Die große Einladung

Liebe Gemeinde,

heute seid Ihr eingeladen. In diesem Gottesdienst feiern wir die Taufe von Rebecca. Und im Gegensatz zu den Gästen seid ihr heute gekommen, habt euch einladen lassen. Ihr habt euch nicht durch andere Gründe abhalten lassen.

In der Geschichte sind es ein Grundstück, Ochsen, eine Frau. Eigentlich gäbe es doch nichts einzuwenden gegen das alles. Im Gegenteil. Aber offenbar wurden diese Dinge den Geladenen wichtiger als Gottes große Einladung. Gott lädt ein, mit ihm zu feiern. Vor ihm zu essen. Das Leben in seiner Gegenwart zu genießen. Für das Grundstück wäre nachher immer noch Zeit gewesen. Ebenso für die Ochsen. Und die Frau, die hätte er doch zum Fest mitbringen können.

Als der Bote die Einladung ausrichtet sagt der erste: "Ich muss zuerst hingehen und meinen Acker ansehen." Ob es nun ein Acker ist, ein Grundstück, auf das man bald bauen möchte, oder ein neues Computerspiel, für das man viele Stunden braucht, um es zu erkunden. Entlarvend ist die Formulierung: "Ich muss!" Da gibt es offenbar kein Verschieben. Wörtlich heißt es in dem Gleichnis, das Jesus erzählt: "Ich bin genötigt!" "Ich bin gezwungen!"

Hört sich das nicht an wie unsere beliebteste Ausrede: "Ich habe keine Zeit!" Man spricht auch von Sachzwängen. Es geht halt nicht anders.
Jesus legt hier offen, dass wir manchmal wie Getriebene handeln. Wie von einem inneren Zwang bestimmt. "Es muss jetzt sein!" "Das geht eben vor!" "Dem fühle ich mich verpflichtet!"

Von einer Sache gepackt zu sein, sich zu begeistern z.B. für Fußball ist eigentlich eine gute Sache. Aber wenn plötzlich alles danach ausgerichtet wird, dann stimmt da etwas nicht. Dann stimmen die Prioritäten nicht mehr. Dann wird der Sport zum Gott.
Wo ist die Grenze der Begeisterung? Meiner Meinung nach kann es nicht darum gehen, ein total abgekühltes Verhältnis zum Reiten, zum Fußball, zum eigenen Hobby zu haben. Begeisterung ist zutiefst menschlich und wir ziehen viel Energie daraus. Aber die Grenze ist sicher da, wo ich Gott darüber vergesse.

Wer nicht mit Gott lebt, der hat andere letzte Abhängigkeiten. Wo Gott nicht die höchste Stelle in unserem Leben ausfüllt, dort treten andere Dinge an seine Stelle. Dafür opfert man dann Zeit und Kraft, Phantasie und Gesundheit und mancher auch seinen Ehepartner und die Kinder.

Gott lädt ein zu seinem Fest. Aber die Eingeladenen finden das offenbar nicht so attraktiv. "Nein, muss nicht sein. Gibt so viel spannenderes als dieses Fest!" Das meinen sie zumindest und täuschen sich gewaltig.

"Die Gemeinschaft und Nähe Gottes suchen?" – "Ach, lass mal, vielleicht später, wenn ich älter werde und ich sterben muss. Dann will ich mich mal um Gott kümmern, aber heute habe ich etwas Interessanteres vor!" – "Ich kann nicht kommen… – Ich bitte dich, entschuldige mich!"

Sonntagmorgen – Gottesdienst. "Au weia! Da will ich doch wenigstens einmal ausschlafen!" Aber ist es die lange Fernsehnacht oder Ausgehnacht zuvor wirklich wert, den Gottesdienst zu verpassen? Was bleibt denn am Ende übrig von den vielen Filmen oder anderem als ein schaler Nachgeschmack?

Gott läuft uns nicht unendlich hinterher. Eine zeitlang vielleicht. Wir haben seine Einladung schriftlich. In der Bibel. Sie wurde uns vielfach mündlich überbracht. Gott hat gelockt: "Komm doch, schau, meine Tische sind reich gefüllt: Lebensfreude, Vergebung, meine Liebe, Kraft und Perspektive, ich will dich leiten und versorgen. Von mir kommt Gesundheit und Hilfe in allen Lebenslagen."

"Ach nein. Es geht auch so. Danke, wir kommen zurecht. Vielleicht später, wenn das Grundstück, der Landrover und die Frau nicht mehr so attraktiv sind. Aber jetzt? Kein Bedarf an religiösen Festen!"

Und Gott. Einmal noch ruft er an. Aber dann lässt er uns mit unseren Abhängigkeiten allein. Wir haben dankend abgelehnt. Sein Angebot hat uns nicht geschmeckt.

Was macht Gott dann? Zieht er sich beleidigt zurück? Nein, er lädt nun andere ein. Die, die bislang keine Einladungskarte bekommen haben. Die, welche die Bibel nur von ferne kannten, die sitzen jetzt in der ersten Reihe. Sie kommen von den Marktplätzen, wo sie herum lungerten. Sie sind Herumstreunende, Heimatlose, irgendwo unterwegs und nie zuhause. Arme, Behinderte, Blinde, Außenseiter, Typen, die sonst wenig vom Leben zu erwarten haben.

Die kommen! Die interessiert das wirklich, was da passiert, beim Gastgeber des Lebens. Sie staunen, was der anzubieten hat, denn das ist mehr, als sie je erwartet hatten. Vor allem aber staunen sie, dass sie aufgenommen sind.

Gott gibt ein Fest. Aber nicht jeder ist dabei. Für viele geladene Gäste ist das Fest nicht angesagt und in. Andere sind begeistert, weil da einer ist, der sie ohne Vorleistung beschenkt. Dort kommen die kaputten Beziehungen wieder in Ordnung. Dort findet man echte Freunde. So ist das bei Gott.

Das ist eine Gemeinschaft von Blinden, die wissen, dass sie nur in Gottes Gegenwart die Dinge richtig sehen. Eine Gemeinschaft von Krüppeln, die um ihre Versehrtheit und Verletzungen weiß, eine Gemeinschaft von Armen, die sonst nichts größeres kennen, als sich von Gott selber versorgen zu lassen und die Gemeinschaft von Lahmen, die nicht hinterher hasteten hinter jedem Modetrend.

Keine Frage, Gott hat Interesse an den Mittellosen. Aber er sehnt sich auch nach denen die vieles haben, Grundstücke, Ehepartner, Computer, Fernsehen, Rassepferde und Autos, Aktien und Internet.

Das wollen wir der Rebecca heute auch mit ihrem Taufspruch zusprechen: Der Beter bekennt zu Gott: Deine Hand hat mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne. Psalm 119, 73

Gott hat sie gemacht, spricht heute in der Taufe sein ja zu ihr aus und möchte, das sie selbst einmal in dieses Ja einwilligt und sich zu seinem großen Fest einladen lässt. "Wie heißt Deine Abhängigkeit?" Auch wenn wir zu denen gehören, die sich zum Fest aufgemacht haben und dieser Einladung höchste Priorität geben, können wir uns noch auf einige Überraschungen gefasst machen, die uns unsere Zeit und Energie klauen wollen. Das Internet wird sicher auch dazu gehören. Das heißt aber nicht, dass wir darauf verzichten müssen. Im Gegenteil. Nur, die Prioritäten müssen stimmen. Wenn Gott und sein Fest die Nr. 1 sind, dann kann sich das andere klären. Dann wird mir die Freude des Festes bei Gott immer bedeutender und wertvoller sein, als alles, was ich sonst an faszinierenden Dingen erlebe. Das befreit mich auch für die menschlichen Beziehungen, für die ich bislang keine Augen hatte.

Ich meine nicht, dass Gott etwas einzuwenden hat gegen Hobbys. Aber sie und andere High-Tech-Spielereien sollen mich nicht abhalten vom realen, von meinem eigenen, wirklichen Leben und meinem Glauben!

Eine Stunde am Mittwoch ist zu wenig für eine Ehe. Eine Stunde sonntagmorgens oder abends ist zuwenig für die Beziehung zu Gott. Er will uns immer in seiner Nähe haben. Alle Entscheidungen soll ich treffen mit Blick auf das große Fest, zu dem ich eingeladen bin. Hindert mich das, wovon ich fasziniert bin, mit ihm zu reden, auf seine Worte zu hören? Für ihn dazu sein? Dann rechtzeitig umkehren und Dich fragen: Wie sieht meine Beziehung zu Gott aus? Pflegst du Sie und ist sie dir wichtig?

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