Der Tod hat nicht das letzte Wort

Liebe Gemeinde,

Ostern ist nicht mehr neu. Aber immer wieder neu vernehmen wir die Osterbotschaft: Jesus Christus ist auferstanden. Der Tod ist überwunden. Der Weg ins Leben ist uns eröffnet. Aber das eine ist, diese Botschaft zu vernehmen und etwas ganz anderes sie zu glauben und mit damit zu rechnen, dass sie wahr ist. Und noch ein weiteres unser Leben von ihr her zu leben.

Zu vieles hält uns im Tod fest. Zu viel haben wir schon verloren. Zu oft erleben wir, wie Menschen missachtet und schlecht behandelt werden. Wir erleben zuviel Tod, zuviel Zerstörung. Aber da befinden wir uns in guter Gesellschaft. Unser Predigttext heute aus dem Buch des Profeten Jesaja trifft die Menschen auch in einer schwierigen Situation. Wir wissen nicht genau wann dies geschrieben wurde. Aber da ist von Tränen die Rede und von Schmach, die dem Volk in allen Ländern angetan wird. Darauf erscheint ein Profet und sagt folgendes: Ich lese aus Jesaja 25,8-9:

[TEXT]

Tränen: Ein nicht versiegen wollender Fluss von Tränen. Trauer über einen Verlust. Wie soll ich ohne die geliebte Person nur leben? Ich gönne ihr ja das Ende ihrer Schmerzen, aber es ist so leer geworden zu Hause.
Tränen: Tränen der Wut, weil ich nichts dagegen tun kann, dass ich immer wieder missachtet und übergangen und wie Luft behandelt werde. Tränen des Schmerzes und die Sorge, dass die Wunde auch richtig heilt. Schmerz, der mich quält und nicht schlafen lässt. Dazu sagt der Profet: Und Gott wird die Tränen von allen Gesichtern abwischen.

Und von Schmach ist die Rede: Wie war das peinlich als die Lehrerin quer durch die Klasse meinen Namen gebrüllt hat, und ich bin ganz rot geworden. Wenn die Schmach droht, dann kann es leicht zu unbedachten Handlungen kommen: China und die USA streiten sich gerade darum, wer sich bei wem entschuldigen muss, weil ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug von einem chinesischen Flugzeug gerammt worden ist. Es geht dabei wohl um die nationale Ehre und die gegenseitige Achtung der großen Nationen. Schmach: Aber nicht nur die nationale Ehre sondern auch die persönliche Ehre ist wichtig. Wenn mir die Ehre genommen wird, dann verliere ich auch meine Selbstachtung. Und die Selbstachtung steigt, wenn ich ehrerbietig behandelt werde. Dazu sagt der Profet: Und Gott wird die Schmach seines Volkes in allen Ländern aufheben.

Und wenn das passiert, werden wir jubeln und fröhlich sein. Keine Tränen mehr, keine Peinlichkeit, keine Verachtung, keine Schmerzen, keine Verletzungen, keine Wut. Alles wird vorbei sein. Gott wird es aufheben, wird es überflüssig machen. So wird es sein, wenn es keinen Tod mehr geben wird, wenn das Leben und der Wille Gottes sich durchgesetzt haben werden. Ein schöner Traum! könnten Sie jetzt sagen. Ein poetischer Text! Eine wundervolle Hoffnung! Aber so ist es nicht! Und warum sollten wir uns also damit aufhalten einen solchen Traum zu träumen, der doch niemals wahr werden wird?

Doch, er wird wahr werden, denn er hat schon angefangen, sich zu erfüllen. Er begann sich zu erfüllen als Jesus von Nazareth gelebt hat. Jesus hat Menschen geheilt und ihnen ihre Schmerzen genommen. Jesus hat Menschen getröstet und ihnen eine Perspektive für ihr Leben gezeigt. Jesus hat mit den Ausgeschlossenen und Verachteten gegessen und hat ihnen ihre Würde und Selbstachtung wiedergegeben. Und Jesus hat uns gesagt: Ihr seid Kinder Gottes. Wenn sie euch noch so schlecht behandeln, eure Ehre und eure Selbstachtung kann euch niemand mehr wegnehmen, denn ihr seid geehrt und geachtet bei Gott. Diese Botschaft hat natürlich nicht bei allen Anklang gefunden. Viele, die davon profitieren, dass alles so bleibt wie es ist, haben alles daran gesetzt diesen Jesus loszuwerden. Die jüdischen Autoritäten in Jerusalem haben ihn den verhassten Römern ausgeliefert. Im entscheidenden Moment hat selbst die Volksmenge geschrien: Kreuzige ihn. Die Besatzungsmacht Rom hat ihn dann gekreuzigt. Das alles hat gezeigt: Es ist schwer, sich auf die neue Welt Gottes wirklich einzulassen. Doch mit Jesus hat diese Welt begonnen sich durchzusetzen. Und jetzt ist sie nicht mehr aufzuhalten. Seine Gegner und Feinde konnten sie selbst mit der Kreuzigung nicht aufhalten. Noch nicht einmal der Stein vor dem Grab konnte ihn aufhalten, konnte ihn im Tod halten. Gott hat ihn bestätigt. Gott hat ihn auferweckt von den Toten. Und damit wurde klar. Was Jesus angefangen hat, geht weiter. Gott wird unsere Tränen abwischen und die Schmach aufheben. Zumindest langfristig werden wird jubeln und fröhlich sein, weil Gott uns hilft.

Aber was hilft uns dieses langfristig hier und heute in unseren Tränen und unserer Trauer und in unserem Umgang mit Tod und Schmach? Es hilft uns eine ganze Menge. Denn alles, was wir jetzt schlimmes erleben wird zu etwas Vorläufigem. Es mag an einem Vormittag fünf peinliche Situationen geben, aber wir wissen es geht vorbei. Und wenn der Kollege wieder einen Witz auf meine Kosten macht, dann muss ich nicht rot werden und vor Scham und vor Wut in den Boden versinken. Sondern ich kann mich zurücklehnen einmal müde lächeln und mir sagen: Der kann mich überhaupt nicht beleidigen: Was ich bin, und wer ich bin, wird woanders entschieden, und auf keinen Fall von ihm. Ich muss meine Ehre auch nicht bis zum letzten Atemzug verteidigen. Denn über meine Ehre ist bereits entschieden und zwar von Jesus Christus und zwar zu meinen Gunsten. Und das kann niemand mehr antasten oder rückgängig machen oder angreifen. Die Schmach wird vorbei sein. Was da heute passiert, das ist im Vergleich zu Gottes Ewigkeit nur eine kurze Zeit. Und in dieser kurzen Zeit werde ich wohl damit fertig werden.

Im Vergleich zu Gottes Ewigkeit ist auch die Zeit der Trauer nur kurz. Jetzt hat der Tod die Macht mich von der geliebten Person zu trennen. Aber er wird diese Macht nicht ewig behalten. Ich weiß, dass sie bei Gott geborgen ist und ich hoffe eines Tages in welcher Form auch immer wieder mit ihr vereint zu sein. Ich kann loslassen und ich kann wieder zu einem erfüllten Leben finden. Denn der Tod hat nicht das letzte Wort, und die Schmach wird Gott aufheben und die Tränen werden abgewischt werden. So sieht die Zukunft aus, die Gott für uns will. Verlassen wir uns auf diese Zukunft und gehen ihr hoffnungsvoll entgegen. Und selbst wenn es zwischenzeitlich anders kommen sollte und das Leben noch viel von uns fordert, so ist doch heute schon klar: Wenn wir uns an Jesus Christus halten, dann werden wir nicht aus Gottes Hand fallen. Wenn wir Jesu Leben und Leiden für uns in Anspruch nehmen, dann wird Gott zu uns stehen. Und dann wird auch in unserem Leben der Tod nicht das letzte Wort haben. Freuen wir uns heute am Ostermontag auf den Tag, da Gott alle Tränen abwischen wird. Freuen wir uns einfach am Frühling und daran, dass wir am Leben sind. Denn Gott will unser Leben und nicht unseren Tod.

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