Der Mensch hat ein Mandat

Politskandale gibt es zuhauf. Bald mag es ja niemand mehr hören, welche Millionen auf welchem Konto gelandet sind, wer dem Herrn Hoffmann (OB in Saarbrücken) den Garten gemacht hat und sein Haus mit Marmor ausgestattet hat, ohne dass der gemerkt hat, dass er nichts bezahlt hat. Und wo der Herr Dörfert von der CTT ‚politische Landschaftspflege‘ betrieben hat: Der Missbrauch der Herrschaft insgesamt belastet uns alle. Um so mehr wenn manche Herrschenden argumentieren: schließlich hätten wir ihnen ein Mandat gegeben. Ein Mandat wahrzunehmen heißt aber doch zuallererst Verantwortung wahrzunehmen zugunsten der Menschen, die darüber nicht immer glücklich sein müssen, aber nicht betrogen werden dürfen. Ein Mandat haben aber nicht nur unsere PolitikerInnen bekommen, sondern auch wir, alle Menschen, Männer + Frauen. Davon erzählt die Schöpfungsgeschichte, au der ich nun einen Ausschnitt vorlese:

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Ist es Ihnen aufgefallen: wir haben einen Auftrag erhalten: Wir sollen herrschen über diese Welt, die Gott geschaffen hat. Sie müssen jetzt nicht daran glauben, dass diese Welt wirklich in 7 Tagen erschaffen wurde. Es ist eine Vorstellung aus alter Zeit, die uns helfen will, zu begreifen, wie planvoll Gott diese Erde geschaffen hat. Menschen haben gefragt nach dem Sinn des Lebens und nach dem Grund dieser Welt und haben aus dem, was ihnen wichtig war und was sie im Glauben erfahren haben, diesen Bericht so aufgeschrieben. In der Gefangenschaft erlebten die Menschen andere Glaubenswelten und betonten: Gott hat alles – auch die Götter der anderen (Sonne, Mond und Sterne) nur durch sein Wort aus dem Nichts geschaffen. Und am Ende hat er Stellvertreter eingesetzt, nicht irgendeinen Mächtigen wie den Pharao, der sich genauso wie später die Cäsaren als Halbgott empfand, sondern den Menschen. Nicht der König ist Bild Gottes, sein Stellvertreter, sondern der Mensch, also alle: Mann + Frau. Darin steckt etwas Revolutionäres. Diesem Menschen ist die Herrschaft übertragen.

Herrschen ist etwas anderes als töten – es heißt Verantwortung übernehmen, wie ich für meine Kinder Verantwortung übernehme oder ein Vereinsvorsitzender für seinen Verein oder hoffentlich ein Politiker oder eine Politikerin für das Ganze. Ich habe ein Mandat auf dieser Erde und für diese Erde.

Eine Geschichte von Hillel, den seine Schüler fragten, wo er hin geht: Ein Gebot erfüllen – zu baden im Badehause. Sie verstanden nicht, wieso das eine Gebotserfüllung sei. Er: Wenn schon alle Denkmäler und Kaiserbilder regelmäßig gereinigt werden, um wieviel mehr ich, der ich Ebenbild Gottes bin. Wenn ihr schon viel Kraft daran setzt, Sachen zu pflegen, Wohnungen und Autos, um wieviel mehr das Ebenbild Gottes, das er geschaffen hat als Mann und Frau. Du sollst den Feiertag heiligen, meint eben auch: Du sollst Gottes gute Schöpfung heilig nennen.

Das abendliche Bad Hillels wurde so zur Demonstration von Menschenwürde und zu einer politischen Analyse.

Für mich eine ganz wichtige Analyse: Der Mensch ist nicht irgend etwas. Er ist das Bild Gottes und als solcher besonders ehrenwert. Und zwar nicht besondere Menschen, sondern jeder Mensch. In der Schöpfungsgeschichte gibt es nur 2 Menschen: Mann + Frau. Beide haben dieselbe Qualität – und wir dürfen folgern: Das gilt auch für Kain und Abel, für schwarz und weiß, für Arier (was immer das sein mag) und Nichtarier. Der Mensch ist Bild Gottes. Der Mensch in seiner Gesamtheit hat ein Mandat!

Von daher können wir auch einen neuen Blick gewinnen auf politische Fragen unserer Zeit:

Gentechnologie: wer sind wir eigentlich, dass wir am Bild Gottes manipulieren wollen, bestimmen wollen, dass behindertes oder todgeweihtes Leben nicht geboren werden darf.

Euthanasie: Dürfen wir das Ende unseres Lebens in unsere Hand legen? Mir sind da alle einfachen Antworten zuwider. Nur ich ahne wie nah die Grenze zum ‚sozialverträglichen Ableben‘ sind.

Dass der Mensch Bild Gottes ist, daran dürfe wir uns freuen, auch wenn wir beim Weiterlesen der Geschichte bis Genesis 9 das Entsetzen des Schriftstellers über den vorfindlichen Menschen spüren und nachvollziehen können. In seiner Fehlerhaftigkeit und trotz dieser Fehlerhaftigkeit bleibt der Mensch, was er ist und bleibt sein Auftrag bestehen: Diese Erde zu verwalten, für sie sein Mandat wahrzunehmen.

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