Die Sehschule des Glaubens

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

damit wir verstehen, worüber Jesus hier redet, will ich euch kurz erzählen wie die ganze Geschichte anfing:

Die Jünger von Jesus, das sind die Konfirmandinnen und Konfirmanden von damals, fragen Jesus, als sie einen von Geburt an Blinden sehen: «Herr, wer ist schuld daran, dass dieser Mann blind ist? War es seine eigene Schuld oder die Sünde seiner Eltern?» Was antwortet Jesus auf diese Frage: «Weder er selbst ist schuld daran noch seine Eltern. Er ist blind, weil an ihm die Macht Gottes sichtbar werden soll.» Und damit die Jünger verstehen, was Jesus mit dieser Antwort meint, macht er aus Speichel und Erde einen Brei, streicht es dem Blinden in die Augen und schickt ihn zum Teich Siloah. Als er sich dort die Augen wäscht, kann er wieder sehen und ist geheilt. Das ganze Geschehen kommt der damaligen Kirchenleitung zu Ohren und die lässt den Blinden zu sich rufen und verhört ihn über seine Heilung. Mit allen Mitteln versuchen sie die Heilung zu hinterfragen, zumal sie am Ruhetag, am Sabbat geschieht, und als sie das Geschehene nicht aus der Welt schaffen können, jagen sie den Blinden weg und weisen ihm alle Schuld zu. Das ist die Vorgeschichte zu unserem heutigen Predigttext.

Vorhin in unserem kleinen Spielstück (Praxisbuch Anspiele Band 3, ISBN 3-7751-2618-X, S.203, Schuld I) über Schuld haben wir es gesehen: Schuld wird nicht angenommen, Schuld wird weitergegeben. Wie gut wenn wir einen gefunden haben, auf den wir sie schieben können, wie den Blinden, da muss doch er oder zumindest seine Eltern Schuld sein. Und wenn Jesus ihn am Ruhetag heilt, dann muss er doch doppelt schuldig sein.

Halt. Die Frage: Wer ist schuld? Bringt uns nicht weiter. So wie der Karton im Spielstück im Kreis gewandert ist und noch immer wandern würde, wenn wir das Stück nicht abgebrochen hätten. Wer ist Schuld, das ist oberflächlich gedacht, so wie die Konfirmanden gesungen haben: "Gut gemeint und schlecht gemacht, oberflächlich ausgedacht ist so vieles es verdorrt ohne dein Wort." Das ist doch uns allen schon mal passiert, das wir eine Sache gut gemeint und schlecht gemacht haben und so Schuld auf uns geladen haben. Und wenn wir das erkannt haben, dann merken wir: Wir müssen tiefer fragen, dann kommen wir zu der Frage: "Wie kann der Blinde sinnvoll leben."

Der Blinde braucht die Sehschule des Glaubens. Zuerst macht Jesus den Blinden körperlich gesund. Dann führt Jesus den Blinden mit der Frage: «Glaubst du an den Menschensohn?» zum Glauben an Jesus Christus. Das ist auch Jesu Fragen an uns: «Glaubst du an den Menschensohn?» Wenn du das bejahst, denn schlägt das Wort Jesu auch in deinem Herzen Wurzel: "Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt, und dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt, deine Kraft durch mich die Welt zu deinem Ziel bewegt, Herr, du kannst dies Wunder tun." Wenn Jesus das Wunder tut, dann ereignet sich im Leben einiges. Die Schriftgelehrten, das sind die Leute der Kirchenleitung der damaligen Zeit, die drehen sich um sich selbst. Der erste Gbrund, warum Jesus den Blinden heilt, ist der Blinde selbst. Der zweite Grund, das sind die Schriftgelehrten. Er will ihre eigene Blindheit zeigen. Ja noch mehr, er bringt sie dazu, das sie sich selbst das Urteil sprechen: Als sie ihre geistliche Blindheit abstreiten, antwortet er ihnen: «Wärt ihr tatsächlich blind, dann träfe euch keine Schuld und euch könnte geholfen werden. Aber ihr sagt ja: ‚Wir sehen.‘ Deshalb kann euch niemand eure Schuld abnehmen.» Jesus weist uns auf unsere Schuld hin. Lehnen wir sie ab, dann geht es uns wie in der zweiten Strophe des Liedes der Konfirmanden: "Erst komm ich und dann komm ich. Pausenlos geht es um mich. Was mich aus dem Strudel reißt ist, Herr, dein Geist."

Schuld einzusehen und anzunehmen ist ein Geschenk von Gottes Heiligem Geist. Wenn ich mich für Gottes Geist öffne, dann merke ich: Es geht nicht nur um die äußerliche Blindheit des Bilden. Es geht auch um die innere Blindheit, der Betriebsblindheit, mit der wir als Kirchens bis heute zu kämpfen haben. Die Kirche braucht die Sehschule des Glaubens. Das biblische Wort soll im Herzen der Kirche Wurzeln schlagen: "Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt, und dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt, deine Kraft durch mich die Welt zu deinem Ziel bewegt, Herr, du kannst dies Wunder tun." Was zuerst an die Kirche gerichtet ist, soll sie beherzigen und dann in die Welt weitertragen. Denn wer sich der Schuld bewusst ist und sie zu Jesus bringt, ist besser dran als der, der sagt: brauche ich nicht, ich tue recht und scheue niemand. Bei den Uneinsichtigen und Selbstgerechten ist die Weiche falsch gestellt: "Ist die Weiche falsch gestellt, wird am Schluss das Ziel verfehlt. Dass ein Mensch die Umkehr schafft, wirkt deine Kraft."

Im Konfirmandenunterricht geht es um Weichenstellung für dein Leben. Ihr sollt lernen, was gut und richtig ist. Das schlechte brauche ich euch nicht beizubringen, das könnt ihr von alleine. Nein es geht darum, die Weiche in Richtung Gutes zu stellen und das hilfreiche und nutzbringende hinzubringen. Mit eurem Leben ist es wie mit meinem Büro hier im Pfarramt. Wenn ich nicht aufräume entsteht ein großes Durcheinander. Von alleine räumt es sich nicht auf. Wenn ich Ordnung möchte, dann muss ich Zeit und Kraft hineinstecken und die Dinge an den richten Platz legen. So ist es auch mit euerem Leben. Wenn ihr es laufen lasst, dann entsteht ein großen Durcheinander. Wollt ihr Ordnung in eurem Leben haben, dann müsst ihr Kraft und zeit hinein stecken, damit die Dinge an den rechten Platz kommen. Ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden braucht die Sehschule des Glaubens, damit das Samenkorn des Glaubens in euer Herz gepflanzt wird und Gottes Wort Wurzel schlagen kann: "Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt, und dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt, deine Kraft durch mich die Welt zu deinem Ziel bewegt, Herr, du kannst dies Wunder tun."

Konfirmandenunterricht ist für euch Konfirmandinnen und Konfirmanden die Sehschule des Glaubens. Es wird darauf ankommen, das ihr bereit seid, genau hinzuschauen, was es mit dem Glauben auf sich hat. Das kann euch niemand abnehmen. Egal ob ihr euch für blind oder für sehend im Glauben haltet, für beiden von euch hat Jesus eine Botschaft. Für die, die welche glauben, sie können allein sehen, gilt die Aussage: «Wärt ihr tatsächlich blind, dann träfe euch keine Schuld und euch könnte geholfen werden. Aber ihr sagt ja: ‚Wir sehen.‘ Deshalb kann euch niemand eure Schuld abnehmen.» Und für die, die wissen, das sie Jesus zum sehen brauchen, für die stellt er die Frage: «Glaubst du an den Menschensohn?»

Lasst euch uns von Jesus die Augen öffnen, dann merkt ihr, das es stimmt, was wir mit dem nächsten Lied singen: "Glauben heißt Wissen: es tagt! Hell wird es, wenn man es wagt, das alte Leben zu verliern und neue Schritte zu riskiern in Jesu Namen. Komm doch mit!"

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