Die letzte Ölung?

Liebe Gemeinde,

eine Frau ist so krank geworden, dass sie das Bett nicht mehr verlassen kann. Viele Stunden liegt sie allein im Zimmer. Welche Gedanken gehen ihr durch den Kopf? (Konfirmanden fragen – Einsamkeit, Trauer, Wunsch gesund zu werden …)

Die Kranke wird von einer Freundin besucht. Sie bringt ihr Blumen mit, die sie gerne hat. Sie hört ihr zu und gibt ihr die Gelegenheit ihre Einsamkeit und Traurigkeit auszusprechen. Bevor sie geht, holt sie ein Ölfläschchen aus der Tasche. (Flasche herausholen) Sie zeigt es ihr, öffnet den Verschluss und lässt sie das duftende Öl riechen. Dann fragt sie sie, ob sie sie mit dem Öl erfrischen dürfe. Auf ihre verwunderte Zustimmung hin gießt sie ein wenig Öl auf die Hand und streicht das Öl der Kranken über die Stirn und sagt dabei: "Gott sei mit dir. Er segne und behüte dich." (Konfirmanden vorrufen und ihnen einen Tropfen Öl auf die Hand geben) Ihr könnt es euch auf die Arme oder die Stirn streichen. Wie hat wohl jene Kranke reagiert, als ihr mit dem Öl der Segen Gottes zugesprochen wurde? (Konfirmanden fragen – erfreut, getröstet, gestärkt.)

Die Salbung kranker Menschen ist eine uralte christliche Handlung, die in den letzen Jahren wieder in unserer evangelischen Kirche lebendig wird. Vor ein paar Jahren wurde dazu eine Gottesdienstordnung "Dienst an Kranken" herausgegeben, die auch in unserer Kirche Anwendung findet. Wie durch unser Eingangsbeispiel deutlich wird, dient die Salbung dazu, den oder die Kranken zu stärken und ihren Blick auf Gottes Hilfe zu richten.

In der katholischen Kirche wurde dieser Brauch über die Jahrhunderte bewahrt. Dabei wurde er eine zeitlang "zur letzten Ölung", das bedeutet ich bekomme sie, kurz bevor ich sterbe. Wenn ein Priester mit dem Öl kam, dann war klar, dass der oder die Kranke bald sterben muss. In den letzen Jahren setzte dazu eine Gegenbewegung in der katholischen Kirche ein, welche die "Krankensalbung" wieder als Stärkung und Ermutigung von kranken Menschen sehen. Auch unter uns Evangelischen Christen gibt es solche Fehlentwicklungen. Der Satz "Ich bete für Sie" kann bei einem kranken Menschen ebenfalls die Sorge um einen baldigen Tod schüren, auch wenn das so nicht gemeint ist.

So will ich heute Mut machen, das wir füreinander beten, wenn wir krank sind. Und ich will auf die Möglichkeit aufmerksam machen, dass kranke Menschen oder ihre Angehörige mich anrufen dürfen und ich dann zu ihnen komme, für sie bete und sie auf Wunsch auch salbe. Damit das richtig verstehen, was es mit Gebet und Salbung auf sich hat, dazu kann uns der Text heute helfen, wenn wir lesen: "das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen" Hier geht es neben dem Kranken um drei Dinge, um das Gebet, um den Glauben und um das Helfen.

Schauen wir uns an, was das "Helfen" bedeutet. Im Idealfall heißt das natürlich, das der kranke Mensch gesund wird. Aber das kennen wir ja aus eigenem Erleben, das nicht alles unsere Gebete erfüllt werden. Gott funktioniert nicht wie ein Cola-Automat. Wenn ich in bei einem Cola-Automat oben eine Münze reinwerfe, dann kommt unten eine Cola raus. So einen Gebetsautomat gibt es nicht, bei dem ich oben eine Gebetsmünze reinwerfe und unten eine Erfüllung rauskommt. Wie wir es richtig sehen erfahren wir dann, wenn wir darauf achten wie es weitergeht: "und der Herr wird ihn aufrichten" Aufrichten kann bedeuten, dass der kranke Mensch gesund wird. Aber es kann auch bedeuten, das er die Kraft bekommt, seine Krankheit anzunehmen und mit ihr zu leben. Oder wenn es dann dazu kommt, dass der kranke Mensch die Kraft bekommt, sich auf seinen Tod vorzubereiten. Auch hier kann Gott helfen und aufrichten, denn wer im Glauben an Jesus Christus dem Tod entgegengeht, der bekommt die Gewissheit, dass durch die Aufehrstehung von Jesus Christus der Tod besiegt ist und er auch einmal vom Tod auferstehen wird. Helfen kann also hier drei Dinge bedeuten: gesund zu werden oder die Kraft bekommen die Krankheit zu tragen oder wenn es hart auf hart kommt die Hoffnung auf die Auferstehung angesichts des Todes geben.

Von hier aus können wir zu unserem zweiten Punkt gehen: dem Gebet: "das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen" ich habe es schon erwähnt, das es einen Unterschied zwischen der Erhörung und der Erfüllung eines Gebetes. Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber er erhört alle unsere Gebete. Er hört unser Gebet und gibt das, was am besten für uns ist. Das mag Gesundheit oder Krankheit sein, aber das was Gott gibt, ist das Beste für unser Leben und für unser Situation. Damit wir das für uns annehmen können, brauchen wir das dritte, von dem hier der Rede ist. Es ist der Glaube: "das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen" Das ist keine große Sache, sondern die einfachst der Welt. Schon wenn ich bete und mich an Gott wende, zeige ich damit das ich Glauben habe. Der Glaube von dem hier der Rede ist, schöpft seine Hoffnung aus dem lebendigen Gott, an den er sich wendet. Das Gebet des Glaubens lautet: "Dein Wille geschehe" Das hat uns Jesus Christus im Vateruser beigebracht. Das hat Jesus Christus im Garten Gethsemane vor seiner Kreuzigung durchbuchstabiert, als er betete: "Mein Vater, wenn es möglich ist, so bewahre mich vor diesem Leiden! Aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern dein Wille." Der Wille Gottes hat Jesus nicht vor der Kreuzigung gerettet, aber er hat ihn durchgetragen. Der Blick auf den Gekreuzigten, in dem die Hilfe Gottes in der tiefsten Stelle deutlich wir, im Leiden und im Tod, kann und soll auch uns helfen, alles von Gott zu erwarten.

Ich erinnere an einen Gedanken meiner Predigt letzte Woche. Da habe ich davon berichtet, dass ich oft höre: "Hauptsache gesund" Dazu ist anzumerken, dass dies unvollständig ist und komplett heißen muss: "Hauptsache ein gesunder Glaube an Jesus". Denn ein gesunder Glaube betet bei Krankheit um Stärkung und Gottes Hilfe. Aber er überlässt es Gott, wie diese Stärkung und Hilfe dann konkret aussieht. Auch heute hängt vorne wieder die Kopie des Fensterbildes einer Konfirmandin. Auf ihm ist ein betender Mensch zu sehen. Wir können viel über das Gebet und seine Hilfe bei Krankheit reden, es kommt darauf an, dass wir es tun, das wir beten. Und es kommt darauf an, das wir das Gebet des Glaubens beten: "Dein Wille geschehe."

Der schwäbische Prediger Hofacker schrieb in einem Brief an einen Freund: "Solange man durchs Gebet noch etwas für sich selbst herausschlagen will (und ist es nicht oft so?), steht es nicht richtig. Sondern einfach zu des Heilands Füßen gelegen, sich in seine Hände befohlen, seine ewige Erbarmung angesehen und ihn gefragt: "Bin ich den nicht dein? Bist du nur für mich allein nicht gestorben." Wenn man darauf Frieden bekommt, diesen sich nicht rauben lassen! Das ist Jesus angenehm!" Hören wir auf ein Beispiel aus der heutigen zeit: Eine schwer krebskranke Ärztin fragte ihre Seelsorgerin: "Ist mein Leiden eine Strafe dafür, dass ich so oft meinen eigenen Kopf durchgesetzt habe?" Die Seelsorgerin antwortete: "Das wollen wir jetzt einfach Jesus sagen, dass sie das umtreibt. Was wir ihm als Sünde bekenne, das vergibt er. Aber dann keinen Gedanken mehr an Strafe!" nach einem Beichtgespräch und der Lossprechung von den Sünden sagte die Schwerkranke: "Jetzt will ich mein leiden tragen in der Verbundenheit mit Jesus, der auch gelitten hat!" Dadurch ist die Kranke zwar nicht gesund aber "aufgerichtet" worden.

Diese Zusage Gottes dürfen wir heute mitnehmen: "Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist." Probier es in der nächsten Woche aus und du wirst die Herrlichkeit Gottes erfahren.

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