Die Liebe Gottes, die die Welt erhalten will

Liebe Gemeinde,

vor 45 Jahren durfte ich zum aller ersten Mal alleine ins Kino gehen. Gezeigt wurde der Film: "Die Zehn Gebote". Noch heute erinnere ich mich an die Szene, als die Zehn Gebote mit einer Flamme aus dem Himmel in die steinernen Tafeln geschrieben wurden.

45 Jahre sind seit dem vergangen und dieser Film wurde schon etliche Male im Kino und Fernsehen gezeigt und wer ihn sich heute oder morgen anschauen möchte, kann sich diesen in einer Videothek ausleihen oder gar käuflich erwerben.

Ja, 45 Jahre sind ins Land gezogen und mittlerweile haben meine Kinder und auch schon meine Enkelkinder diesen Film gesehen, allerdings nicht im Kino sondern zu Hause am Fernseher.

Und das Erstaunliche dabei ist, dass unabhängig von einander immer die gleichen Fragen gestellt wurden: "Sind die Gebote aus dem Himmel gekommen?" "Oder sind sie etwa doch von Menschen gemacht?"

Auch nach 45 Jahren denke ich, dass die Zehn Gebote aus dem Himmel gekommen sind. Für mich, liebe Gemeinde, sind die Zehn Gebote nicht von Menschen erfunden. Und noch nie hatten diese Gebote für mich ein herrisches oder totalitäres Wesen, auch wenn viele von uns diese so sehen und meinen, ein Gewaltherrscher erhebt hier seinen umfassenden Anspruch ihm alleine Folge zu leisten.

Hören wir uns doch einfach Mal den Predigttext hierzu an, er steht im 2 Mose 20,1-17:

[TEXT]

Diese Gebote, liebe Gemeinde, können nicht von irgend einem Gott gemacht gemacht worden sein, der uns als Gegängelte braucht.

Mir ist aufgefallen, dass in der heutigen Zeit Gott viele Namen hat. Und niemals ist Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist gemeint, sondern stets ein Wunsch- oder Fürchte-Gott.

Da gibt es z.B. den Kopfnicker-Gott, der zu allem Ja und Amen sagen soll, was wir in seinem Namen anstellen.

Oder der Feuerwehr-Gott, von dem man nur in Notfällen Gebrauch zu machen gedenkt.

Der Märchenbuch-Gott, von dem man denkt: "Es war einmal ein Gott …"

Der Urknall-Gott, denn irgendwer muss die ganze Welt in Gang gesetzt haben, ansosten aber läuft alles ohne ihn, gemacht.

Der Geschäftsladen-Gott, dem man etwas über die Theke schiebt, damit er uns bedient und unsere Wünsche erfüllt.

Der Milchstraßen-Gott, denn ein "höheres Wesen" muss es doch wohl geben, aber es soll uns nicht zu nahe kommen.

Diese Aufzählung, liebe Gemeinde, lässt sich beliebig weiter fortsetzen. Und wer an einen dieser Götter glaubt, glaubt zumeist an mehere zugleich.

Die Zehn Gebote sind nicht von irgend einem Gott gemacht, der uns als Gegängelte braucht, sondern von dem Gott, der die Liebe ist und unsere Liebe untereinander möglich machen will.

Somit ist die Verkündigung der Zehn Gebote für die ganze Menschheit von entscheidender Bedeutung. Gott macht den Menschen seinen Willen kund. Er läßt uns wissen, wie wir unser Leben führen sollen.

Es ist schon richtig, hier werden Grenzen genannt, aber nicht um uns einzuengen, sondern um uns den weiten Raum zu zeigen, der sich innerhalb unserer weiten Grenzen auftut.

Den Sonntag heiligen – Wer seine Geige liebt, der entspannt ihren Bogen nach dem Spiel; wer gutes Werkzeug behalten will, der entspannt nach der Arbeit die Säge; wer eine gute Ernte haben möchte, der gönnt dem Acker ab und zu ein Brachjahr.

Den Sonntag heiligen – Wie viele schöne Dinge sind da möglich, die uns zur Besinnung und Ruhe kommen lassen.

Vater und Mutter ehren – Jeden Morgen kaufte in Bagdad ein Mann fünf Fladenbrote. Eines Tages fragte ihn der Verkäufer, warum er immer fünf Brote kaufe. "Eines esse ich, zwei gebe ich zurück und zwei leihe ich aus", antwortete der Mann. "Wem gibst du zurück, und wem leihst du aus?", wollte der Verkäufer wissen. "Meinen Eltern gebe ich zurück, was sie mir in der Jugend gegeben haben, und meinen Kindern leihe ich, was sie mir in meinem Alter erstatten." Vater und Mutter ehren – wie vielfältig ist die Liebe, die da erblühen kann.

Nicht töten – Im Himmel finden jeden Tag Versöhnungsparties statt. Täter und Opfer werden eingeladen um sich zu versöhnen. Da treffen sich Kriegshelden mit ihren Kriegsopfern. Es treffen sich Ärtze mit den Opfern ihrer Kunstfehler. Da treffen sich verzeifelte Mütter mit ihren abgetriebenen Kindern. Und es treffen sich auch die leichtsinnigen Autofahrer mit ihren Verkehrsopfern. Im Himmel weiß man um diese Versöhnugsparties und jeder Neuankömmling erhält eine Einladung. Und Sie, liebe Gemeinde, sollten die erstaunten Gesichter mal sehen, wenn jemand mehrfach eingeladen wird – als Täter und auch als Opfer. Ein Kriegsgefallener sieht sich aufgefordert, sich mit seinem Arbeitskollegen zu versöhnen, den er einst zu tiefst gekränkt hatte. Ein Unfalltoter wird mit einem Geschäftsmann konfrontiert, den er einst in den Ruin getrieben hatte. Eine Frau, die unter den Händen eines Chirurgen gestorben war, begenet einer Nachbarin, deren Ruf sie mit bösem Geschwätz unter graben hatte. Nicht töten – viele, die sich als Opfer sehen sind ebenso Täter gewesen.

Nicht begehren – Wir müssen essen und trinken und vieles andere mehr. Und die Güte Gottes ist es, die die Befriedigung solcher Grundbedürfnisse noch mit Genuss und Lust verbindet. Allerdings kann aus den Bedürfnissen Begehren werden und aus dem Begehren die Gier entstehen. Wenn die Römer sich nach einem guten Essen die Finger in den Hals steckten und sich übergaben, um erneut genießen zu können, so war die Befriedigung von Bedürfnissen in Maßlosigkeit umgeschlagen. Diese Finger im Hals erweckten neues Begehren – und heute? Haben wir nicht heute die Finger durch die Werbung ersetzt – oder? Nicht begehren – wer nur noch begehrt, bleibt leer. Nichts ist genug, nichts ist recht.

Die Zehn Gebote, liebe Gemeinde, zeigen uns das äußerste Ende, wo wir gerade stehen und uns bewegen. Sie wollen uns anleiten Gott zu ehren und unseren Nächsten zu achten.

Was aber ist, wenn wir uns nicht an die Gebote halten? Was ist, wenn wir die Gebote brechen, sie übertreten, was ist dann? Wird Gott dann strafen?

Gott hat den Mose, der ja den ägyptischen Aufseher erschlagen hatte, nicht gestraft. Aber Gottes Mahnung war sehr eindrücklich. Die "Strafen Gottes" sind etwas, worüber wir nicht nachdenken sollten, denn unser Verstand ist dafür viel zu klein.

Aber, wer die Gebote nicht hält, oder sich nicht bemüht diese zu halten, der straft sich selbst. Wer sie übertritt oder missachtet, verfehlt sein Leben. Ohne die Zehn Gebote wird alles Leben in dieser Welt unerträglich und zu Grunde gehen.

Wer den Sonntag oder einen Feiertag abschafft, liebe Gemeinde, der zahlt mit Unruhe. Wer die Verantwortung der Partner füreinander zu gering achtet, findet in keiner Beziehung mehr eine Erfüllung. Und wer nur noch begehrt, bleibt leer. Nichts ist genug, nichts ist recht.

Angesichts der Erscheinungen bei der Verkündigung der Zehn Gebote ergreift das Volk Israel Furcht und Schrecken. Aber hinter allem, was es erlebt hat, und was uns heute noch in Todesangst versetzt, dahinter steht doch die Liebe Gottes, die die Welt erhalten will.

drucken