Der Weg der Weisen

Liebe Gemeinde,

Fragen sie sich auch manchmal, was das Leben eigentlich soll? Was es für einen Sinn hat, wohin es einen überall führt, was man alles so erlebt oder wofür manches gut sein soll? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Unzählige Generationen von Menschen haben sich diese Fragen schon gestellt. Ideologien, Philosophien, Wissenschaften und Religionen bauen auf diesen Fragen auf. Aber auch ganz einfaches normales Leben, die geraden Wege und die Fluchten versuchen eine Antwort auf diese Fragen zu geben. Ja, die Grundfragen des Daseins bewegen Menschen schon seit jeher. Die Suche nach Antworten und Lösungen beschäftigte schon unzählige Menschen.

Auch die, von denen uns Matthäus erzählt. Sie waren Astrologen. Also, Menschen, die versuchten aus dem Lauf und dem Stand der Gestirne Rückschlüsse zu ziehen über das Leben und das Schicksal der Menschen. Antworten aus dem Himmel zogen sie, Momentaufnahmen der Nacht stillten ihre Fragen. Aber wohl doch nicht so ganz. Es schien noch so manches offen zu bleiben. Denn sonst wären sie ja nicht losgezogen und hätten Bestätigung gesucht. Am Himmel war nämlich ein Phänomen aufgetaucht, dass sie bewegte. Saturn, der Sabbatstern, und Jupiter, der Königsstern, waren zusammen am Himmel zu sehen gewesen. Das musste etwas besonderes bedeuten, ein König kündete sich an. Vielleicht könnte damit ja etwas neues beginnen, das Sicherheit gibt. So machten Sie sich auf zum jüdischen Land, um Antworten zu finden.

Was müsste eigentlich geschehen, liebe Gemeinde, dass wir aufbrechen? Gibt es Zeichen in unserem Leben, die uns bewegen? Wer sucht, muss hinschauen. Vielleicht erfahren wir dann ja auch mitten in unserem Alltag etwas bewegendes. Etwas, was unsere Neugier neu entfacht. Etwas, was uns, die wir uns so satt wähnen, unseren Hunger nach Sinn und Erfüllung neu belebt. Etwas, was Antworten verheißt auf Fragen, die in uns drängen, auch wenn wir durch unseren Lebensstil sie häufig genug verdrängen. Wir müssen eben Augen, Ohren und Herzen öffnen für die kleinen Wunder, die wir manchmal erleben. Sie können dann der Weg sein, der uns zum Ziel führt.

Auch wenn man sich dabei manchmal verlaufen kann. So wie unsere drei Weisen zunächst das falsche Ziel wählten. Dabei hatten sie logisch gedacht. Ein König wird geboren, das kann eigentlich doch nur in einem Palast geschehen. Aber doch – bei König Herodes lagen sie falsch. Manchmal ist das nächstliegende oder offensichtliche einfach der falsche Weg. Manchmal muss man tiefer bohren, um zum Ziel zu kommen. Ihr Zeichen, der Stern, hatte sie zwar aufbrechen lassen, aber doch waren sie nicht angekommen. Fragen blieben immer noch offen. Ihre Sehnsucht war immer noch ungestillt. Erst die Schrift konnte ihnen den richtigen Weg weisen. Erst ein Wort aus dem Michabuch deutete die Zeichen richtig. Ohne Schrift laufen viele Wege in die Irre. Sie gibt den Zeichen, den Ideen, den Praktiken den richtigen Ort. Erst durch das Wort Gottes können wir das, was wir erleben, was wir denken, was wir tun, einordnen in den Zusammenhang dieser Welt und der Geschichte. Es ist ja die Welt Gottes und seine Geschichte, in die hinein wir gestellt sind. Ohne die Schrift bleiben wir im Labyrinth dieser Welt stecken. Ohne die Schrift wären die Weisen nicht an ihr Ziel gekommen, ohne die Schrift würden unsere Fragen ohne Antwort bleiben. Gerade im beginnenden Jahr der Bibel 2003 sollten wir uns das wieder einmal bewusst machen und in der Bibel lesen. Auch wenn uns das Verstehen nicht immer einfach fällt. Auch wenn die Texte alt sind und nicht immer genaue geschichtliche Fakten wiedergeben. Wer sich auf diesen Weg begibt, wird die Lösung finden – und auch die Erlösung.

Die drei Weisen hörten auf die Worte und fanden den Stall in Bethlehem. Sie begegneten dem Kind und ihre Fragen waren beantwortet. Sie fallen auf ihre Knie und beginnen zu beten. Diskussionen waren nicht mehr notwendig, sie begannen einfach zu glauben und zu vertrauen. Sie hatten die Orientierung für ihr Leben gefunden, nicht in den Sternen, sondern im Kind von Bethlehem. Dort spiegelte sich alles wider, was sie sich erträumt hatten. In ihm fanden sie Gott, den Urgrund des Lebens. Mehr brauchten sie nicht. Das Forschen und Suchen hatte ein Ende.

Unser Fragen und unsere Sehnsucht hat ein Ziel, liebe Gemeinde. Wir stochern nicht in das Leere hinein. Gottes Tür ist offen für uns. Er lädt uns ein, zu seinem Sohn zu kommen und dort die Erfüllung zu finden. Bei Jesus allein ist die Quelle aller Antworten, hier finden wir die Kraft, die Freude, die Hoffnung und die Liebe, die wir brauchen für unser Leben. Wir brauchen einfach nur Ja zu sagen und zu beginnen, zu vertrauen. Dann werden wir Antworten und die richtige Ausrichtung für unser Leben finden. So wie wir nur die Augen öffnen müssen, um das Licht der Sterne zu sehen, brauchen wir nur unser Herz zu öffnen und unser Leben kann heil werden.

So wie auch die drei Weisen das Heil fanden. Ihr Leben war verwandelt, sie hatten ihr Ziel gefunden. Mit ihren wertvollen Gaben geben sie all das ab, was ihnen vorher so fraglich war. Zweifel und Skepsis spielen keine Rolle mehr für sie. Die Wahrheit kann man eben nicht berechnen und beziffern. Man muss sie finden. Ihr Weg war noch nicht zu Ende, er setzt sich fort, aber es ist nicht derselbe wie vorher. Die Ränke des Königs spielen sie nicht mehr mit. Die Welt des Hofes ist nicht ihre Welt. Sie schützen das Kind vor der Eifersucht des Mächtigen und verraten Herodes nicht, wo er den neuen König der Herzen findet. Sie werden so Teil der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen. Wie ihr weiterer Lebensweg aussah, wissen wir nicht. Ob sie weiter Sterne berechneten, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber ihre Mission war erfüllt, sie hatten Sinn und Wahrheit gefunden. Der Stern war für sie aufgegangen und sein Schein hörte nie auf für sie.

Verändern lassen dürfen auch wir uns, liebe Gemeinde. Der Stern von Bethlehem weist auch uns zum Ziel. Wer sich auf die Wahrheit Gottes einlässt, kann seine Wirklichkeit verändern. Die Wahrheit Gottes löst unsere Rätsel und das bedeutet: Erlöster dürfen wir leben, brauchen nicht mehr mitmachen beim Spiel unserer Welt: wer kann mehr, wer hat mehr, wer stellt mehr dar. Dieses Spiel verdeckt nämlich die Wahrheit. Wer hier groß mitspielt, verschleiert die Wahrheit, dass Gott uns als seine Kinder liebt. Wer sich allzu sehr darauf einlässt, wird den Sinn des Lebens verfehlen. Als Erlöste dürfen wir uns auch von der Botschaft lösen, dass nur die Starken siegen werden. Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Alles, was wir wirklich brauchen, schenkt er uns: Liebe, Vertrauen und Zuversicht. Mehr brauchen wir gar nicht. Man nennt das Glaube – und darauf kommt es an.

drucken