübers Gottes. All diese Liebe und Zuneigung Gottes, die mehr ist als das Licht und die Wärme der Sonne ist auch , wie es der Predigtext betont, uns Christen zugänglich. Da kann uns keine Macht der Dunkelheit mehr schrecken. Sehr poetisch meine ich, fasst auch Paul Gerhard Worte aus dem Römerbrief in ein Lied (EG 351 Ist Gott für mich, so trete):

"Ist Gott für mich, so trete
gleich alles wider mich;
sooft ich ruf und bete,
weicht alles hinter sich.
Hab ich das Haupt zum Freunde
und bin geliebt bei Gott,
was kann mir tun der Feinde
und Widersacher Rott?

Mein Herze geht in Sprüngen
und kann nicht traurig sein,
ist voller Freud und Singen,
sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet,
ist mein Herr Jesus Christ;
das, was mich singen machet,
ist, was im Himmel ist."

Die christliche Botschaft kann allen Menschen ein angstfreies Leben bieten.

Ihr Licht leuchtete vom Stall in Betlehem in die Herzen hinein und strahlte von dort aus weiter zu anderen Menschen, die sich davon anstecken ließen.

Als das Christentum im 4. Jahrhundert schon weit verbreitet war, konnten die Christen nun sagen: Unsere Sonne ist nicht das Gestirn, unsere Sonne ist mehr; So lass uns nun an den Sonnenfeiertagen das Fest der wahren Sonne feiern. So entstand das Fest des heutigen Tages als Erscheinung Christi und später das Weihnachtsfest.

Auch wir hier sind Christen. Uns sollte die Freiheit von Dunkelheit und Angst, die auf Liebe und Zuneigung Gottes fußt, auch anzumerken sein.

Es ist noch genug davon weiterzugeben in dunkle Herzen, in Menschen, die zweifeln, an Menschen, die Gott noch nicht kennengelernt haben und an die Kinder, die durch uns von Gott erfahren. Mission ist nicht eigentlich Umkultivierung anderer, wie es leider häufig geschehen ist, sondern Weitergabe dessen, was unser Leben positiv prägt und dessen, was uns auf der Zunge brennt: Die Sonne soll in alle Herzen leuchten, die wahre Sonne.

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