Die Hoffnung nicht aufgeben

<i>[Schwerpunkt: Einführung der neuen Brot-für-die-Welt-Aktion, in den Sprengeln Ostfriesland, Osnabrück und Hannover ein AIDS-Projekt in Afrika. Die Predigt ist geteilt in ein kurzes Anspiel zur Lebenssituation von Familien in Afrika und eine entsprechend kürzere Ansprache.]</i>

Anspiel zum AIDS-Projekt – Mitspieler: Oma Maria, Tochter Judit, Sohn Willie, Vater John (liegt im Bett)

<b>Maria:</b> Was sollen wir jetzt bloß machen?
<b>John:</b> Noch kann ich ja arbeiten!
<b>Judit:</b> Seit Mamas Tod koche ich doch für alle.
<b>Maria:</b>Bald wird es nichts mehr zu kochen geben. Alles gesparte Geld werden wir für Medikamente ausgeben müssen. Und dein Vater wird bald gar nichts mehr verdienen.
<b>Judit:</b> Und womit soll ich dann Judy und John füttern? Und wer hilft Opa?
<b>Willie:</b> Habt ihr nicht neulich gesagt, dass Mac und Neddie auch bei uns wohnen sollen. Seit Onkel Paul und Tante Maggie gestorben sind, haben die beiden niemanden mehr.
Judit: Sie gehören doch zur Familie. Und Neddie ist selber schon krank. Wie können wir ihnen helfen.
<b>Maria:</b> (zu John): John, wenn du auch noch ausfällst, dann könnt ihr eure Plantage gleich zu machen. Es sind im ganzen Dorf keine Arbeiter mehr da. Wir Alten können nicht mehr auf die Bäume, die wenigen gesunden Kinder noch nicht. Erklär dem Jungen wenigstens noch, wie euer Bewässerungsgraben funkti-oniert. – Aber es ist ja doch alles sinnlos!
Willie: Was ist das für eine furchtbare Krankheit? Fast in jedem Haus ist schon jemand gestorben.
<b>Maria:</b> Der Priester sagt, es ist eine Strafe Gottes, weil wir gesündigt haben.
John: Der alte Medizinmann meint, eine Jungfrau könne davon heilen. Das glaube ich aber nicht mehr – Zu viele haben das schon versucht.
<b>Judit:</b> Es gibt ja auch fast keine gesunden Mädchen mehr. Warum sagt uns denn keiner, wie man diese Krankheit aufhalten kann? Gibt es keine Medizin dagegen? Werden wir uns bei dir anstecken?
<b>John:</b> Ich habe gehört, in Europa gibt es schon Medizin. Damit kann man die Seuche zwar auch nicht heilen, aber aufhalten.Die Medizin soll aber sehr teuer sein. Der Vorarbeiter sagt, in Europa würden sie über 10 000 Dollar im Jahr ausgeben!
<b>Willie:</b> 10 000 Dollar – das ist ja mehr als die ganze Plantage im Jahr einnimmt. Gibt es dort so viele Kranke, dass sie so viel Geld ausgeben müssen?
<b>John:</b> Ich weiß nicht. Ich glaube es sind weniger als hier. Aber 10 000 Dollar kostet die Behandlung für jeden Kranken in jedem Jahr!
<b>Judit:</b> Im Radio haben sie gesagt, unser Staat kann für jeden Kranken 10 Dollar aufbringen. Und es gibt ja nicht nur die ein Krankheit!
<b>Maria:</b> Gott steh‘ uns bei!

Ansprache

Liebe Gemeinde, ein kleiner Einblick in die Lebenssituation vieler Familien in Afrika. Vielen Dank an die Kindergottesdienst-Mitarbeiter. AIDS als Thema der Brot für die Welt Aktion 2001 – Sie haben es vielleicht im Gemeindebrief gelesen. Vor einigen Jahren wäre das wohl auch bei uns noch schwer gewesen.

Die Krankheit wird vor allem durch Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern und durch unsaubere Nadeln etwa beim Drogenkonsum verbreitet. Was geht uns das an? So haben in den 80er Jahren viele gefragt. Und fast zynisch hinzugefügt: Die Krankheit ist die gerechte Strafe für falschen Lebenswandel. Durch die groß angelegte Aufklärungskampagne ist es gelungen, die Verbreitung in Deutschland weitgehend einzudämmen. Das ist gut so. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch, welche Entrüstung es damals gegeben hat, als Frau Süßmuth öffentlich für den Gebrauch von Kondomen warb.

Gott sei Dank konnte sich bei uns die Gesundheitsaufklärung über moralische Bedenken hinweg setzen. Anders ist die Situation in den meisten afrikanischen Staaten. Die Krankheit konnte sich hier nahezu ungehindert ausbreiten. Analphabetentum und Armut haben die Aufklärung über die Risiken und den Gebrauch von Kondomen blockiert. Die lange Zeit, in der der Virus unerkannt weiter verbreitet werden kann, hat zu der heutigen Situation beigetragen. 25-30% der Bevölkerung sind bereits erkrankt. Aufgrund der Übertragung vor allem junge Erwachsene. Viele Wirtschaftszweige haben schon jetzt keine Arbeitskräfte mehr. Der traditionelle Familienverbund zerbricht, weil eine ganze Generation ausfällt. Da vielfach die Kinder schon infiziert geboren werden, wird auch die nächste Generation diese Lücke nicht ausfüllen können. Brot für die Welt hat eine Kampagne gestartet, um durch Aufklärung, Ausbildung und Pflege der Kranken und Alten die Lebenssituation in Afrika zu verbessern.

Liebe Gemeinde, vielleicht meint jetzt mancher, das ist ja schön und gut, was er da oben erzählt, aber das gehört doch in die Abkündigungen. Das sind schließlich die Informationen zur Kollek-te. Was hat das mit Gottes Wort zu tun? Ich lese den für heute vorgeschlagenen Predigttext aus dem Hebräerbrief.

[TEXT]

Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung. Dafür steht diese Adventszeit. Vier Wochen lang erinnern wir uns an die Hoffnung, die mit der Geburt Jesu in die Welt kommen wird. Gott nimmt sich unser an. Er wird Mensch und er stiftet andere Menschen dazu an, die erfahrene Liebe weiter zu geben.

Nach den dramatischen Ereignissen in New York und jetzt in Afghanistan haben viele von uns die Hoffnung auf Frieden verloren. Krieg und Gewalt sind auch als Mittel der Politik wieder denkbar geworden. Wunstorfer Soldaten helfen mit, amerikanisches Kriegsgut zu transportieren. Es ist richtig, dass sich Deutschland dem international eingeschlagenen Weg nicht entzieht – auch wenn Zweifel an diesem Weg bleiben. Waffen zerstören viel von dem, was sie schützen sollen.

Die Advents- und Weihnachtszeit gilt uns als Zeit des Friedens. Und ich denke wir tun gut daran, diese Hoffnung nicht aufzugeben. Gott will uns Frieden schenken. Wir bekennen ihn als den, der Liebe anbietet. Damals in Israel haben das nur wenige verstanden. Erwartet wurde ein Messias, er die Römer mit Gewalt vertreibt. Gott zwingt seinen Frieden nicht auf. Gerade als Liebender erweist er seine Macht. Diese Hoffnung gibt Kraft. Sie erhält am Leben. Diese Hoffnung können wir teilen.

Vielleicht ist solche geteilte Hoffnung die stärkste Waffe, die wir gegen den Terror auffahren können.

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