Der Herr tötet und macht wieder lebendig

Liebe Gemeinde,

auf den ersten Blick hat die Lebensgeschichte der Hannah nichts mit Karfreitag und Ostern zu tun. Eine kinderlose Frau, die Gott verspricht: "Wenn ich einen Sohn bekommen, dann gebe ich ihn in deinen Dienst." Hier wird uns das Schicksal einer Frau vor Augen gestellt, die tiefste Not, dann aber auch die Hilfe Gottes erfahren hat. Das drückt sie in ihrem persönlichen Gebet aus: "Der Herr tötet und macht wieder lebendig. Er schickt Menschen hinab ins Totenreich und ruft sie wieder herauf." Und so sehen wir, das Hannah von ihren Karfreitags- und Ostererfahrungen im eigenen Leben redet. Schauen wir uns zuerst die Karfreitagserfahrung der Hannah an. "Herr, ich bin ja nur eine verzweifelte Frau." So stellt sich Hannah dem Priester Eli vor, als sie im Tempel um ein Kind betet. Der Grund ihrer Verzweiflung ist die Kinderlosigkeit. Die Verzweiflung über ihr Schicksal stürzt sie immer wieder in tiefe Depressionen. Da hilft kein menschlicher Trost, nicht einmal die Liebe ihres Mannes kann die Mauern der Verzweiflung durchbrechen. Eine Frau ohne Kinder ist in alttestamentlicher Zeit abgeschnitten von der Lebens- und Segenslinie des Volkes Israel. Ein Leben ohne Kinder ist nicht lebenswert, eine Kinderlose sagt zu ihrem Mann: "Schaffe mir Kinder, sonst sterbe ich" Da ist Hannah schon klüger, sie wendet sich nicht an ihren Mann, der sicher genauso verzweifelt ist wie sie, sondern sie schüttet ihr Herz Gott aus. Die Kinderlosigkeit das war Karfreitag der Hannah. Gott hat das Gebet erhört und mit ihrem Sohn Samuel fängt ihr Ostern an, so wie es hier heißt: "Hannah sang ein Loblied: «Der Herr erfüllt mein Herz mit großer Freude, er richtet mich auf und gibt mir neue Kraft! Laut lache ich über meine Feinde und freue mich über deine Hilfe!"

Von der alten Kirche kennen wir den Brauch des Osterlachens. Da wurde an Ostern kräftig gelacht und damit der Sieg Gottes über Tod und Teufel deutlich gemacht. Daraus entstand dann auch die Tradition, dass der Pfarrer an Ostern einen Witz in der Predigt erzählt, damit die Gemeinde herzhaft lachen kann. So will ich heute einen Witz erzählen: Es sitzt ein älteres Ehepaar, beide 60 Jahre alt, im Park. Händchenhaltend betrachten sie versonnen die Landschaft. Da kommt plötzlich eine Fee vorbei, sieht die beiden und ist ganz gerührt, ob der trauten Gemeinsamkeit der Beiden. So beschließt sie spontan, ihnen etwas Gutes angedeihen zu lassen, geht auf den Mann zu, stellt sich vor und sagt: "Du hast einen Wunsch frei." Darauf lässt der Mann ruckartig die Hand seiner Frau los und sagt mit leuchtenden Augen: "Oh, ich möchte gerne eine dreißig Jahre jüngere Frau." Die Fee antwortet lächelnd: "Dein Wunsch sei Dir gewährt." Es macht pling, pling, pling und er ist 90!!!

So sehr wir darüber lachen können, ist auch das eine Karfreitagerfahrung. So manche Wünsche von uns stellen sich als Karfreitag heraus. Und wir dürfen Gott dankbar sein, dass er anders als diese Fee, nicht alle unsere törichten Wünsche erfüllt. Das sehen wir, wenn wir uns die drei wesentlichen Eigenschaften Gottes ansehen, die Hannah hier nennt: "Niemand ist so heilig wie du".

Gott ist heilig. Der Begriff heilig ist durch die irreführende Meinung vorbelastet, dass heilig so etwas wie ein Leben in nahezu vollkommener Frömmigkeit ist, in dem die Gott wohlgefälligen Seiten weit überwiegen; Heilige wären dann fast sündlose Menschen. Um dieser falschen Vorstellung zu begegnen, müssen wir die ursprüngliche Bedeutung des hebräischen Wortes für »heilig« (kadosch) beachten, das soviel wie »abgetrennt«, »ausgesondert« bedeutet und den göttlichen im Unterschied zum menschlichen Bereich meint. Weiter ist »der Heilige« von Haus aus eine Bezeichnung für Gott ist. Alles, was sonst in der Bibel als »heilig« bezeichnet wird, ist abgeleitete Heiligkeit; heilig im eigentlichen sinnt ist nur Gott.

Was aber dem heiligen Gott gehört, das ist heilig, weil es ihm geheiligt ist. »Heilig«, ob es für Menschen oder Sachen oder andere irdische Begriffe gebraucht wird, heißt: Gott hat seine Hand darauf gelegt. Der Sohn der Hannah, der Samuel ist heilig, weil ihn die Mutter für den dienst in Gottes Tempel absondert und ihn dem Priester Eli nach der Entwöhnung zur Erziehung gibt. Wenn wir Jesus in unser Herz aufnehmen, dann sind auch wir heilig, denn dann gehören wir Gott. "Denn du bist der einzige und wahre Gott."

Es gibt viele Dinge und Personen, die beanspruchen das Wichtigste zu sein. Wenn sie gewähren lassen, dann setzen sie sich an die Stelle Gottes. Diese Dinge halten uns dann davon ab, auf den einzigen und lebendigen Gott zu vertrauen. Denn er ist der einzige, der die Macht über Tod und Leben hat. Er ist der einzige, vor dem wir uns bei der Auferstehung der Toten verantworten müssen. "Du bist ein Fels, keiner ist so stark und unerschütterlich wie du."

Gottes Treue und Zuverlässigkeit stehen fest, fester als Leben und Tod, wie wir hier hören: "Der Herr tötet und macht wieder lebendig. Er schickt Menschen hinab ins Totenreich und ruft sie wieder herauf." Hier hat die Hannah ihre Karfreitags- und Ostererfahrung aufgeschrieben. Wichtig ist, das es auch in unserem Leben Ostern wird. Was das bedeutet will ich an einem Vers aus dem Johannesevangelium deutlich machen. Ein Bekannter aus Australien hat mich diese Woche gefragt, was er bedeutet: Wer sein Leben über alles liebt, der wird es verlieren. Wer aber bereit ist, sein Leben vorbehaltlos für Gott einzusetzen, wird es für alle Ewigkeit erhalten. (Johannes 12, 25)

Das ist die Frage nach Karfreitag und Ostern. Die meisten Menschen ohne Karfreitag. Die Frage nach sinnvollen Leben, das treibt die Menschen um. Was machen die Leute nicht alles um Spaß im Leben zu haben für ein paar Minuten. Die Dinge, die man haben will, sind so lange interessant, bis ich sie habe. Das ist mit Leben lieb haben gemeint. Das musste schon mancher Playboy, der alles hatte, auf dem Totenbett feststellen: Eine falsche Liebe zum Leben, die uns von Gott wegbringt. Wenn ich dagegen mein Leben für Gott einsetze, muss ich auf manches verzichten, aber ich gewinne schon hier in diesem Leben Sinn und in Gottes neuer Welt das ewige Leben. Das gilt nicht nur in den schönen Stunden des Lebens, sondern trägt auch durch die schwierigen. Denn der Auferstehung ist der Karfreitag vorausgegangen. Christlicher Glaube verspricht zwar kein leidfreies, aber ein sinnvolles Leben.

Was bedeutet aber die nächste Aussage: "Manche macht er arm, andere dagegen reich. Er erniedrigt und erhöht Menschen, wie er es für richtig hält." Das ist etwas, das wir beobachten, aber nicht unbedingt erklären können. Wir sind im reicheren Teil der Welt geboren, anderen werden in den ärmeren Ländern der Welt geboren. Beide können dafür nichts, es war Gottes Entschluss, uns hier auf die Welt kommen zu lassen. Wichtig ist nur festzuhalten, das Reichtum kein Maßstab für Gottes Liebe ist. Vielleicht sind wir sogar ärmer dran, insofern, dass unser Reichtum uns davon abhält, wirklich Gott zu suchen und unser Leben für ihn zu leben. "Dem Verachteten hilft er aus seiner Not. Er zieht den Armen aus dem Schmutz und stellt ihn dem Fürsten gleich, ja, er gibt ihm einen Ehrenplatz."

An Gründonnerstag haben wir über den Gedanken der Gemeinschaft beim Abendmahl nachgedacht. An Karfreitag stand die Vergebung im Mittelpunkt und heute an Ostern geht es um die Freude. Das wird hier mit dem Ehrenplatz ausgedrückt. Denn Christen, denn es hier auf der Erde schlecht geht, die ein Stück der Qualen des Kreuzigungsweges Jesu leiden müssen, die Christen die von ihrer Umwelt von Jesus verspottet werden, die Christen, die ihr Kreuz zu tragen haben, werden beim großen Fest im Himmel einen Ehrenplatz bekommen. Das Abendmahl ist schon heute ein Vorzeichen für diese Freude, die uns im Himmel erwartet. "Er zieht den Armen aus dem Schmutz und stellt ihn dem Fürsten gleich, ja, er gibt ihm einen Ehrenplatz."

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